Die erwarteten Kosten für den Lückenschluss der A66 im Frankfurter Osten mit dem Riederwaldtunnel steigen erheblich. Die hohe Inflation ist nur ein Grund dafür.

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Riederwaldtunnel in Frankfurt wird deutlich teurer

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Es geht um zwei Kilometer Autobahn. Ein Kilometer davon soll durch einen Tunnel verlaufen - den seit Jahrzehnten geplanten Riederwaldtunnel. Die Röhre soll die Lücke zwischen der A66 und der A661 im Frankfurter Osten schließen. Jetzt ist klar: Wieder einmal verteuert sich das Projekt, die Kosten werden auf über 600 Millionen Euro steigen. Das geht aus Angaben der Autobahn GmbH auf hr-Anfrage hervor.

Auf der offiziellen Projektseite beziffert die bundeseigene Autobahngesellschaft die Kosten noch auf 477 Millionen Euro. Auf Nachfrage heißt es jedoch, die Kosten würden gerade neu berechnet. Die alte Schätzung stamme aus dem Jahr 2017, die Baukosten seien seither um rund 30 Prozent gestiegen - woraus allein sich schon Kosten von deutlich über 600 Millionen Euro ergeben.

Die Grafik verortet auf einer Karte den im Bau befindlichen Riederwaldtunnel.

Es dürfte aber noch teurer werden, denn das Projekt hat sich in der Zwischenzeit erweitert. So soll etwa über die A66 eine Grünbrücke gebaut werden, damit Rehe, Eidechsen und andere Tiere die Trasse überqueren können. Dieses Bauwerk war nicht in der alten Schätzung enthalten. Nach Angaben der Autobahn GmbH sind weitere Zusatzkosten entstanden: Beispielsweise sei Baugrund verunreinigt gewesen und habe entsorgt werden müssen.

Experte rechnet mit fast dem Doppelten - Stand jetzt

Die genaue Summe soll Anfang nächsten Jahres feststehen und dann vom Bundesverkehrsministerium als neue Planungsgrundlage abgesegnet werden. Darin soll nach hr-Informationen auch ein Risikopuffer einfließen. Denn die hohe Inflation seit Beginn des Ukraine-Kriegs kann das Bauen in den kommenden Jahren noch teurer machen.

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Die Schlussrechnung für das Projekt könne deshalb leicht die Schwelle von einer Milliarde Euro überschreiten, sagt Helmut Meyer-Abich, Professor für Baumanagement an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen. Schreibe man die derzeitige Geldentwertung fort, lande man - ausgehend von jetzt über 600 Millionen Euro - im Jahr 2031 nahezu beim Doppelten. In dem Jahr soll der Lückenschluss der A66 endlich geschafft sein. Angepeilt war dafür einst das Jahr 2007.

Rund 50 Jahre altes Projekt

Zumindest am Ziel der Fertigstellung 2031 hält die Autobahn GmbH noch fest. Daran würden auch kleine Schwierigkeiten nichts ändern, teilt sie mit - etwa die Verzögerung beim zukünftigen Betriebsgebäude des Tunnels. Das sollte eigentlich im Oktober dieses Jahres fertig sein. Aber aktuell ist nur eine Baugrube zu sehen. Die Autobahngesellschaft gibt an, sie habe das Bauunternehmen wechseln müssen, deshalb tue sich gerade nichts. Der Gesamtplan gerate aber dadurch nicht durcheinander, versichert sie.

Stau in der Straße Im Erlenbruch in Frankfurt

Kleine und größere Probleme begleiten das Projekt seit 50 Jahren. Bereits Anfang der 1970er Jahre wurde überlegt, wie sich die beiden Enden der A66 in Frankfurt miteinander verbinden lassen: die Trasse im Westen, die nach Wiesbaden führt und in den Alleenring mündet, und die Trasse im Osten nach Fulda, die am Hessen-Center in Enkheim ein Ende findet. Zwar schließt die A661 als Osttangente um Frankfurt den größten Teil der Lücke. Aber auf einem kleinen Stück muss sich der Verkehr durch ein Wohngebiet im Stadtteil Riederwald zwängen.

Im Herbst soll Rodung beginnen

Für diese verbliebene Lücke wurde Ende der 1980er Jahre die Tunnellösung spruchreif. Die Pläne mussten immer wieder überarbeitet werden, nicht zuletzt weil Bürgerinitiativen vor Gericht mehr Lärmschutz erstritten. Die erwarteten Kosten des Projekts haben sich seit Beginn des Jahrtausends bis heute vervierfacht, die geplante Fertigstellung hat sich immer weiter verschoben.

Im Herbst tritt das Projekt dann in die nächste heikle Phase. Denn dann soll ein Stück des Fechenheimer Waldes gerodet werden. Dort haben längst Waldbesetzer in Baumhäusern Quartier bezogen. Sie wollen die geplante Rodung verhindern. Freiwillig werden sie das Areal wohl nicht räumen. Schon jetzt wird deutlich, dass sich die Waldbesetzer nicht immer an geltende Regeln halten - etwa beim Brandschutz.

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