Ein Blick auf das Becken im Schwimmbad in Bad Schwalbach. Das Schwimmbad in Bad Schwalbach lädt alle dazu ein, sich nach dem Ende der Saison gebrauchtes Wasser zum Gießen abzuholen.

Die Freibad-Saison endet, und auch in der Rheingau-Taunus-Kreisstadt wird das Becken geleert. Nach diesem außergewöhnlich trockenen Sommer wird das Wasser nicht einfach abgelassen, sondern verschenkt.

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Freibad spendet Wasser

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Nach einem gewöhnlichen Sommer, wenn alle Schwimmbad-Pommes gegessen sind und sich die letzten warmen Sonnenstrahlen verzogen haben, hängt Richard van Rijn einen Gartenschlauch in das Becken im Freibad in Bad Schwalbach. Fünf Wochen lang lässt der Bademeister dann das Wasser in einen Gulli ablaufen. Mehrere hunderttausend Liter.

Doch dieser Sommer war alles andere als gewöhnlich, der August war in Hessen der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Nirgends in Deutschland fiel in der Zeit weniger Regen als hier.

Sascha Schneider (l) von der Feuerwehr der Stadt Bad Schwalbach und Bademeister Richard van Rijn stehen am Becken zusammen.

Und deswegen braucht van Rijn nun einen 20 Meter langen, dicken Feuerwehrschlauch. Den rollt Sascha Schneider von der Feuerwehr Bad Schwalbach am Montagmorgen direkt neben den Sprungtürmen aus - denn das Badewasser soll nun zum rettenden Gießwasser werden.

Kein Chlor mehr im Wasser

"Das Wasser bei der Trockenheit einfach abzulassen, wäre zu schade", sagt Rijn. Er habe so viel Wasser übrig, während es auf den Feldern, im Garten oder auch bei der Feuerwehr dringend gebraucht werde. Deshalb bietet er seit Montag rund 800.000 Liter Wasser zum Abholen an: für Löschtanks, Gießkannen "oder was man eben so zum Transport mitbringt", sagt er.

Das Wasser eignet sich van Rijn zufolge zum Gießen, da es nach dem Ende der Saison bereinigt wurde. "Durch Umwelt, Luft, Wetter und Sonne verflüchtigt sich das Chlor", sagt der Bademeister. Er habe natürlich gewusst, wann die Badesaison endet, und entsprechend vor der Abholaktion kein Chlor mehr ins Becken geschüttet.

Zudem habe man das Wasser mehrfach gefiltert und Frischwasser hinzugefügt, um alle Rückstände herauszuholen, sagt van Rijn: "Jetzt sind wir so weit und können sagen: Kommt Leute, holt euch unser Badewasser!"

Bio-Landwirt: "Super Aktion"

Simon Dörr vom Bioland-Hof Fischbach war einer der ersten, die das Angebot annahmen. Dörr fuhr mit seinem Wassertankwagen rückwärts auf die Wiese des Freibads, musste ein paar Mal rangieren, dann erreichte er den Feuerwehrschlauch.

Mit einem 20 Meter langen Feuerwehrschlauch wird Wasser aus dem Becken des Bad Schwalbacher Freibads gepumpt, damit Bauern damit ihre Felder gießen können.

"Gerade dieser Sommer hat uns mal wieder gezeigt, wie sorgsam wir mit der Ressource Wasser umgehen sollten", sagt er. "Ich finde das hier eine super Aktion." Er werde mit dem Wasser die frisch gepflanzten Obstbäume gießen. "Die freuen sich über jeden Liter", sagt Dörr. Rund 6.000 Liter nimmt er mit.

Auch die Stadt Bad Schwalbach holt sich Wasser

Das nicht mehr benötigte Badewasser komme gerade recht, "um die Natur, die sehr gelitten hat, wieder aufzupäppeln", sagt Sascha Schneider von der Feuerwehr.

Die Stadt Bad Schwalbach schickte auch einen Mitarbeiter vorbei: Benno Burggraf sollte mit seinem Traktor Wasser holen, weil die Bäume im Kurpark wegen der Trockenheit schon die Blätter fallen lassen. "Das Wasser wird dann von Baum zu Baum verteilt, jeder Baum bekommt 100 Liter", sagt Burggraf.

Eine Tauchpumpe der Feuerwehr pumpt Wasser aus dem Becken.

Auch eine Anwohnerin ließ sich einen Kanister füllen. "Ich habe drei Regentonnen, und da ist nichts mehr drin", sagt sie. Da sei es eine gute Idee von van Rijn gewesen, sein Wasser nicht in den Abwasserkanal zu leiten.

Weitere Gemeinden prüfen Schwimmbad-Abgaben

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Bad Schwalbacher Freibad gibt 800.000 Liter Wasser ab

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Der weitaus größere Teil des Schwimmbadwassers bleibt aber im Becken - als Winterschutz. Was van Rijn jetzt abgibt, macht nur ein Viertel seines Wassers aus. Noch bis Donnerstag darf jeder ohne Anmeldung im Freibad vorbeikommen, um sich Wasser zu holen.

Auch andere hessische Gemeinden prüfen nach hr-Informationen derzeit, ob und in welchem Umfang sie das Wasser ihrer nun geschlossenen Freibäder zum Gießen und Löschen abgeben werden.

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