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Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus hat immer mehr zu tun

Ein Schild mit der Aufschrift "Hass ist keine Meinung" ist bei einer Demonstration "Demokratie verteidigen" zu sehen.

Immer mehr Menschen beanspruchen Hilfe beim Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus. Das Beratungsnetzwerk Hessen hatte 2023 so viele Anfragen wie nie. Und die Zahlen steigen weiter.

Die Nachfrage nach Beratungsangeboten bei den Themen Rechtsextremismus und Rassismus ist in Hessen im Jahr 2023 auf einen Rekordwert gestiegen. Das hessische Beratungsnetzwerk für Demokratie und gegen Rechtsextremismus registrierte im vergangenen Jahr 307 Beratungsfälle - so viele wie noch nie, wie das zuständige Demokratiezentrum Hessen an der Philipps-Universität Marburg am Montag mitteilte.

Im Vorjahr waren es demnach noch 206 Fälle gewesen, die Zahl der Hilfeanfragen stieg also um 49 Prozent. "Dabei ist eine deutliche Zunahme vor allem bei Beratungsthemen wie Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Queerfeindlichkeit erkennbar", hieß es.

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Krisen treiben Menschen auseinander

Ursachen für den deutlichen Anstieg der Beratungszahlen sind laut Demokratiezentrum Hessen unter anderem im erstarkten Rechtsextremismus und -populismus und bei Verrohungen und Anfeindungen im Internet zu suchen. Ausgelöst werde dies auch durch viele gleichzeitig stattfindende Krisen wie etwa die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten oder den Klimawandel.

Das könne bei vielen Menschen zu einer "allgemeinen Verunsicherung, schwindendem Vertrauen in die Politik und Forderungen nach einfachen, schnellen Lösungen führen, die rechtsextreme Kreise vermeintlich anzubieten scheinen". Grundsätzlich nimmt das Beratungsnetzwerk "Polarisierungstendenzen" innerhalb der Gesellschaft wahr.

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Beratungsnetzwerk Hessen

Das vom Land Hessen und vom Bund geförderte "Beratungsnetzwerk Hessen - gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus" berät kostenlos und vertraulich Hilfesuchende wie Schulen, Eltern, Familienangehörige, Kommunen, Vereine, Diskriminierungsopfer und andere Betroffene in Fällen von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus oder Fällen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. 
Es bietet auch Bildungs- und Präventionsveranstaltungen an. Im Jahr 2023 waren es 141 und damit weniger als 2022 (155). Das lag daran, dass "Ressourcen in erster Linie für laufende und die vielen neuen Beratungsprozesse verwandt werden mussten", wie das Netzwerk mitteilte.

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Der nächste Negativ-Rekord steht bevor

Nach dem aktuellen Stand dürfte der Rekord an Beratungsfällen aus dem Jahr 2023 nicht allzu lange Bestand haben. In den ersten vier Monaten des Jahres 2024 meldete das Beratungsnetzwerk 112 Fälle. Hochgerechnet wären dies aufs Jahr mehr als 330. Die Tendenz gehe "weiter nach oben".

Diesen Eindruck teilt auch andere Stellen. Das Mobile Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus (MBT Hessen) beobachtet seit geraumer Zeit eine sinkende Hemmschwelle, sich menschenfeindlich zu äußern. Rechtsextremismus sei näher ins private Umfeld, in die Nachbarschaft und an den Arbeitsplatz gerückt, heißt es im jüngsten Jahresbericht der mobilen Beratungsstellen gegen rechts.

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