Der Bahnsteig in Fritzlar ist für die Sonderzüge zum Hessentag zu kurz.

139.000 Menschen haben am ersten Wochenende den Hessentag in Fritzlar besucht. Stimmung super, Programm vielfältig - doch die An- und Abreise wurde für einige zum Abenteuer.

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So war das erste Hessentags-Wochenende

Auf einem Parkplatz weist ein Helfer die parkplatzsuchenden Autos ein. Er trägt eine gelbe warnweste und hält einen Leuchtstab in der Hand.
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Samstag, früher Abend: Der Regionalexpress in Richtung Hessentag ist mit 20 Minuten Verspätung in Kassel losgefahren, kurze Zeit später ist Schluss. In Wabern (Schwalm-Eder) werden die Fahrgäste aufgefordert, auszusteigen und eine halbe Stunde später nach Fritzlar weiterzufahren. Ihr Zug fährt nach kurzem Aufenthalt zurück nach Kassel. Auch ein Folgezug kommt erst verspätet in der Hessentagsstadt an.

Als Begründung für die Planänderung hatte der Zugbegleiter durchgegeben, der Bahnhof in Fritzlar sei "voll mit Zügen" und man könne deshalb nicht weiterfahren. Ärgerlich für die gut 50 Hessentagsbesucherinnen und -besucher, die so ungeplant in Nordhessen gestrandet waren. Entsprechend groß war der Unmut unter einigen Fahrgästen.

Bahnübergangsstörung führt zu Verspätungen und Ausfällen

Die Deutsche Bahn verwies auf hr-Anfrage auf zwei kurzfristige Bahnübergangsstörungen in Uttershausen, einem Ortsteil von Wabern. Somit hätten Lokführer die Bahnübergänge dort händisch sichern müssen, erklärte eine Bahnsprecherin. Daher sei es zwischen 12.30 und 16 Uhr zu Verspätungen und Ausfällen gekommen.

Die Gleisverbindung zwischen Wabern und Fritzlar verläuft auf einer eingleisigen Nebenbahn. Deshalb könne der Streckenabschnitt erst genutzt werden, wenn hier kein anderer Zug unterwegs sei, so die Bahnsprecherin. Die einzige Kreuzungsmöglichkeit zwischen Wabern und Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg) sei in Fritzlar.

Ein temporäres Schild weist den Weg zum Bahnhof.

Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert zu kurzen Bahnsteig 

Am Bahnhof in Fritzlar sorgte zudem ein zu kurzer Bahnsteig für Kopfschütteln bei Bahnreisenden. Zunächst hatten Fahrgäste aus ihrer Tür zwar aussteigen können – jedoch nur auf Schotter, da das Ende ihres Zuges in Fritzlar über den Bahnsteig hinausragte. Das bestätigte der Pressesprecher der Stadt.

Der Grund dafür ist ein zu kurzer Bahnsteig. Seit der Sanierung der Strecke Wabern-Bad Wildungen und der Modernisierung des Bahnhofs in Fritzlar im Rahmen der Hessentagsarbeiten, ist der neue Mittelbahnsteig zwar barrierefrei, aber deutlich kürzer.

Das hatte der Fahrgastverband Pro Bahn am Montag in einer Pressemitteilung kritisiert und bemängelt, dass alles darauf ausgerichtet sei, "mit den regulär verkehrenden Dieseltriebzügen in Doppeltraktion zu fahren". So fehle jegliche Flexibilität, die Strecke auch mal mit längeren Zügen zu bedienen.  

Bahnsteiglänge auf künftige Nutzung ausgelegt

Eine Bahnsprecherin erklärte am Dienstag, man habe die Umgestaltung der Strecke und des Bahnhofs eng mit allen Beteiligten geplant. Die Barrierefreiheit sei dabei ein entscheidendes Kriterium gewesen. Die Länge des Bahnsteigs habe man auf die künftige Nutzung ausgerichtet.  

Der Hessentag stelle eine Sondersituation dar. Bei den eingesetzten Sonderzügen passe eine Tür nicht auf den Bahnsteig, so die Sprecherin. Sie werde nun durch Zugbeleiter gesichert. Nach dem Hessentag sei die Bahnsteiglänge für die eingesetzten Züge ausreichend.  

Verspätete und überfüllte Busse 

Aber nicht nur beim Bahnverkehr hakt es: Besucherinnen und Besucher berichteten von übervollen Bussen nach Fritzlar, dazu von verspäteten und ausgefallenen Pendelbussen. Die Stadt habe die Schwierigkeiten bei den Bussen und der Parkplatzbeschilderung bereits an den ersten beiden Tagen registriert und nachgesteuert. Das hatte Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) am Sonntag im Gespräch mit dem hr berichtet.  

Spogat betonte aber auch, die Stadt sei keine Event-Agentur, sondern sei für die Daseinsvorsorge zuständig. Man werde den Pendelbus, den die Stadt betreibt, optimieren. Auf die Linien, die vom Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) betrieben werden, habe man allerdings keinen Einfluss. 

Linienbusse von Hessentags-Stau betroffen 

Die Probleme betrafen am Wochenende vor allem die Linie 500, die Fritzlar im 15-Minuten-Takt ansteuert. NVV-Sprecherin Sabine Herms bestätigte, dass die Busse vor allem am Sonntag an ihre Kapazitätsgrenze gekommen sind. Man habe als Reaktion darauf zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt. Mehr ginge nicht, so die Sprecherin. "Alles, was Räder hat und alles, was Beine hat, ist unterwegs." 

Es habe zum Teil bis zu 45 Minuten Verspätung gegeben, vor allem weil die Linienbusse im Pkw-Stau gestanden hätten. Eine Ausweichroute würde es nicht geben. Vor allem an der Pappelallee sei wenig Platz für die Linienbusse. Zudem gebe es ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept mit sogenannten Terrorklappen, diese führten zu weiteren Verspätungen. Besucherinnen und Besucher, die auf den Hessentag wollen, sollten möglichst auf die Züge ausweichen, so Herms. 

Schulbusse zum Teil verspätet 

Auch Schülerinnen und Schüler der Fritzlarer Schulen mussten sich wegen Trubels in der Stadt zum Teil auf Verspätungen oder geänderte Abfahrtzeiten einstellen. Doch das halte sich in Anbetracht der Größe der Veranstaltung an ihrer Schule in Grenzen, so Katrin Möbus, pädagogische Leiterin der Ursulinenschule.  

Man habe dazu frühzeitig auf mögliche Verzögerungen reagiert und in der Hessentagswoche keine Klassenarbeiten angesetzt. Zudem sei Hessentag fester Bestandteil des Unterrichts: zum einem im Schulgarten am Grauen Turm, aber auch mit einem Konzert des Chors im Dom und weiteren Aktionen. Allein durch die Lage am Fuße der Altstadt komme die Ursulinenschule am hessischen Landesfest gar nicht vorbei. "Wir sind mitten im Herzen des Hessentags", so Möbus. 

Ausreichend Parkplätze, aber... 

Menschen, die mit dem Auto anreisen, stehen im Süden der Stadt mehrere Großparkplätze zur Verfügung. Daneben gibt es einen Fahrradparkplatz, einen Platz für Wohnmobile und Motorräder und Möglichkeiten, das Auto barrierefrei abzustellen. Am Sonntag seien 6.000 Parkplätze belegt gewesen, berichtete Hartmut Fahrland, Geschäftsführer der zuständigen Firma Komparking, man habe Platz für deutlich mehr Fahrzeuge.  

Probleme hatte es am vergangenen Wochenende vor allem mit der Anfahrt gegeben, die Parkplätze waren nur mit Geduld erreichen. Am Sonntag konnte man die Staukolonne von oben in der Stadt sehen, Besucherinnen und Besucher berichteten von bis zu 45 Minuten Verzögerung. Manche nahmen die Verzögerung allerdings mit Humor, so wie dieser Hessentagsbesucher: "Wir standen eine Dreiviertelstunde im Stau, in unserem Partybus wurde uns aber nicht langweilig."

Auf dem Hessentag steht ein großes, weißes Schild auf einer Wiese. Es weist auf die Parkplatzkosten hin.

... zu teuer? 

Kritik gab es allerdings an den Parkgebühren. Mehrere Menschen hatten bei Facebook die geforderten zehn Euro kritisiert. Grund für die Gebühr seien Kosten, die während der Vor- und Nachbereitung der Flächen entstünden, so Michael Brückmann, Pressesprecher der Stadt.  

Fritzlar habe die Wiesen von ortsansässigen Bauern gemietet, diese könnten ihre Flächen nach dem Hessentag eine Zeitlang nicht nutzen. In Pfungstadt 2023 habe das Parken vor Ort 15 Euro gekostet, so Bürgermeister Spogat.   

Für das Abschlusswochenende werden noch einmal mehrere zehntausend Besucherinnen und Besucher erwartet. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele die Bahn nutzen - und die dann auch fährt. Platz genug gibt es jedenfalls: Während des Hessentags kommen auf der Strecke des RE39 und der RB39 Doppelstockzüge mit vier Wagen zum Einsatz. Das sind im Durchschnitt cirka 500 Sitzplätze.

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