Mitarbeiter des Spargelhofs Mager sind mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Das Sturmtief "Sabine" hat mehrere Folientunnel, in denen Himbeeren angebaut werden, zerstört.

Das Orkantief "Sabine" hat in Hessen den Verkehr durcheinander gewirbelt. Die Auswirkungen bekommen Pendler auch am Montag zu spüren. Auf der Schiene ging zeitweise nichts mehr. Ein Lastwagenfahrer verunglückte auf der A67.

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Ein Kran kracht auf den Frankfurter Dom, Pendler müssen sich mitunter in Geduld üben und Schüler können vielerorts zu Hause bleiben - Orkantief "Sabine" ist in der Nacht zum Montag über Hessen gefegt und hat für zahlreiche Einsätze von Polizei und Feuerwehr gesorgt.

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Aktuelle Entwicklungen und kleinteilige Berichterstattung zum Orkan- und Sturmtief "Sabine" gibt es in unserem Liveticker.

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Ein Lkw-Fahrer verunglückte am Vormittag tödlich auf der A67 zwischen Lorsch und dem Autobahndreieck Viernheim (Bergstraße). Er stieß nach Auskunft der Polizei aus ungeklärter Ursache auf der rechten Fahrspur gegen einen Sperranhänger. Dieser stand dort, weil Mitarbeiter der Autobahnmeisterei zu dem Zeitpunkt auf der Standspur Sturmschäden beseitigten. Der Mann wurde beim Aufprall im Führerhaus eingeklemmt und so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle starb.

Auf einer Landstraße bei Buseck (Gießen) wurde am Morgen eine Radfahrerin von einer Windböe erwischt. Sie stürzte und erlitt schwere Verletzungen. Laut Polizei will ein Zeuge beobachtet haben, wie die Böe das Rad mitsamt seiner Fahrerin ein Stück angehoben hatte. Die 65-Jährige kam schwerverletzt in ein Krankenhaus.

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Der Orkan wurde bis zum Montagvormittag etwas schwächer. In weiten Teilen Hessens sei das Gröbste vorbei, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). "Es bleibt aber stürmisch." Und im Bergland könne es weiterhin zu orkanartigen Böen kommen.

Kran kracht auf Dom, Schulen geschlossen

Nach Angaben der Frankfurter Feuerwehr wurde das Dach des Frankfurter Doms in der Nacht durch den Ausleger eines Baukrans beschädigt. Der Domplatz blieb zunächst weitflächig abgesperrt, verletzt wurde niemand. "Es besteht keine Gefahr, selbst wenn sich ein Ziegel lösen sollte, dafür ist ja abgesperrt", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Der Kran stecke fest, er drohe nicht weiter abzustürzen. Eine Fachfirma sollte den Kran abbauen.

Baukran liegt auf Frankfurter Dom

Laut Polizei hatte es in der Sturmnacht bis zum frühen Morgen allein in Frankfurt etwa 60 weitere Einsätze von Polizei und Feuerwehr gegeben. Vielfach seien Bäume oder Baustellenschilder im Stadtgebiet umgestürzt.

Aus dem Norden und Osten Hessens wurden zunächst keine größeren Schäden gemeldet. Dort waren wie im ganzen Land zahlreiche Schulen vorsorglich geschlossen geblieben. Eine komplette Liste der Schulausfälle gibt es hier.

Bahn stellt den Verkehr zeitweise ein

Der Frankfurter Flughafen meldete einen "den Umständen entsprechend" geordneten Betrieb. Das galt für die Flüge, die auch durchgeführt wurden. Allerdings hatten bereits im Vorfeld mehrere Airlines vorsorglich Flüge gestrichen. Einem Sprecher zufolge gab es am Montag 210 Annullierungen bei ursprünglich geplanten 1.310 Starts und Landungen. Bereits am Vortag waren Flüge gestrichen worden.

Die Deutsche Bahn hatte den Regionalverkehr in Hessen bis morgens 8 Uhr eingestellt, den Fernverkehr sogar bis 10 Uhr. Erkundungsteams hätten die Strecken nach umgestürzten Bäumen abgesucht und diese dann nach und nach freigegeben, sagte eine Sprecher der Deutschen Bahn in Frankfurt. Reisenden wird empfohlen, die Homepage der Bahn vor Fahrtbeginn zu besuchen.

Blockiert waren am Morgen zunächst weiterhin die Strecken Bad Vilbel-Stockheim und die Dreieich-Bahn zwischen Buchschlag-Dieburg. Größere Sturmschäden seien nicht festgestellt worden. Mit Verspätungen im Zugverkehr sei weiter zu rechnen. "Das wird uns den ganzen Tag noch begleiten", sagte die Sprecherin.

Schwierige Zeiten für Pendler

Die großen Verkehrsverbünde warnten Pendler und andere Reisende vor Einschränkungen. Sie empfahlen, vor Fahrtantritt mögliche Ausfälle von Bussen und Bahnen zu prüfen. "Aufgrund von Unwettern mit Orkanböen, Graupelschauern und Gewittern kommt es derzeit im gesamten RMV-Gebiet zu Ausfällen und Verspätungen im Bus- und Bahnverkehr", berichtete etwa der Rhein-Main-Verkehsverbund am frühen Montagmorgen auf seiner Homepage.

Im Kreis Darmstadt-Dieburg wurden ein paar wenige Straßen gesperrt. Auch im Rheingau-Taunus-Kreis und Limburg-Weilburg gab es Sperrungen wegen umgestürzter Bäume und herumfliegender Äste. Zu den Verkehrsmeldungen geht es hier.

Fliegende Trampoline, dutzende Einsätze

In Südhessen machten sich nach Angaben der Beamten insgesamt drei Trampoline an verschiedenen Orten selbstständig und wurden auf die Straße geweht - außerdem eine Dixi-Toilette in Walldorf. Die Beamten zählten in der Nacht mehr als 130 Einsätze. Ein Mann wurde laut Polizei leicht verletzt, als er mit seinem Wagen einem umgeknickten Baum ausweichen wollte und in einen Teich fuhr.

In Wiesbaden berichtete die Polizei ebenfalls von Dutzenden Einsätzen in der Nacht wegen Sturm- und Orkanböen. Auch hier entwurzelte "Sabine" mehrere Bäume. Im Wetteraukreis stürzten Bäume, Plakatwände oder Bauzäune um. Sturmschäden sorgten für mehrere Straßensperrungen.

Es bleibt schmuddelig

Nach Vorhersage der hr-Wetterredaktion soll es noch den ganzen Montag über stürmisch bleiben. Auch Orkanböen seien weiterhin möglich. Erst am Dienstag soll sich die Lage beruhigen.

Winteridylle bringt "Sabine" übrigens nicht mit. Zwar gibt es Schnee- und Graupelschauer, aber keinen dauerhaften Frost. "Ein dauerhafter Winter ist nicht in Sicht", sagt hr-Meteorologe Rainer Behrendt. Stattdessen erwartet Hessen bis zur Wochenmitte nass-kaltes Schmuddelwetter.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 10.2.2020, 16.45 Uhr