Zahlen und Daten in grau

Warum nutzen wir die Daten des Robert-Koch-Instituts und nicht die des hessischen Sozialministeriums? Warum liest man immer wieder andere Daten? Was bedeuten sie? Antworten auf diese und andere Fragen.

Warum nutzt hessenschau.de die Daten des Robert-Koch-Instituts und nicht der hessischen Behörden?

Alle bestätigten Corona-Fälle werden in einer zentralen Datenbank vermerkt, die vom Robert-Koch-Institut betreut wird. Diese Datenbank nutzt auch das hessische Sozialministerium für seine täglichen Bulletins. Bei der Übertragung auf die Website sind dort in der Vergangenheit immer wieder Fehler passiert; eine Datenübertragung von Maschinen für Maschinen bietet das Ministerium nicht. Deshalb nutzen wir seit dem 21.5. eine Datenschnittstelle des Robert-Koch-Instituts als Quelle.

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Wenn Sie ganz andere Zahlen lesen: Noch bevor die Daten in der Statistik erscheinen, melden die Gesundheitsämter viele von ihnen über ihre Websites. Medien wie Zeit Online, der Tagesspiegel und die Berliner Morgenpost arbeiten mit Zahlen, die auf Basis dieser Pressemeldungen entstehen - auch weil es manchmal ganz schön lang dauert, bis die neu gemeldeten Fälle in der RKI-Datenbank eingetragen sind. Die Zahlen sind immer etwas höher und übrigens auch eine Quelle, die die amerikanische Johns-Hopkins-Universität in ihrer Datenübersicht für Deutschland meldet. Diese Werte sind nicht notwendigerweise falsch, aber nicht so zuverlässig.

Warum berichtet hessenschau.de nicht deutlicher über die steigenden Zahlen der Genesenen?

Diese Zahl haben wir leider nicht. Zumindest nicht genau. Und deshalb auch nicht die Zahl der "aktiven Fälle".

Tatsächlich wissen wir nicht genau, wie viele Menschen in Hessen derzeit an Corona erkrankt sind. Zum einen gibt es eine Dunkelziffer, zum anderen verfolgen die deutschen Gesundheitsämter nicht durchgängig, wer genesen ist.

Bei leichten Fällen - bei denen der bzw. die Infizierte nur leichte Symptome hat und nicht in ein Krankenhaus musste - geht man davon aus, dass die Krankheit in der Regel nach zwei Wochen ausgestanden ist. Auf dieser Basis schätzt das Robert-Koch-Institut die Anzahl der Genesenen - und aus der kann man, wenn man sie und die Anzahl der Verstorbenen von der Gesamt-Fallzahl abzieht, wiederum die Zahl der "aktiven Fälle" berechnen, der derzeit bekannten Infektionen.

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Auch diese Zahl geht im Mai erfreulicherweise zurück - aber sie ist eben auch nur geschätzt. Deshalb gehen wir zurückhaltend mit dieser Zahl um - und nutzen vor allem die deutlich belastbarere Zahl der bestätigten Neuinfektionen.

Woran würden wir einen neuen Ausbruch am ehesten bemerken?

Zu Beginn bereitete sich das Virus fast ungehemmt aus; die Zahl der Infizierten wuchs exponentiell - mit Zins und Zinseszins, gewissermaßen. Derzeit geht die Zahl der neu entdeckten Infektionen tendenziell eher zurück - sollte sich dieser Trend umkehren, könnte das ein erstes Indiz für eine neue Infektionswelle sein.

Den Trend in eine einfache Messgröße zu fassen - das versucht der "R-Wert", die Reproduktionszahl. Auch sie ist nur geschätzt; es gibt verschiedene Berechnungsmethoden; für Hessen nutzen wir eine Berechnung des Helmholtz-Instituts. Der Wert gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter rechnerisch ansteckt. Grob gesagt: Werte unter 1 sind gut, Werte über 1 sind bedenklich, weil sie auf ein erneut exponentielles Wachstum schließen lassen. Der R-Wert spricht mit 1-2 Wochen Verzögerung auf ansteigende Neuinfektionen an.

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Sprünge in den Neuinfektions-Zahlen können auch auf örtlich begrenzte Ausbrüche zurückgehen, wie im April im Odenwaldkreis oder im Mai in Schlachthöfen außerhalb Hessens. Um sie besser zu erfassen, hat die Politik eine Grenze definiert: wenn eine Inzidenz von 50 Neufällen in einer Woche überschreitet, muss der betroffene Kreis Gegenmaßnahmen einleiten.

Was bedeuten "Inzidenz" und "Wachstumsrate"?

Hundert neu Infizierte in Frankfurt wären nicht ganz so bedenklich wie hundert Infizierte im Schwalm-Eder-Kreis - weil Frankfurt siebenmal mehr Einwohner hat. Um Kreise unabhängig von der Bevölkerungszahl vergleichen zu können, werden die Fallzahlen auf je 100.000 Einwohner umgerechnet - die so genante Inzidenz.

Die Wachstumsrate gibt den Zuwachs an bekannten Fällen von Tag zu Tag an. Sie kann nur null oder größer sein - logisch: die Zahl aller jemals gemeldeten Fälle kann ja nur nach oben gehen. Aber auch sie gibt einen Eindruck von der derzeitigen Entwicklung.

Wieso finde ich die Verdoppelungszeit nirgends mehr?

Die Verdoppelungszeit hat sich als Messgröße überlebt - weil die Zahl der Neuinfektionen erfreulich niedrig geworden ist. Solange die Reproduktionszahl R über 1 war und die Fallzahlen exponential stiegen, beschrieb sie die Dynamik ganz gut, inzwischen ist der Vergleich der Neuinfektionen zur Vorwoche die bessere Zahl.

Da die Verdoppelungszahl auf ein paar Dashboards immer noch auftaucht: man kann sie einfach selbst aus der Wachstumsrate für die letzten sieben Tage berechnen, indem man den natürlichen Logarithmus von 2 - für die Verdoppelung - durch den Logarithmus des Wachstumsfaktors teilt: nach der Formel ln(2)/ln(Wachstumsrate in Prozent + 1).

Fragen zu den Zahlen? Anmerkungen zu den Grafiken? Schreiben Sie mir!