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Voller Gasspeicher in Stockstadt am Rhein

Derzeit wird alles getan, um die deutschen Gasspeicher vor dem Winter noch voll zu bekommen. Zwei dieser Untertagespeicher befinden sich in Südhessen, ein weiterer in Osthessen. Wir haben mit den Betreibern über die aktuelle Lage gesprochen.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat die hinreichende Versorgung Deutschlands mit Gas infrage gestellt, zumal derzeit kein Gas mehr über die Leitung Nord Stream 1 geliefert wird. Je mehr es auf den Winter zugeht, desto drängender wird die Frage, ob die vorhandenen Vorräte reichen werden, um uns ohne Probleme durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher beschäftigen nicht nur Politik und Wirtschaft, auch viele Verbraucher machen sich Sorgen.

"Früher hat sich keiner für Gasspeicher interessiert"

In Deutschland gibt es derzeit 45 Untertagespeicher für Erdgas. Drei davon befinden sich in Hessen. Sebastian van Delden ist Geschäftsführer der MND Energy Storage Germany. Die Firma betreibt die beiden Erdgasspeicher in Stockstadt am Rhein (Groß-Gerau) und Alsbach-Hähnlein (Darmstadt-Dieburg), die eine gemeinsame Lagerzone bilden. Die plötzliche Aufmerksamkeit für das Thema sieht er mit gemischten Gefühlen.

Vor einem Jahr habe sich kaum jemand für Gasspeicher interessiert, sagt van Delden. "Sie waren einfach da und haben funktioniert, und das ist das Beste, was man von seinem Geschäft erwarten kann." Doch inzwischen häuften sich die Anfragen von Presse, Politik oder Landesenergieagentur.

Speicher in Südhessen zu 96 Prozent gefüllt

Oberirdisch deuten nur ein paar Gebäude und Rohre auf das Lager bei Stockstadt hin. Gas hört man nicht durch die Leitungen strömen. "Aktuell wird hier weder aus- noch eingespeichert, da wir hier einen hohen Füllgrad haben", erklärt Marc-Thies Röcken vom Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE). Er ist für die technische Seite des Betriebs zuständig. Röcken gibt den derzeitigen Füllstand mit rund 96 Prozent an.

Damit sind die gesetzlichen Vorgaben mehr als erfüllt. Sie sehen vor, dass die Gasspeicher in Deutschland zum 1. Oktober zu 85 Prozent, zum 1. November zu 95 Prozent gefüllt sein müssen. Laut Bundesnetzagentur (BNetzA) reichen die Gasvorräte bei vollständig gefüllten Speichern für etwa zweieinhalb bis drei Wintermonate. Die Speicher in Stockstadt und Hähnlein fassen zusammen rund 215 Millionen Kubikmeter Gas. Nach Worten von van Delden könnte man damit ein Jahr lang 125.500 Haushalte versorgen.

"Das ist ein großer Cocktail"

Das Gas wird in einer Tiefe von rund 500 Metern in übereinander liegenden Sandsteinschichten eingelagert. Diese Horizonte aus Sandstein enthalten kleine Zwischenräume, in denen das Gas Platz findet. Porenspeicher nennt man diese Art des Gaslagers.

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So funktioniert der Porenspeicher

Da Gas immer vom höheren zum niedrigeren Druck hin fließt, wird es mit einem Druck der über dem der Horizonte liegt, dort hinein gepumpt. Will man es wieder entnehmen, erzeugt man in den Leitungen einen Unterdruck, das Gas kommt nach oben. Mit ihm gerät auch salzhaltiges Wasser in die Rohre, das mithilfe spezieller Filter dort herausgefiltert wird.

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Das Gas kommt aus verschiedenen Quellen, etwa aus Norwegen und den Niederlanden", erklärt van Delden. Bis vor kurzem auch aus Russland. Im Fernleitungsnetz strömt alles zusammen. Woher das Gas in Stockstadt genau stammt, lässt sich also nicht mehr sagen. "Das ist ein großer Cocktail", erklärt van Delden.

"Use it or lose it"

Die Kunden von MND sind Händler und Versorger. Sie buchen Speicherkapazität und können entsprechende Mengen an Gas einlagern und wieder entnehmen. Seit einigen Monaten ist die Trading Hub Europe (THE), ein Verbund aus Netzbetreibern, als Marktverantwortliche dafür zuständig, dass Kapazitäten nach dem "Use it or lose it"-Prinzip auch genutzt werden. Wer seinen reservierten Speicherplatz also nicht befüllt, verliert ihn.

Dass die Speicher in Stockstadt und Hähnlein fast voll sind, lässt hessische Verbraucher nur zum Teil aufatmen. "Physisch geht unser Gas in die Main-Neckar-Leitung, und die versorgt derzeit schon regional", erklärt van Delden. Markttechnisch könne das Gas aber auch anders zugeordnet werden. Das System sei sehr komplex. "Grundsätzlich ist das eine große Badewanne."

Dreimal Messeturm in 1.000 Metern Tiefe

Nicht ganz so gut befüllt wie die beiden südhessischen Lagerstätten ist der dritte hessische Gasspeicher in Eiterfeld-Reckrod (Fulda). Seine Kapazität von 120 Millionen Kubikmetern sei derzeit zu 82 Prozent ausgelastet, erklärt Rainer Vogt, Geschäftsführer der MET Speicher GmbH. Er sei aber zuversichtlich, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Verantwortlich dafür seien die Kunden, die den Speicher nutzen.

Anders als in Südhessen handelt es sich bei Reckrod nicht um einen Poren-, sondern um einen sogenannten Kavernenspeicher. Dort wurden unterirdische Salzstöcke so lange mit Wasser ausgespült, bis riesige Hohlräume entstanden. "Sie entsprechen von der Dimension her jeweils in etwa dem Frankfurter Messeturm", so Vogt. Drei solcher Kavernen gibt es in Reckrod.

Kavernen: Riesige Hohlräume im Salzstock

Die zylindrigen Höhlen haben etwa 60 Meter Durchmesser und sind rund 250 Meter hoch. Sie liegen in einer Tiefe von rund 800 bis 1.000 Metern. "Da sich dort nichts anderes als das Erdgas befindet, geht das Ein- und Ausspeichern sehr viel schneller als bei den Porenspeichern", erklärt Vogt die Vorteile.

Im Erdreich verschwinden kann das Gas nicht. "Das Salz selber ist gasdicht", sagt Vogt. Zudem reagiere es plastisch, das heißt, wenn durch Erdbewegung eine Lücke im Salz entsteht, schließt sie sich auch wieder. Ein Rest an Gas, das sogenannte Kissengas, muss immer im Salzstock verbleiben. Es sorgt zum einen für die Stabilität des Speichers, zum anderen für den nötigen Druck zur Gasentnahme.

Nur 1,4 Prozent werden in Hessen gelagert

Gemessen am bundesdeutschen Gesamtvolumen macht die Gasspeicherkapazität in Hessen nur einen geringen Anteil aus. Mit Stockstadt, Hähnlein und Reckrod zusammen sind es nur gut 1,4 Prozent.

Die Bundesnetzagentur meldete am Mittwoch einen bundesweiten Speicherfüllstand von über 86,49 Prozent. Damit sei das Oktoberziel bereits erreicht. Zugleich rief die Agentur weiterhin zu einem sparsamen Gasverbrauch auf.

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