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Warnung vor Betrugsmasche bei "Kleinanzeigen"

Grafik mit Computer und zwei Sprechblasen, in denen "Kreditkarte, bitte" und "*****" steht und davor ein geöffnetes Schloss.

Wer beim Onlineportal "Kleinanzeigen" CDs, eine Jacke oder Schuhe verkaufen will, muss aufpassen. Dort gibt es zwar die Bezahlmethode "Sicher bezahlen", aber die ahmen Betrüger täuschend echt nach und erbeuten auf diese Weise Geld.

Familie H. aus Wetzlar hat knapp 4.000 Euro an Betrüger verloren. Angefangen hatte alles damit, dass sie im vergangenen Jahr auf "Kleinanzeigen" einen Rock mit Oberteil für 40 Euro angeboten hatte. "Da hat sich eine Interessentin gemeldet, die hat ganz höflich geschrieben, ohne jeden Rechtschreibfehler, da haben wir keinen Verdacht geschöpft", erzählt Sohn Luke.

Der 26-Jährige berichtet, dass die Frau die 40 Euro über die Bezahlmethode "Sicher bezahlen" begleichen wollte. Und sie gab an, sie brauche dafür von der Familie eine E-Mail-Adresse. Wenig später kam eine Mail - vermeintlich von "Kleinanzeigen". Bis hin zum Logo habe alles authentisch gewirkt.

In der Mail die Aufforderung, sich für das Bezahlsystem zu registrieren. Erst habe seine Mutter, dann er seine Kartendaten eingegeben, erzählt Luke H.. Doch das habe nicht geklappt.

Es trifft vom Studenten bis zum Rentner jeden

"Eine Woche später habe ich mit Blick auf die Abrechnung meiner Kreditkarte festgestellt, dass allein bei mir 2.000 Euro abgebucht wurden", berichtet der Wetzlarer. Er hat sich mittlerweile Rat bei dem Anwalt Sebastian Koch aus Bad Nauheim geholt. Der hat allein in den letzten zwei Jahren etwa 250 solcher Betrugsfälle betreut, über alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen hinweg.

Es sei typisch, dass Kriminelle auf "Kleinanzeigen" erst die E-Mail-Adressen oder Telefonnummern der Betroffenen erfragen würden und sie in Folge per Mails, SMS oder WhatsApp-Nachrichten von der Onlineplattform weglotsen würden, erklärt der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht: "Sie landen auf einer gefälschten Webseite, angeblich zur Anmeldung bei "Sicher bezahlen" gedacht, da geben sie ihre Kartendaten ein, die von den Tätern abgefangen und missbraucht werden."

Gefälschte E-Mails wirken oft täuschend echt

Die eigentliche Bezahlmethode "Sicher bezahlen" sei tatsächlich sicher, betont Pierre Du Bois, Pressesprecher des Onlineportals "Kleinanzeigen". Verbraucher müssten dabei nicht ihre Kartendaten, sondern nur ihre Bankverbindung hinterlegen. Und die E-Mail-Adresse und Telefonnummer habe "Kleinanzeigen" auch schon, sagt Du Bois: "Wenn Käufer also nach all diesen Informationen fragen, weil sie diese angeblich für die Abwicklung der Zahlung benötigen, handelt es sich um Betrug."

Hunderte solcher Betrugsfälle hat seit letztem Jahr auch das hessische Landeskriminalamt (LKA) im Zusammenhang mit der Onlineplattform "Kleinanzeigen" registriert. Konkrete Zahlen kann Pressesprecher Maximilian Krüger allerdings nicht nennen. Er weist darauf hin, dass die Kriminellen beim Fälschen der E-Mails hochprofessionell vorgehen würden.

Mit gut formulierten, oft glaubhaften Begründungen würden sie dann versuchen, die Mail-Empfänger zur Angabe der eigenen Kartendaten zu bewegen, meint Krüger und empfiehlt Verbrauchern: "Wenn Sie Zweifel an der Echtheit einer solchen E-Mail haben, raten wir Ihnen eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen, das Ihnen angeblich schreibt."

Sicherheitsverfahren werden ausgehebelt

Nach LKA-Angaben sollen aber bei Kreditkarten und Debitkarten Sicherheitsverfahren verhindern, dass solche Betrügereien passieren. Dabei kann nur mit einer Karte gezahlt werden, wenn deren Besitzer das vorher zum Beispiel mit einer App auf seinem Handy freigibt. Doch selbst so etwas lässt sich aushebeln.

Wie Anwalt Koch berichtet, könnten Betrüger diese Verfahren umgehen, indem sie beim Kartenanbieter den Wechsel von einem Handy zu einem neuen Gerät beantragen. Die Betrugsopfer würden diesen Wechsel mitunter sogar selbst genehmigen.

"Die kriegen eine echte Anfrage von ihrer Bank per App oder SMS", sagt Koch. "Dann stimmen sie zu, weil sie denken, dass sie damit ihre Anmeldung zu der neuen Bezahlmethode bestätigen." In anderen Fällen wären die Kriminellen ohne Mitwirkung der Betroffenen erfolgreich, allein durch technische Angriffe.

Anzeige erstattet - Ermittlungen eingestellt

Was Familie H. aus Wetzlar angeht, wird sie ihr Geld, die ergaunerten 4.000 Euro, vom Täter wohl nicht wieder bekommen. Als Luke H. den Betrug bemerkte, hat er Anzeige bei der Polizei erstattet. Dann habe die zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt, aber diese Ermittlungen schnell wieder eingestellt, sagt der 26-Jährige.

Ob die Sparkasse Wetzlar, bei der die gesamte Familie Kunde ist, das Geld erstatten wird, dazu läuft nach Angaben von Anwalt Koch momentan noch ein Gerichtsverfahren. Die Sparkasse möchte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

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