Jochen Schöps

Er hat die Champions League gewonnen, war bei Olympia, gewann Bronze bei der WM - nach dem Aus der United Volleys spielt Jochen Schöps nun aber in der dritten Liga in Langen. Warum tut der bald 39-Jährige das?

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Volleyball-Star Jochen Schöps spielt jetzt in Langen

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Im Sommer, wenn kein Training, kein Spiel, keine Plackerei auf dem Tagesprogramm steht, legt Volleyball-Star Jochen Schöps gerne auch mal die Beine hoch. Ein bisschen Beachvolleyball hier, ein bisschen Stretching da, das war es, mehr steht nicht auf dem Programm. Das handhabt der bald 39-Jährige schon immer so. In diesem Sommer war aber alles anders. Bis zum Juni war Schöps Spieler der United Volleys, dann wurde das Aus des Frankfurter Bundesligisten bekannt - und schon war die Pause auf einmal richtig lang und der Familienvater stand vor einer grundlegenden Frage: Wie geht es weiter?

"Ganz aufhören war nie eine Option. Dazu habe ich zu viel Spaß", berichtet Schöps im Gespräch mit dem hr-sport. Eigentlich, so dachte er im Sommer, hängt er noch eine Saison in Frankfurt dran. Daraus wurde bekanntlich nichts. Auf Umzug hatte der ehemalige Nationalspieler aber auch keine Lust. Die Kinder gehen im Frankfurter Raum zur Schule, die Familie fühlt sich wohl. Die Lösung lag da vor der Haustür: die SSG Langen. Dritte Liga. Provinz statt Bundesliga.

Die Umstellung wird riesig sein

"Es war schon immer der Wunsch, noch im reduzierten Rahmen zu spielen. Das ist hier perfekt gegeben in Langen", sagt er. Die Umstellung, sie wird riesig sein. Kurz zur Erinnerung: Schöps gewann 2007 die Champions League, ist mehrmaliger Deutscher Meister, nahm an Olympia teil und wurde 2014 WM-Dritter. Der Mann hat beinahe alles gesehen - und sieht nun die kleineren Hallen. "Das ist für mich jetzt natürlich Hobby-Volleyball", gibt er zu. "Trotzdem sind die Ambitionen natürlich da."

Ambitionen hin oder her. Ab sofort steht bei Schöps aber auch anderes im Vordergrund: Familie, Freizeit, Selbstbestimmung. "Wenn am Spieltag der Geburtstag der Mutter ist, überlegt man sich schon, was man macht. Jetzt ist eben anderes wichtiger. Es ist ein neuer Abschnitt." Bei dem er aber auch in eine andere, neue Rolle schlüpft: als Mentor, spielender Coach, Ratgeber.

Selbst der Trainer will von Schöps lernen

"Ich kann den Jungs sicher etwas mitgeben", so Schöps, der so oder so mit dem Gedanken spielt, eine Trainer-Laufbahn zu starten. "Ich will meine Erfahrung den Jungs weitergeben." Und nicht nur diese wollen die Tipps annehmen. Auch der Coach. "Für mich ist das ein Hauptgewinn. Dieser Mensch weiß so viel mehr über Volleyball als ich, davon kann ich nur lernen", erklärt Trainer Markus Pfahlert.

Aber nicht nur der Coach freut sich auf den prominenten Neuzugang. Auch die künftigen Mitspieler sind schon ganz heiß auf das Schöps-Debüt in der Dritten Liga - mit den Nebenwirkungen, die es in so einer Liga eben gibt. "Er muss natürlich eine Kiste Bier zum ersten Spiel mitbringen", betont Teamkollege Felix Weber mit einem Lachen.

Um Geld geht es nicht mehr

Das sollte ja machbar sein. "Ich konnte ein bisschen was zur Seite legen während meiner Karriere", betont Schöps mit einem Schmunzeln. Nein, für das Geld macht es der Ex-Nationalspieler in Langen sicher nicht. Jetzt geht es um die Liebe zum Sport, die Liebe zum Spiel und die Möglichkeit, auch mal "Nein" zu sagen. "Die Familie darf jetzt mitreden. Vielleicht sind wir am Spieltag auch mal weg." Auch das ist nun anders bei ihm. Wie so vieles.

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Die SSG Langen in der 3. Liga

Die Volleyballer der SSG Langen gehen in der 3. Liga Süd an den Start. Das erste Spiel der Saison - ein Auswärtsspiel bei den Baden Volleys SSC Karlsruhe 2 - endete am vergangenen Wochenende mit einer 2:3-Niederlage. Das erste Heimspiel steht am kommenden Samstag an: Ab 20 Uhr empfängt Langen den USC Freiburg.

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