Für mögliches Krebsmedikament Biontech investiert 40 Millionen Euro in Marburger Werk

Der Biotechkonzern Biontech baut sein Impfstoffwerk in Marburg aus. Ende dieses Jahres soll dort die erste eigene Plasmid-Produktion starten. Sie soll bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten helfen.

Scholz bei Biontech in Marburg
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schaut sich zusammen mit Biontech-Gründer Ugur Sahin (Mitte) ein Plasmid-Modell an. Bild © picture-alliance/dpa
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Das Marburger Biontech-Werk soll mit rund 40 Millionen Euro weiter wachsen. Der Vorstandschef des Pharmanternehmens, Uğur Şahin, erklärte am Donnerstag, dass mit dem Geld bis Ende des Jahres die erste unternehmenseigene Produktion von Plasmiden in kommerziellem Maßstab starten soll.

Die neue Anlage für diesen Zweck stellte Şahin bei einem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in Marburg vor. "Die Herstellung von Plasmiden ist ein spannender und wichtiger Teil bei der Herstellung von mRNA, den wir voraussichtlich bald selbst abdecken können", sagte Şahin.

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Was sind Plasmide?

Plasmide sind kleine, ringförmige DNA-Moleküle, die in Bakterien vorkommen können. Sie werden für die Herstellung von mRNA, der sogenannten Boten-RNA benötigt. Der Covid-19-Impfstoff von Biontech beruht auf mRNA. Das Unternehmen benötigt Plasmide aber auch für die Forschung an mRNA-basierten Medikamenten gegen Krebs und Infektionskrankheiten.

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Da Biontech die für den Covid-Impfstoff benötigten Plasmide in der Vergangenheit extern einkaufen musste, hing anfangs auch die Impfstoffherstellung davon ab, wie viele Plasmide vorhanden waren. Durch die eigene Produktion will das Unternehmen mit Sitz in Mainz unabhängiger bei der Herstellung von mRNA-Medikamenten in Deutschland und Europa werden.

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Bundeskanzler Scholz besucht Marburg

hessenschau 19:30 Uhr (02.02.2023)
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Zwei Anlagen für Plasmid-Produktion

Die neue Herstellungsstätte umfasst zwei Anlagen, die sowohl die Produktion von Plasmiden zu klinischen als auch kommerziellen Zwecken abdecken. Die kleinere der beiden Anlagen ist bereits seit August in Betrieb.

Biontech erwartet, dass die in Marburg jährlich hergestellte Menge an Plasmiden als Ausgangsmaterial für mehrere hundert Millionen Impfdosen beziehungsweise in Therapien eingesetzt werden können.

Scholz lobt Investition in Marburger Werk

"Deutschland und Europa werden durch den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten resilienter", sagte Bundeskanzler Scholz. Die Investition von Biontech sei deshalb "eine sehr gute Nachricht". Er sagte während seines Besuchs in Marburg außerdem beschleunigte Genehmigungsverfahren für die Pharmaindustrie zu. Dazu werde es "in ganz kurzer Zeit" viele Gesetzesvorhaben geben.

Biontech will in Marburg verstärkt mRNA-basierte Produkte für seine klinischen Studien herstellen. Das Unternehmen hatte das Werk vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und produziert dort seit Anfang 2021 seinen Corona-Impfstoff.

Es ist inzwischen eine der größten Produktionsstätten für mRNA-Impfstoffe von Biontech in Europa. Die Zahl der Beschäftigten hat sich seit der Übernahme auf rund 700 mehr als verdoppelt.

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Sendung: hr-iNFO, 02.02.2022, 15.00 Uhr

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Quelle: Reuters, dpa/lhe, hessenschau.de