Zeynep Kallmayer (l.), Pflegerin am Frankfurter Uniklinikum, erhält am Sonntagmorgen eine der ersten Corona-Impfungen in Hessen.

Auch in Hessen haben die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Zu den ersten Geimpften gehört eine Frankfurter Intensiv-Krankenschwester. In Alten- und Pflegeheimen waren mobile Teams unterwegs.

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Eine Frankfurter Intensiv-Krankenschwester bekam am Sonntag (27.12.20) als einer der ersten Menschen in Hessen den schützenden Pieks gegen das Coronavirus. Die 50-Jährige arbeitet am Frankfurter Universitätsklinikum, "eine Pflegekraft, die seit Beginn der Corona-Pandemie in Hessen an vorderster Stelle an Covid-19 erkrankte Menschen stationär versorgt hat", wie die Klinik mitteilte.

"Für meine Kollegen und mich ist der Start der Impfaktion ein schönes nachträgliches Weihnachtsgeschenk und eine Erleichterung", sagte die Intensiv-Pflegerin Zeynep Kallmayer. Allein am Frankfurter Uniklinikum, einem der Schwerpunktzentren für Covid-19-Patienten, sollten am Sonntag und Montag 185 Mitarbeiter geimpft werden.

Ärztlicher Direktor: "Heute ist ein besonderer Tag"

Täglich sieht Kallmayer, wie schlecht es den Patienten dort geht. Auch ihre erwachsene Tochter und deren Freund hätten eine Corona-Infektion durchgemacht, erzählte sie. "Zum Glück mit mildem Verlauf, aber unangenehm genug." Sie selbst habe sich bisher nicht infiziert. "Ich habe ein gutes Immunsystem, ich bin in einem Kuhstall auf die Welt gekommen, im tiefsten Anatolien", sagte sie lachend. Dass sie sich trotzdem impfen lässt, war für sie "ganz selbstverständlich".

Die Betriebsärztin des Frankfurter Uniklinikums, Sabine Wicker, setzte Kallmayer die erste Spritze. "Auf diesen Moment habe ich seit Frühjahr gewartet", sagte Wicker, die auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist. "Die Impfungen sind unser einziger Weg, diese Pandemie zu beenden." Auch der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Frankfurt würdigte den Impfstart. "Heute ist ein besonderer Tag", sagte Mediziner Jürgen Graf.

Mitarbeiterin von Pflegeheim: "Ich war sehr aufgeregt"

Neben medizinischem Personal werden in der ersten Phase der Massenimpfung Menschen in Senioren- und Pflegeheimen geimpft. In Frankfurt und mehreren Landkreisen waren mobile Impfteams unterwegs, um den Bewohnerinnen und Bewohnern den Pieks zu verpassen. Andere Kommunen sollten an diesem Montag folgen.

In Offenbach wurden etwa die Bewohner sowie das Pflegepersonal aus dem Alten- und Pflegeheim am Nordring durch ein mobiles Team geimpft. Eine 99 Jahre alte Bewohnerin aus der Einrichtung erhielt laut Stadt die erste von 55 Impfdosen, die Offenbach für den Start zugeteilt wurden.

Auch im Wohn- und Pflegeheim "LIA" in Modautal-Asbach (Darmstadt-Dieburg) starteten am Sonntag die Impfungen. "Ich war sehr aufgeregt davor und ich bin jetzt froh, dass es vorbei ist", sagte Gaby Sewe, eine der ersten geimpfen Mitarbeiterinnen.

Bouffier: "Jede Impfung hilft"

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach vom "Tag 1 der größten Impfaktion unseres Landes." Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er mit: "Jede Impfung hilft, das Virus zurückzudrängen. Sobald ausreichend Dosen geliefert werden, impfen wir an sieben Tagen die Woche - auch an Wochenenden und Feiertagen." Er bedankte sich bei allen, die bei den Impfungen mithalfen.

Hessen startet mit 10.000 Impfdosen

In Hessen stehen zunächst knapp 10.000 Impfdosen zur Verfügung. Die Hälfte der Einheiten soll direkt genutzt werden, die übrigen 5.000 Dosen sind für die zweite Impfung bestimmt.

Hessenweit leben nach Angaben des Innenministeriums rund 112.000 Menschen in Alten- und Pflegeheimen, rund 15.000 arbeiten in medizinischen Einrichtungen. Zur höchsten Priorität bei den Schutzimpfungen zählen auch die Mitarbeiter der Rettungsdienste und der ambulanten Pflegedienste sowie alle Menschen ab dem 80. Lebensjahr. Insgesamt zählt die erste Gruppe nach der Impfverordnung des Bundes in Hessen rund 567.000 Männer und Frauen.

Grafik Impfstrategie Hessen

Am Samstag war die erste Lieferung von Impfdosen der Mainzer Firma Biontech wie geplant in Hessen und anderen Bundesländern angekommen. Die Hälfte sollte zunächst in einem Kühl- und Verteilzentrum für den Weitertransport in die 28 Impfzentren im Land vorbereitet und anschließend landesweit verteilt werden, wie das Innenministerium mitteilte.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.12.2020, 19.30 Uhr.