Sexuelle Übergriffe Mehr Verdachtsfälle an Frankfurter Kitas als bislang bekannt

In Frankfurt hat es möglicherweise mehr sexuelle Übergriffe an Kitas gegeben als bislang bekannt. Laut dem Landesjugendamt wurden seit Anfang des Jahres bereits neun Verdachtsfälle gemeldet.

Spiel- und Turngeräte stehen in einem Raum in einer Kita.
Spiel- und Turngeräte in einer Kita. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)
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Das Problem sexueller Übergriffe an Frankfurter Kitas ist möglicherweise größer als bisher bekannt. Wie das Landesjugendamt auf hr-Anfrage mitteilte, hat die Stadt Frankfurt seit Anfang des Jahres bereits neun Verdachtsfälle gemeldet. Im gesamten vergangenen Jahr waren es sieben Verdachtsfälle gewesen. Das Landesjugendamt ist die oberste Aufsichtsbehörde für den Kinderschutz in Hessen.

Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hatte zuletzt auf hr-Anfrage nur von vier Verdachtsfällen gesprochen. Dabei bezog sie sich auf die vergangenen drei Monate. "Wenn ich über die letzten drei Monate befragt werde, dann beantworte ich natürlich die letzten drei Monate", erklärte die Dezernentin am Mittwoch auf erneute Nachfrage die Diskrepanz.

Dabei war in der hr-Anfrage bereits zu Wochenbeginn nach Fällen im gesamten Jahr gefragt worden. Insgesamt verlief der Informationsfluss äußerst schleppend. Zu den weiteren Fällen wollte sich Weber nicht weiter äußern - "wegen laufender Ermittlungen". Auch in einer aktuellen Pressemitteilung ging sie auf die höhere Fallzahl nicht ein.

Vier Kita-Mitarbeitende freigestellt

Bei den bisher bekannt gewordenen Verdachtsfällen geht es laut Weber um sexuelle Übergriffe in vier verschiedenen Kitas, von denen insgesamt sieben Kinder betroffen sind. Vier Mitarbeitende seien deshalb freigestellt worden.

Ein Fall sei bereits abgeschlossen, dabei habe sich der Verdacht auf sexuelle Übergriffe nicht bestätigt. Die betroffene Fachkraft sei trotzdem nicht mehr in der Kita tätig.

Mehrere Strafanzeigen gegen Beschäftigte

Die Polizei Frankfurt bestätigte dem hr, dass ihr fünf Strafanzeigen gegen Kita-Mitarbeitende wegen des Verdachts sexueller Übergriffe vorliegen. Dabei gehe es um Fälle in drei Kitas.

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"Ermittelt wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, des sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt mit dem Kind und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern", sagte ein Polizeisprecher.

Sechs Anzeigen seit Jahresbeginn

Laut Staatsanwaltschaft wurden seit Beginn des Jahres sogar sechs Strafanzeigen übermittelt. Das sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Am Montag hatte sie von nur drei neuen Anzeigen berichtet. Die Anzeigen beträfen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern, es gehe dabei um den Vorwurf von Berührungen im Intimbereich von Kindern.

Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen den Anzeigen in den unterschiedlichen Kitas gebe es bislang nicht. Nur in einem Fall richteten sich zwei Anzeigen gegen denselben Erzieher. Ein früheres Verfahren gegen diesen Mann war im Mai eingestellt worden.

Anmerkung: In einer früheren Version war von zehn Verdachtsfällen die Rede. Laut Landesjugendamt wurde ein Fall doppelt gezählt.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 09.08.2023, 16.45 Uhr

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Quelle: hessenschau.de, Volker Siefert, Nina Michalk