Die umstrittene China-Reise von Olaf Scholz steht im Zeichen geopolitischer Konflikte. Hessische Unternehmen erhoffen sich aber auch Verbesserungen beim Handel.

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Herausforderungen für China-Geschäft hessischer Unternehmen

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China ist ein wichtiger Handelspartner auch für hessische Unternehmen. Im August zum Beispiel lieferten Unternehmen aus Hessen Waren im Wert von 335 Millionen Euro in die Volksrepublik. Damit liegt China auf Platz fünf der hessischen Handelspartner. Lässt man Europa außer Acht, dann sogar auf Platz zwei hinter den USA.

Aber China ist ein deutlich schwierigerer Markt geworden, denn das Land schottet sich zu Teilen ab. Nicht nur wegen Corona. Auch politisch werden Geschäfte mit China immer stärker kritisiert, befürchtet man doch eine zu starke Abhängigkeit von China.

Hessische Unternehmen, die in China aktiv sind, blicken daher gespannt auf den Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an diesem Freitag in Peking.

Chemie, Pharma, Maschinen

Chemie, Pharma, Fahrzeuge und Maschinen: Das sind die hessischen Exportschlager. Die Firma FLG Automation in Karben in der Wetterau etwa stellt Spezialmaschinen her, die in der Medizintechnik oder der Konsumgüterindustrie zum Einsatz kommen.

Geliefert werden die Maschinen laut Vorstandsvorsitzender Lüdger Grünewald auch nach China. In Hongkong und Shanghai hat das Unternehmen Vertriebsstrukturen aufgebaut. Doch am Ende müssen die Spezialisten aus Karben nach China fliegen. "Unsere Mitarbeiter müssen in der Regel rüber, um vor Ort die Maschine in Betrieb zu nehmen", berichtet Grünewald.

Vor Ort bekommen die Kunden zudem Einweisungen, und es finden dort Schulungen statt. Doch das sei mit den strengen Corona-Auflagen dort faktisch seit langem nicht möglich. "Seit Corona haben wir deswegen keinen einzigen Auftrag mehr in China abschließen können", sagt der Vorstandvorsitzende von FLG Automation.

Lufthansa in Frankfurt: Nur 20 Prozent an Flügen nach China übrig

Die Reisebeschränkungen vor allem für Festlandchina machen auch einem anderen, sehr viel größeren hessischen Unternehmen zu schaffen: der Lufthansa. "Greater China war vor der Pandemie einer unserer wichtigsten Märkte in Asien", teilt die Fluggesellschaft schriftlich mit. Aufgrund der Reiserestriktionen für internationale Ankünfte habe die Airline aktuell deutlich weniger Flüge im Programm als noch vor drei Jahren. "Jetzt nur ungefähr 20 Prozent Flüge im Vergleich zum Jahr 2019."

Lufthansa hofft, dass die Lockerungen für Reisende nach Hongkong demnächst auch für den Rest von China gelten. Dann rechnet die Fluggesellschaft damit, dass auch die Nachfrage nach Reisen dorthin wieder sprunghaft ansteigen wird.

Geopolitische Erwägungen und Diskussionen spielen für eine Fluggesellschaft erst einmal keine Rolle. Die Lufthansa hat in dem Zusammenhang in der Vergangenheit stets auf das Chicagoer Abkommen verwiesen, das der Luftfahrt eine Art neutrale Rolle zuschreibt.

Merck in Darmstadt: Investition in neues chinesisches Werk

Während das mittelständische Maschinenbauunternehmen FLG Automation aus Karben nur einen Vertrieb in China hat, produzieren andere hessische Unternehmen in China direkt. Etwa der Darmstädter Pharmakonzern Merck. Elf Standorte, 4.600 Mitarbeiter, 2,9 Milliarden Euro Umsatz - so die Bilanz nur für China.

Und das Unternehmen investiert weiter, nämlich in ein neues Werk zur Herstellung von Halbleitermaterialien. Wohl auch deswegen ist die Merck-Vorstandschefin Belén Garijo Teil der Delegationsreise des Kanzlers nach China. "Wir sind uns der derzeitigen geopolitischen Herausforderungen bewusst. Zugleich sind wir davon überzeugt, dass Regierung und Wirtschaft weiter im direkten und konstruktiven Dialog mit China bleiben müssen", teilt Merck zur grundsätzlichen Kritik an der Reise mit.

Hübner in Kassel: Lockdown in China als Herausforderung

Auch die Kasseler Hübner-Gruppe hat seit 2002 ein eigenes Werk in China. Am Standort Shanghai produzieren etwa 130 Mitarbeiter die Produkte des Systemanbieters für die Mobilitätsbranche, darunter Faltenbälge, die man von Gelenkbussen und Straßenbahnen kennt.

Die Sparte Interface Systems beliefert laut eigenen Angaben das chinesische Unternehmen CRRC, den weltweit größten Zughersteller. "Der Standort Shanghai ist fest in das globale Produktionsnetzwerk der Hübner-Gruppe eingebunden, da er einerseits Bauteile und Produkte von anderen Standorten bezieht, zugleich aber auch Lieferant für andere Werke ist", erklärt ein Unternehmenssprecher.

Vor Herausforderungen stellte das Unternehmen der Corona-Lockdown in Shanghai. Davon sei Hübner zuletzt im Frühjahr 2022 betroffen gewesen. "Dank guter Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden, strikter Vorsichtsmaßnahmen und dem engagierten Einsatz der Kolleginnen und Kollegen konnte das Werk ab Mitte Mai nach sechswöchiger Schließung schrittweise den Betrieb hochfahren."

Kritik an China-Reise von Scholz

Während aber Lufthansa, Hübner oder auch Merck grundsätzlich weiter auf den chinesischen Markt setzen, bezweifelt Lüdger Grünewald von FLG Automation in Karben, dass es für den Maschinenbauer wieder so wird wie vor Corona. Der Markt habe sich verändert durch die Unternehmen vor Ort. "Diese lokalen Anbieter machen einen massiven Konkurrenzkampf", sagt Grünewald. Teilweise unterböten sie die eigenen Preise teilweise um die Hälfte. Dementsprechend werde bei lokalen Auftragnehmern geordert.

Auch aus diesem Grund bemängelt der Vorstand von FLG Automation grundsätzliche Entscheidungen, die die deutsche Politik in Bezug auf China trifft. So sei es zwar sinnvoll, dass man von deutscher Seite in China Präsenz zeige. Zum kürzlich beschlossenen Terminalteilverkauf am Hamburger Hafen sagt er jedoch: "Wir sind viel zu großzügig und machen einfach die Augen zu."

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