Projekte in Frankfurt und Offenbach Gegen den Asphalt: Die erfrischende Wirkung von Urban Gardening

Frankfurt verbietet Schottergärten und geht damit einen Schritt in Richtung grüne Stadt. Auch Urban-Gardening-Projekte helfen dem Stadtklima - und zwar gleich doppelt. Das Zauberwort lautet Mikroklima.

Marit Tesar sitzt mit Alexandra Walker im Hafengarten
Alexandra Walker (rechts), Koordinatorin des Projekts Hafengarten, im Gespräch mit Autorin Marit Tesar (links). Bild © hr
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Die Mittagshitze steht über dem Gallusgarten, man hat das Bedürfnis nach Schatten. Es summt im Lavendel, ein paar Pflanzen lassen ihre Blätter hängen. Dicht an dicht stehen Hochbeete mit Salat, Tomaten und Unkraut. Daneben liegt die Stadt.  

Der Gallusgarten: Urban Gardening mitten in der Stadt

Ursprünglich wollte sie gerne einen Ort haben, um mit Kindern zu gärtnern, sagt Jessica Wiegand vom Mehrgenerationenhaus im Frankfurter Gallusviertel. Mittlerweile ist der Garten zu einem Gemeinschaftsprojekt querbeet durch die Gesellschaft geworden.

Jessica Wiegand gießt im Gallusgarten
Jessica Wiegand, Koordinatorin des Gallusgartens, liegt der Ort für Begegnung am Herzen Bild © hr

"Es kostet nichts, deshalb ist die Palette der Menschen, die hier mitmachen, auch sehr breit gefächert", sagt Wiegand. Erstmal stehe natürlich das Bedürfnis nach dem Gärtnern im Vordergrund. Aber natürlich ist jedes Hochbeet, jede Gemüsepflanze und vor allem jeder Baum ein kleiner Schritt in Richtung grüne Stadt.  

Dass es jetzt ein Schottergartenverbot gibt, begrüßt Wiegand. Das Verbot verspricht entsiegelte Flächen – ein Schlüssel für besseres Klima in Städten. Auch für den Schutz von Insekten und eine bessere Versickerung von Regenwasser sind Grünflächen und Bäume essenziell. Allerdings gibt es einen Haken: Das Verbot bezieht sich nur auf neue Gebäude oder Umbauten. Was ist dann mit der Innenstadt? Mit Mietshäusern? Ist das angesichts des fortschreitenden Klimawandels ausreichend?  

Das Zauberwort bei der Begrünung von Städten lautet: Mikroklima. Das Mikroklima beschreibt die klimatischen Bedingungen in einem kleinen Bereich in Bodennähe. Es wird maßgeblich durch Faktoren wie Bepflanzung, Wasser oder Asphalt beeinflusst. Um das Leben in Städten in den zu erwartenden Hitzesommern erträglich zu machen, spielt die Verbesserung der Mikroklimas eine entscheidende Rolle.  

Bunte Hochbeete stehen im Gallusgarten
Bunte Hochbeete stehen im Gallusgarten dicht an dicht. Bild © hr

Hafengarten auf einer ehemaligen Industriebrache

Auch der urbane Garten auf der Hafeninsel in Offenbach trägt mit einem eigenen Mikroklima zur Erfrischung der Umgebung bei. Wo vorher eine Industriebrache lag, sprießt jetzt Wasserspinat aus Hochbeeten, überwuchern Zucchini-Ranken selbstgezimmerte Holzspaliere und schaffen so schattige Plätze für die Besucher:innen.

Dahinter steht ein stillgelegter alter Eisenbahnwaggon, den Alexandra Walker zeitweise als Büro nutzt. Sie ist die Projektkoordinatorin des Offenbacher Hafengartens, das Teil des Projekts "Besser Leben in Offenbach" ist.  

Ein städtisches Projekt also. Auch die Finanzierung läuft über die Stadt Offenbach. Was zum Gärtnern gebraucht wird, steht den Hobbygärtner:innen gratis zur Verfügung. Das Gärtnern soll so zugänglich für alle sein, die eine Gartenparzelle, teilweise durch Wartelisten, ergattern konnten. Auch wer keine Gartenparzelle beackert, ist dazu eingeladen, die grüne Hafenoase zu nutzen.  

Alexandra Walker kümmert sich um Pflanzen im Hafengarten
Alexandra Walker im Hafengarten Bild © hr

Innerstädtische Grünflächen: Wer kann sie nutzen?

Bei Klimafragen geht es immer auch um eine gerechte Verteilung und die Frage: Wer bekommt einen Platz im Grünen – vor allem innerhalb des dicht gedrängten städtischen Raumes. Wohnungen in begrünten Alleen mit schattigen Gärten sind rar und meistens teuer, solange sie auch noch gut angebunden sind an das Stadtnetz.  

Deshalb braucht es mehr grüne Flächen im öffentlichen Raum, die für alle zugänglich sind. Urban-Gardening-Projekte bilden nicht nur ein Mikroklima, das die Stadt abkühlt, sondern sind vor allem soziale Projekte. Forschende in den USA und Schottland haben sogar herausgefunden, dass öffentliche Grünflächen die Kriminalität in Stadtteilen senken können.

Es darf nicht zu kompliziert sein

Für die Begrünung der Stadt braucht es das Engagement der Menschen, findet Alexandra Walker. Aber man müsse es ihnen leichter machen. Projekt-Anträge ausfüllen, Gelder auftreiben, endlose Formulare im Internet durchforsten: Das ist von Einzelpersonen viel verlangt. Es stellt sich die Frage, wer mehr in die Verantwortung genommen werden muss.

Ist es die Stadt oder braucht es mehr Engagement von Seiten der Bürger:innen? Das Projekt "Offenbacher Hafengarten" existiert seit zehn Jahren. Walker weiß, warum. "Weil die Stadt dahintersteht. Die Leute haben einen niedrigschwelligen Zugang. Alles, was kompliziert ist, da hat keiner Bock zu."

Konzept der Schwammstadt

Auch Meike Plößer, Ingenieurin der Architektur, weiß, wie wichtig die Rückendeckung der Stadt für die Begrünung ist. Sie engagiert sich in der Bürgerinitiative Bergsträßer Wald. Sie habe schon mal ohne die Zustimmung ihrer Gemeinde eine öffentliche Grünfläche bepflanzt und bewässert, erzählt Plößer. Da die Aktion nicht genehmigt war, sei die Begrünung aber niedergemäht und die Pflanzen entfernt worden.

Neben Urban-Gardening-Projekten gibt es laut Plößer weitere Möglichkeiten, eine Stadt zu begrünen und zu befeuchten. Ein Konzept ist die Schwammstadt. Durch Asphalt versiegelte Flächen werden vermieden und durch Bodenarten ersetzt, die Regenwasser speichern können. Dadurch wird Überschwemmungen durch Starkregen entgegengewirkt und es entsteht ein natürlicher Wasserspeicher.

Das Schottergartenverbot in Frankfurt ist ein Schritt, der in eine ähnliche Richtung geht: Bepflanzte Gärten speichern Wasser, Steine können das nicht. Angesichts der bestehenden Beton- und Asphaltmasse in der Stadt erscheint die Begrünung jedoch wie eine Mammutaufgabe. Doch größere und kleinere Gartenprojekte, Gebäudebegrünung und Schottergartenverbot sorgen immerhin schon jetzt für besseres (Mikro-)Klima.  

Quelle: hessenschau.de/Susanne Mayer