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Grundwasserstände in Hessen erholen sich

Nach regenreichen Wochen haben sich im Unterholz im Königsdorfer Forst Wasserflächen gebildet.

Die vergangenen zwölf Monate gelten als die feuchtesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Die Grundwasser-Situation in Hessen ist dadurch so gut wie seit 2018 nicht mehr. Sehr zur Freude der hessischen Wälder.

Das Jahr 2024 war bisher vor allem eines: überdurchschnittlich nass. Sowohl der Winter als auch das Frühjahr brachten laut Deutschem Wetterdienst (DWD) jeweils mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter nach Hessen. Ganz Deutschland erlebte demnach in den vergangenen zwölf Monaten den nassesten Zeitraum seit Messbeginn.

Der Rekord-Regen lässt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) entspannt auf die Sommer-Monate blicken. "Die Situation ist eine völlig andere als im letzten Jahr", teilte ein Sprecher auf hr-Anfrage mit. Die Böden seien gut gesättigt, es habe sich frühzeitig neues Grundwasser bilden können.

Hoher Stand an Mehrheit der Messstellen

Die Grundwasserstände seien so gut gefüllt wie vor Beginn der letzten Trockenheitsperiode vor sechs Jahren nicht mehr. Aktuell würden an 75 Prozent der insgesamt 115 Messstellen in Hessen hohe oder sehr hohe Stände beobachtet.

Damit sei die Ausgangssituation deutlich günstiger als in den Vorjahren. Selbst wenn die verbleibenden Sommermonate heiß und trocken werden sollten, sei nicht mit einem so niedrigen Grundwasserspiegel wie zuletzt zu rechnen.

Grundwasser steigt trotz hoher Temperaturen

Zwar geht das Grundwasser laut HLNUG wegen der höheren Temperaturen und der zunehmenden Verdunstung im Sommer traditionell zurück. Üblicherweise fallen demnach an mehr als 90 Prozent der Messstellen die Stände. Derzeit stiegen sie aber noch an 36 Prozent der Messstellen.

Grundwasser entsteht vor allem aus Regen, der im Boden versickert und aus Wasser, das aus oberirdischen Gewässern wie Bächen, Flüssen und Seen in den Untergrund gelangt. Durch die Schwerkraft bewegt es sich so tief in den Boden, bis es auf eine Gesteinsschicht trifft, die es nicht durchdringen kann. Dort sammelt es sich zum sogenannten Grundwasser an. Diesen Vorgang bezeichnet man als Grundwasserneubildung. Einzelner Niederschlag zeigt beim Grundwasser oft keine unmittelbare Wirkung - es kann je nach Durchlässigkeit und Lage lange dauern, bis es im Grundwasser ankommt.

Grafik, die oben eine Landschaft mit Regen und Wolken zeigt und unten einen Schnitt durch die Erde, wobei verschiedene Schichten zu sehen sind. Daneben stehen Bezeichnungen: "Durchlässige Gesteinsschichten", "Nicht durchlässige Gesteinsschichten" und "Grundwasser". In der Mitte der bräunlichen Schichten liegt eine Schicht, blau eingefärbt, welche das Grundwasser darstellt.

Das sei auf die überdurchschnittlich regenreiche Witterung der vergangenen Wochen und Monate zurückzuführen. Entscheidend für die Neubildung des Grundwassers sei, wie viel Niederschlag es im sogenannten hydrologischen Winterjahr von November bis April gebe, so das HLNUG. Ein trockener Winter sei daher viel schlimmer für das Grundwasser als ein trockener Sommer.

Erholung seit Herbst

Aber auch das hydrologische Sommerjahr, das im Mai gestartet ist und noch bis Oktober geht, brachte bisher mehr Regen als gewöhnlich. Im Mai lag die Niederschlagsmenge dem HLNUG zufolge 82 Prozent über dem zwischen 1991 und 2020 gemessenen Mittel, im Juni waren es 18 Prozent über dem Durchschnitt.

Demnach lagen die durchschnittlichen Grundwasserstände im vergangenen Monat im Vergleich zum Vorjahr an 98 Prozent der Messstellen auf einem höheren Niveau. Die Erholung sei schon seit dem vergangenen Herbst zu sehen – und zwar flächendeckend in Hessen.

Grafik, die oben eine Landschaft mit Regen und Wolken zeigt und unten einen Schnitt durch die Erde, wobei verschiedene Schichten zu sehen sind. Daneben stehen Bezeichnungen: "Durchlässige Gesteinsschichten", "Nicht durchlässige Gesteinsschichten" und "Grundwasser". In der Mitte der bräunlichen Schichten liegt eine Schicht, blau eingefärbt, welche das Grundwasser darstellt.

Niedrige Grundwasserstände gebe es nur noch vereinzelt. Etwa dort, wo sich neues Grundwasser verzögert bilde, weil etwa der Boden nicht durchlässig genug sei oder ein größerer Höhenunterschied zwischen der Erdoberfläche und dem Grundwasser bestehe.

Noch nicht alle Reserven voll

Die derzeit stabilen bis steigenden Grundwasserstände sind laut Landesbetrieb Hessen Forst auch ein gutes Zeichen für den Wald. Insbesondere naturnahe Waldflächen, deren Wurzeln direkt an das Grundwasser angeschlossen sind, und Wälder auf Böden mit hohem Sandanteil profitierten davon.

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Zwar seien etwa in Nordhessen die Wasserspeicher der Bäume, die mehr als einen Meter unter der Oberfläche liegen und als Reserve für die Sommermonate dienen, noch nicht überall wieder vollständig aufgefüllt. Sickerwässer aus den Mittelgebirgen würden aber auch in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass sich die Wasserstände weiter stabilisierten, so Hessen Forst.

Die positive Entwicklung beim Grundwasser könnte dadurch bis in den Herbst anhalten und die Situation der Wälder weiter entspannen.

Auch Bodenspeicher gut gefüllt

Steigende Grundwasserstände sind laut Hessen Forst auch ein gutes Zeichen für die übrigen Waldflächen. Wasser versickere nämlich nur dann bis ins Grundwasser, wenn die Wasserspeicher der oberen Bodenschichten gut gefüllt seien.

Je nach Beschaffenheit kann ein Boden mehr oder weniger Wasserüberschuss in seinen Schichten aufnehmen und entgegen der Schwerkraft wie ein Schwamm halten. Der Wassergehalt, der zwei bis drei Tage nach einer längeren Regenperiode im Boden gehalten werden kann, wird als Feldkapazität bezeichnet. Fruchtbare Böden nehmen dabei mehr Wasser auf. Weil Niederschlag auf dem Weg zum Boden verdunsten oder oberflächlich abfließen kann, braucht es immer mehr Regen als momentan freie Wasserspeicher. Je mehr Wasser in den oberen Bodenschichten gespeichert ist, desto mehr versickert und gelangt ins Grundwasser.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Auch die Bodenwasserspeicher sind gut gefüllt – und zwar landesweit, wie Hessen Forst mitteilt. Sollten die verbleibenden Sommermonate sehr heiß ausfallen, werde der Boden aber schnell austrocknen. Das betreffe vor allem Pflanzen, die nicht tief wurzeln.

Wetter unterstützt Förster

Die derzeitige Wetterlage unterstütze die Försterinnen und Förster aber bei ihren Bemühungen, die Wälder an den Klimawandel anzupassen.

Einige Bäume seien nach mehrjähriger großer Trockenheit zwar derart geschädigt, dass sie sich kaum noch erholen könnten, teilt Hessen Forst mit. Die derzeitige Wetterlage sei aber gut für neu gepflanzte junge Bäume, mit denen Schadflächen neu bewaldet und die Vielfalt der Wälder erhöht werden sollen.

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