Von wildem Wein eingewachsenes Haus

Heiß, heißer, Stadtsommer: Viele Städte versuchen, die Temperaturen mit Grünpflanzen etwa an Fassaden und zwischen Straßenbahnschienen in den Griff zu bekommen. Begrünungssatzungen sind in Arbeit, Frankfurt hat schon eine.

In Frankfurt müssen Neu- und Umbauten nach der im Mai in Kraft getretenen Gestaltungssatzung "Freiraum und Klima" begrünt werden. Auch gegen Schottergärten richtet sich das Regelwerk.

Mehr Grün soll verhindern, dass sich die Stadt im Sommer noch mehr aufheizt. Frankfurt hat deshalb schon die Fassade eines Müllheizkraftwerks mit Pflanzkästen bestückt. Auch Bus-Wartehäuschen, Litfaßsäulen oder Straßenbahngleise könnten begrünt werden. Das Förderprogramm "Frankfurt frischt auf" unterstützt bei diesen Vorhaben. Zusätzlich plant die Stadt nach eigenen Angaben, 10.000 neue Bäume zu pflanzen.

Schwierige Bewässerung am Hochhaus Eden

Ein über die Stadt hinaus bekanntes Beispiel für eine Fassadenbegrünung in Frankfurt ist ein Hochbunker im Stadtteil Griesheim. Nicht ganz so grün sprießt es dagegen derzeit am neuen Hochhaus "Eden" im Gallusviertel, das als eine der höchsten begrünten Wohnfassaden Europas beworben wird. Grund sind nach Angaben des Immobilienentwicklers Probleme mit der Bewässerungsanlage, die allerdings inzwischen behoben sein sollen.

Ein Arbeiter an den vertikalen Grünflächen des "Eden"-Towers in Frankfurt.

Kassel und Darmstadt verordnen mehr Grün

In Kassel liegt der Entwurf einer vergleichbaren Satzung zur Begrünung vor, wie Stadtsprecher Michael Schwab mitteilt. Schon bisher gebe es Festsetzungen zur Fassadenbegrünung und zum Ausschluss von Schottergärten im Rahmen von Bebauungsplänen, etwa im Stadtteil Mitte. Ein zweites Fördergebiet ist nach Angaben der Stadt in Vorbereitung.

Auch Darmstadt arbeitet an einer Begrünungssatzung, die Dach- und Fassadenbegrünung von Gebäuden sowie die Begrünung von Freibereichen vorschreiben soll. Bürgerinnen und Bürger können in einem Gründach- und Entsiegelungskataster nachsehen, wo Potenziale auf dem eigenen Grundstück oder Gebäude vorhanden sind, wie ein Stadtsprecher mitteilt.

Fulda sieht Problem bei Kontrolle der Maßnahmen

In Wiesbaden untersucht derzeit eine Arbeitsgruppe Möglichkeiten, eine entsprechende Satzung zur Gestaltung der Grundstücksflächen sowie Dach- und Fassadenbegrünung zu erarbeiten, wie eine Sprecherin mitteilt. Auch in Gießen werden entsprechende Überlegungen diskutiert.

Keine Satzung geplant ist derzeit in Fulda. Die Stadt verweist aber auf Bebauungspläne mit Vorgaben für die Begrünung. "Das Problem sind aus unserer Sicht nicht fehlende gesetzliche Grundlagen, sondern vielmehr die Durchsetzung beziehungsweise die wirksame Kontrolle und Ahndung", teilt ein Stadtsprecher mit. Um grünere Vorgärten zu erreichen, gebe es Bildungsangebote und Themengärten auf der noch bis Oktober laufenden Landesgartenschau.

Landesamt unterstützt Kommunen bei Anpassung an Hitzewellen

Damit Kommunen mit Hitzewellen besser zurechtkommen, bieten Experten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) eine spezielle Beratung an. Beispielsweise sollen Hitzekarten den Städten und Gemeinden helfen, besonders heiße Orte zu identifizieren, wie HLNUG-Präsident Thomas Schmid am Donnerstag erläuterte. Die neue Beratung steht unter dem Motto "Städte - Grün, Blau, Gesund. Zukunft lebenswert gestalten".

"Die Vision, die uns leitet, ist Grün und Blau statt Grau: weniger Asphalt, mehr Bäume, Wiesen und grüne Fassaden, mehr Wasser und schattige Ecken zur Abkühlung", erklärte Schmid. Hitze in der Folge des Klimawandels werde in den Städten zunehmend zum Problem. "Denn im bebauten und asphaltierten Bereich potenzieren sich die Auswirkungen." Durch den Wärmeinseleffekt würden die Temperaturen im Vergleich zum Umland stärker ansteigen.

Nabu appelliert auch an Eigenverantwortung der Bürger

Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen begrüßt die Bemühungen der Städte und ruft die Bürgerinnen und Bürger auf, auch abgesehen davon aktiv zu werden. Das Grün sorge über mehr Verdunstung für Abkühlung. "Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie heiß es werden kann", sagt Nabu-Sprecherin Kathrin Kaltwaßer.

Bedenken, dass begrünte Fassaden Ungeziefer anlockten, das in die Wohnung komme, könne sie zerstreuen. Für Spinnen oder Insekten seien die Pflanzen interessant und nicht die Wohnungen. Zur Sicherheit könne man Fliegengitter an den Fenstern anbringen. Intakte Dächer und Fassaden erlitten durch Kletterpflanzen auch keinen Schaden.

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