Dj Bachi aus Georgien

Er ist erst 24 Jahre alt, trotzdem musste Bachana Sabiashvili schon zweimal vor russischen Angriffen fliehen. Clubbesitzer Max Coga lässt ihn in Frankfurt auflegen und merkt: DJ Bachi kommt ziemlich gut an.

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Geflüchteter DJ aus Ukraine findet Heimat im Pik Dame

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Max Coga, Besitzer des Frankfurter Clubs Pik Dame, war gerade im Ausland, als ihn eine besondere Anfrage erreichte: Ein geflüchteter junger Mann fragte, ob er in seinem Club aushelfen dürfe. Das Angebot machte Coga neugierig, er lud ihn zu sich ins Büro ein. Dort erschien allerdings nicht nur der junge Mann, sondern gleich eine ganze Familie, geflüchtet aus der Ukraine.

"Es war eine schöne Energie im Raum. Da ich selbst ein gewisses Familienbewusstsein habe, fand ich das direkt sympathisch", erzählt Coga. Bachana Sabiashvili, genannt Bachi, hatte keine offizielle Arbeitserlaubnis, einen Job konnte Coga ihm also nicht anbieten. Stattdessen lud Coga ihn ein, in die Pik Dame zu kommen, wann immer er wolle.

Der 24-jährige Sabiashvili war gemeinsam mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Freundin aus Kiew geflohen. Eines Morgens habe ihn seine Freundin angerufen und gesagt, sie habe Bomben einschlagen hören, erzählt er. Die Familie habe sofort beschlossen, zusammen das Land zu verlassen. Sie hätten sieben Stunden im Stau gestanden, es sei sehr kalt gewesen. Die Situation beschreibt Sabiashvili als unübersichtlich, Panzer seien gerollt. Zuerst flüchtete die Familie nach Polen, dann weiter nach Deutschland.

Auf der Flucht vor Putins Angriffen

Für Bachana Sabiashvilis Familie war es nicht das erste Mal, dass sie ihr Leben hinter sich lassen mussten, wie er erzählt. Die Familie stammt aus Georgien. Seine Eltern flohen bereits 2007 vor russischen Angriffen aus ihrem Heimatland. Mit zwei kleinen Kindern seien seine Eltern im ukrainischen Perwomajsk angekommen, was sehr schwierig für sie gewesen sei: "In der Ukraine gab es keine Sozialhilfe für Flüchtlinge wie in Deutschland. Sobald mein Bruder und ich älter wurden, fingen meine Eltern an, sich etwas aufzubauen."

15 Jahre lang habe die Familie in der Ukraine gelebt und dort einen Club und zwei Restaurants eröffnet, erzählt Sabiashvili. Dann kam Putins Angriffskrieg, und die Familie sah sich abermals gezwungen, ihr Leben hinter sich zu lassen - aber: "Ich glaube an die Ukraine. Und ich glaube an meine Familie", sagt er.

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In Deutschland angekommen, suchte der 24-Jährige Anschluss in der Pik Dame. Er und Clubbesitzer Coga haben einiges gemeinsam. Nicht nur sind beide mit dem Nachtleben aufgewachsen, sie verbindet auch ein ausgeprägtes Interesse an der Musik, erzählen die beiden Männer. Bachana Sabiashvili stellte sich tagsüber, wenn Getränke geliefert wurden, immer mal wieder ans DJ-Pult. Und Coga sagt, er habe schnell gemerkt: Der Junge hat Talent.

Clubbesitzer will den DJ fördern

So kam es, dass Coga ihn irgendwann auch mal im Clubbetrieb an die Turntables ließ - und die Menge habe DJ Bachi gefeiert, erzählt Coga. Es stellte sich heraus: Der 24-Jährige hat schon in der Ukraine aufgelegt, sich in der dortigen Techno-Szene einen Namen gemacht. Als dem Clubbesitzer Coga dämmerte, dass DJ Bachi kein unbeschriebenes Blatt ist, nahm er ihn unter seine Fittiche. Ihm sei es wichtig, Sabiashvili mit der Pik Dame eine Plattform zu geben, sagt er.

Nachtclub-Besitzer Max Coga.

Coga fördert auch schon in einem anderen Bereich junge Talente: Als professioneller Mixed-Martial-Arts-Kämpfer trainiert er junge Sportler. "Uns geht es gut. Wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir den Leuten helfen", sagt Coga. An Bachi schätze er besonders, dass dieser ein absoluter Optimist sei und stets nach vorne schaue.

Frankfurt, Berlin, Miami

Dabei sei gerade die Anfangszeit in Deutschland sehr schwierig für ihn gewesen, vor allem mental, sagt DJ Bachi. Seitdem er Coga kenne, fühle er sich aber wohler in Frankfurt, erzählt er: "Max hat ein gutes Herz." Man merkt, wie dankbar er Coga dafür ist, dass dieser ihm Anschluss und eine Chance bietet. Ob Sabiashvili zurück in die Ukraine will, wenn der Krieg eines Tages vorbei sein sollte? Er weiß es nicht. "Jetzt bin ich erst mal hier. Und ich weiß nicht, ob ich unbedingt zurückgehen möchte und dort wieder von Null anfangen will", sagt er.

Aktuell wartet der junge DJ noch auf eine Arbeitserlaubnis für Deutschland. Bis dahin hat er aber viel vor. Im Dezember geht es erst mal auf ein ukrainisches Festival in Berlin, um ein Zeichen gegen den Krieg setzen, wie er erzählt. Sollte er das entsprechende Visum erhalten, wolle er bei einer internationalen Kunstmesse in Miami auflegen. In der Pik Dame im Frankfurter Bahnhofsviertel will Sabiashvili ganz unabhängig davon weiterhin als DJ auftreten.

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