Christian Romeis

Heute schon kellnern sie oder führen komplizierte Operationen durch: In immer mehr Branchen kommen Roboter zum Einsatz. Was alles möglich ist, zeigt die Robotics Week in Gelnhausen. Ein Interview mit Initiator Christian Romeis über die Chancen der Entwicklung - und Vorbehalte dagegen.

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Experten sprechen über Roboter in der Arbeitswelt

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Roboter-Technik ist weltweit auf dem Vormarsch. Firmen und Experten kommen derzeit in Gelnhausen (Main-Kinzig) zusammen. Dort findet noch bis Freitag die Robotics Week statt. Für Unternehmen ist es eine Chance, sich anzusehen, was technisch alles möglich ist. Auch Schülerinnen und Schüler - die Arbeitskräfte von morgen - bekommen Einblicke in die vielseitigen Fähigkeiten der Roboter.

Initiator der Veranstaltung in Hessen ist Christian Romeis. Der 42 Jahre alte Firmenchef arbeitet seit rund 20 Jahren in der IT-Branche. Seit 2007 ist er außerdem Lehrbeauftragter der Hochschule Darmstadt. Im Interview über die aktuellen Entwicklungen der Branche erklärt er, wo Roboter menschliche Arbeitskräfte künftig überflüssig machen werden - und wie sie den Standort Deutschland stärken können.

hessenschau.de: Roboter sind schon praktisch: Sie brauchen keine Gehaltserhöhungen, erledigen zuverlässig ihre Arbeit - und machen dabei existierende Jobs obsolet. Ist das die schöne neue Arbeitswelt, die Ihnen als Fachmann vorschwebt?

Christian Romeis: Das ist natürlich für Arbeitgeber:innen ein ganz netter Effekt – aber zu kurz gedacht. Roboter werden vor allem eingesetzt, wo die Arbeit laut, anstrengend und gefährlich ist - also an Positionen, für die es sehr schwierig ist, die Stellen zu besetzen.

hessenschau.de: Sie denken lieber an die Bereicherungen durch Roboter?

Romeis: Vor allem dann, wenn sie uns Dinge abnehmen, die wir ungern selbst machen oder die wir gar nicht selbst machen können. Sie können eine große Hilfe sein, weil sie schnell und genau arbeiten. Auch schwierige Operationen in der Medizin, die extreme Präzision erfordern, werden mit Robotern durchgeführt – auch wenn sie vom Menschen gesteuert werden.

hessenschau.de: Am stärksten vertreten sind Roboter in Deutschland in der Auto-Industrie: Welche Branchen bieten sich noch an? Und welche Tätigkeiten werden bald nur noch von Robotern ausgeführt?

Romeis: Vieles passiert derzeit in der Logistik, aber grundsätzlich sind produzierende Branchen Treiber bei der Nutzung. Es gibt auch Entwicklungen in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Recycling und Medizintechnik.

Einfache Tätigkeiten werden als erstes im Bereich der Automatisierung wegoptimiert - vor allem bei fertigenden Arbeiten Tätigkeiten und solchen in der manuellen Endkontrolle. Auch logistische Arbeiten dürften nach und nach von Robotern übernommen werden.

hessenschau.de: Wo werden künftig die größten Entwicklungen erwartet?

Romeis: Die Kombination von Robotik und künstlicher Intelligenz wird dazu führen, dass mehr autonome Maschinen Einzug in die Arbeitswelt halten. Ob als Service-Roboter in Werken, Transport-Systeme im öffentlichen Raum oder auch als autonome Systeme und Roboter in der Landwirtschaft. Der größte Unterschied zu den heutigen Systemen wird darin liegen, dass die Maschinen sich selbstständig ihre Arbeit suchen und ohne menschliche Interaktion funktionieren werden.

hessenschau.de: Welche Chancen und Risiken bietet Robotik in kleinen und mittleren Firmen?

Romeis: Durch die Automatisierung mittels Robotik haben sie die Möglichkeit, wettbewerbsfähig zu bleiben, große Optimierungen bei der produzierten Qualität zu erreichen und durch den Einsatz neuer Technologien auch neue Mitarbeitende zu finden. Denn junge Menschen haben einen Blick für neue Technologien und bevorzugen moderne Arbeitgeber.

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Boom bei Industrie-Robotern

Weltweit werden immer mehr Industrie-Roboter verkauft. Der Absatz stieg laut der International Federation of Robotics (IFR) zuletzt um 31 Prozent - Rekord. Deutschland verzeichnet ein Plus von 6 Prozent auf knapp 23.800 neu installierte Roboter und verteidigte seine Spitzenposition als am stärksten automatisierte Volkswirtschaft Europas. Gut jeder dritte Industrie-Roboter des europäischen Bestands (36 Prozent) ist in Deutschland tätig. Größter Abnehmer ist traditionell die Auto-Industrie. Weltweit größter Markt für Industrie-Roboter ist Asien.

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hessenschau.de: Robotik soll den Wirtschaftsstandort stärken und Jobs schaffen - wie konkret?

Romeis: Die derzeitige globale Krise belegt, wie abhängig Deutschland von Zulieferungen aus dem Ausland ist. Robotik bietet die Möglichkeit, produzierende Arbeiten – die vor Jahren aus Kosten-Gründen ausgelagert wurden – wieder nach Deutschland holen. Damit reduzieren wir die Abhängigkeiten, steigern die Wertschöpfung und binden wieder Know-how.

Wir kaufen in Deutschland vieles vorproduziert aus dem Ausland - etwa Elektronik-Bauteile aus Fernost. Das Zurückholen dieser Tätigkeiten ist eine Mammut-Aufgabe – muss aber zur Sicherung unseres Wohlstands dringend erfolgen. Risiken sehe ich, wenn wir anstelle von Investitionen in Robotik versuchen, günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland für produzierende Firmen zu akquirieren.

hessenschau.de: Was raten Sie jungen Menschen, die in der Berufsorientierung sind und sich für Robotik interessieren?

Romeis: Macht eine Ausbildung oder ein duales Studium. Etwas angewandtes. Es ist schwierig, gute Studienplätze zu bekommen. Und man lernt schneller und besser, wenn man Technologie anfassen und direkt im Werk erfahren kann.

Das Interview führte Jörn Perske