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"Kunst to go" in Fulda

Vergessenskurve auf dem Campus der Hochschule Fulda.

Wer Kunst sehen will, muss nicht immer ins Museum oder in eine Galerie. Manchmal reicht es schon, in seiner eigenen Stadt die Augen offen zu halten. In Fulda zum Beispiel kann man einen Spaziergang durch die Kunstgeschichte unternehmen.

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"Kunst to go" in Fulda – Kunst, die draußen steht

hs 31.05.2024
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Für die hessenschau-Serie "Kunst to go" ist Kunsthistoriker und Comedian Jakob Schwerdtfeger in Wiesbaden, Darmstadt, Gießen und Fulda unterwegs, um versteckte und offensichtliche Werke in Parkanlagen und auf öffentlichen Plätzen zu entdecken - wie hier in Fulda:

Das König-Konrad-Denkmal von Franz Erhard Walther

König Konrad Denkmal in Fulda.

Googelt man "Denkmal", findet man meist Bilder von Männern auf Sockeln oder Pferden. Vor diesem Hintergrund ist das Monument für König Konrad I. eine Ausnahmeerscheinung: Der Fuldaer Künstler und Biennale-Preisträger Franz Erhard Walther hat zu Ehren des ostfränkischen Königs exakt 911 goldene Täfelchen in eine Sandstein-Gedenktafel eingesetzt.

Die Zahl der Täfelchen ist nicht zufällig gewählt: Im Jahr 911 wurde Konrad I. zum König gewählt. Einfach ein Abbild zu schaffen, sei für ihn nicht infrage gekommen, sagte Künstler Walther in Interviews - nicht nur, weil es keine überlieferten Darstellungen gibt. Es sei ihm schlichtweg zu konventionell gewesen.

Seit 2019 steht die Skulptur in der Nähe des Fuldaer Dom - dem Ort, wo Konrad I. auf eigenen Wunsch bestattet wurde. Und auch dieses Datum ist nicht beliebig gewählt: Damals jährte sich nicht nur die Bestattung Konrads zum 1.100. Mal, die Stadt feierte auch ihr 1.275. Jubiläum.

Die Floravase von Daniel Friedrich Humbach

Skulptur Floravase vor einer Treppe im Schlossgarten Fulda mit blauem Himmel

Man muss den Kopf ganz schön recken, um Blumengöttin Flora auf der Freitreppe zur Orangerie des Fuldaer Schlossgartens anzusehen: Knapp sieben Meter hoch ist die barocke Gartenplastik, die Flora von Engelchen und üppigen Blumenranken umgeben zeigt. In ihrer Hand hält die Göttin eine Lilie, das Wahrzeichen des Fuldaer Fürstabtes Adolf von Dalberg (1678-1737).

Der Bamberger Bildhauer Daniel Friedrich Humbach hat die "Floravase" 1728 nach einem Entwurf des bekannten Barock-Baumeisters Friedrich Johann Stengel erschaffen - aus einem einzigen Stein aus dem ehemaligen Sandsteinbruch Steinau bei Marbach (Fulda).

"Die Barockskulptur ist eine der bedeutendsten Gartenskulpturen in Europa", erklärt Kunsthistoriker Jakob Schwerdtfeger. Sie sei "ein echtes Machtsymbol" und stehe sinnbildlich dafür, "die Natur im Griff" zu haben.

Die "Vergessenskurve" von Dolores Zinny und Juan Maidagan

Steht da ein Aktienkurs auf Talfahrt auf dem Campus der Hochschule Fulda? Nein, es ist die "Vergessenskurve" von Dolores Zinny und Juan Maidagan. Angelehnt an die Hypothese des deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus zeigt sie, wie schnell der Mensch Gelerntes vergisst.

Die argentinischen Künstler setzten sich in einem Kunstwettbewerb des Landes durch, seit 2013 steht das fünf mal fünf Meter große Werk auf dem Campus. Das Motto der Vergesslichkeit ist nicht zufällig gewählt: Vom Standort der Skulptur sind Hochschulgebäude aus vier Epochen zu sehen, unter anderem die ehemaligen Kasernen, in denen in den 1930er Jahren Soldaten ausgebildet wurden.

Kunsthistoriker Jakob Schwerdtfeger nennt die Platzierung vielsagend. Einerseits sei ein Campus ein Ort, "an dem man sich viel Wissen in den Kopf donnert und nicht alles da bleibt". Das Werk nehme aber auch Bezug zur deutschen Geschichte: Die abfallende Wellenbewegung stehe für das Verdrängen und Vergessen des Nationalsozialismus.

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