Aus einem Gastank auf dem Gelände eines Flüssiggas-Abfüllbetiebes in Hadamar tritt Gas aus.

Nach dem Gasaustritt in Hadamar: Wie gefährlich ist eigentlich Propangas? Wie hoch ist der Schaden? Ein Überblick mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

In Hadamar (Limburg-Weilburg) kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen den massiven Gasaustritt aus einem Lagertank auf einem Unternehmensgelände. In der Nacht zu Dienstag kam es im evakuierten Sperrkreis rund um den Ort des Geschehens zu einer Explosion in einem Einfamilienhaus. Ein eigenmächtig in den abgesperrten Bereich zurückgekehrter Anwohner wurde schwer verletzt. Am Dienstag wurde der Sperrkreis erweitert.

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Pressekonferenz in Hadamar: Die wichtigsten Aussagen

Blick in Raum der Pressekonferenz: Menschen an Tischen
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Wie kam es zu dem Gasaustritt in Hadamar?

Bei Wartungsarbeiten bei einem Gashandelsunternehmen in Hadamar-Niederzeuzheim wurde am Montag ein Ventil an einem unterirdischen Flüssigastank mit einem Volumen von 400 Kubikmetern beschädigt. "Was genau passiert ist, wissen wir noch nicht. Wir konnten die Stelle noch nicht sehen", sagte Tareq Ghadbari von der Tyczka Group, auf deren Gelände sich der Vorfall ereignete.

Mutmaßlich habe das "Versagen einer Armatur" zu dem Leck geführt, sagte ein Unternehmenssprecher. Ein Element der Tankkonstruktion, ein sogenannter Flansch, war abgerissen. Dadurch strömt nun unkontrolliert Propangas aus. Der Tank war mit etwa 300 Kubikmetern Propangas gefüllt - das entspricht etwa 150 Tonnen.

Wie gefährlich ist Propangas?

Propangas gehört zu der Gruppe der Flüssiggase. An der Luft verdampft es und kühlt sich und die Umgebung dabei sehr schnell auf die Siedetemperatur von unter minus 40 Grad ab. Es besteht Erfrierungsgefahr. Das Gas vermischt sich langsam mit der Luft - an dem Einsatzort in Niederzeuzheim ist das an der weißen Wolke zu sehen - und kann sich zu einem explosionsfähigen Gemisch bilden.

Dass die Gefahr groß ist, zeigt die Explosion eines Hauses in der Nacht zum Dienstag. "Weitere Explosionen können nicht ausgeschlossen werden", sagte Hadamars Pressesprecher Jan Kieserg. So hätten die verschiedenen Messtrupps, die dauerhaft im Einsatz sind, eine hohe Konzentration des Propangases in der Kanalisation festgestellt.

Um Funkenschlag zu verhindern, wurde im Gefahrenbereich der Strom abgeschaltet. Die Feuerwehr versucht nun, den Gastank mit einem Hochdruckschlauch und Warmwasser zu enteisen, damit das Gas kontinuierlich ausströmen kann.

Drohnenaufnahme von Trümmern

Was passiert beim Einatmen von Propangas?

Propangas ist nicht giftig. Niedrige Konzentrationen sind unbedenklich. Eine hohe Konzentration kann Sauerstoff aus der Luft verdrängen. Sauerstoffmangel kann zu schneller Atmung, erhöhter Herzfrequenz und Müdigkeit führen. Sehr hohe Konzentrationen wirken narkotisierend und können zum Erstickungstod führen.

Wie wollen die Einsatzkräfte in Hadamar jetzt vorgehen?

Der defekte Tank kann nicht repariert werden. Das bekräftigte Ralf Konermann, der technische Leiter der Tyczka Group. "Der einzige Zugang zu dem Tank ist stark vereist. Das austretende Gas hat eine Temperatur von minus 40 Grad", erläuterte am Dienstag Kreisbrandinspektor Frederick Stahl. Es gebe bisher keine andere Lösung als das kontrollierte Ablassen des Gases aus dem Tank.

Die Feuerwehr rechnet damit, dass das allein drei Tage dauern könnte. Dabei handelt es sich aber um vorsichtige Schätzungen. "Keiner kann sagen, wie lange das Abblasen dauern wird", sagte Landrat Michael Köberle (CDU). 

Erst nach dem Abströmen des Gases können weitere Schritte eingeleitet werden. "Dann beginnt der zweite Teil", sagte Kreisbrandinspektor Frederik Stahl. Weil das Gas schwerer als Luft ist, könne es sich in Kellern, Senken oder der Kanalisation sammeln, deshalb müssten Maßnahmen ergriffen werden, um es zu beseitigen beziehungsweise zu verdünnen.

Warum wurde der Evakuierungsradius erweitert?

In der Nacht auf Dienstag hat es eine Verpuffung gegeben, bei der ein Haus in rund 120 Metern Entfernung zu dem Firmengelände einstürzte. Es gab einen Schwerverletzten, der sich entgegen der Anweisungen der Behörden in dem Gebäude aufhielt. Deshalb haben die Einsatzkräfte den Sicherheitsradius um den lecken Gastank nun ausgeweitet. Von der Vergrößerung des Radius um 100 auf 400 Meter seien weitere rund 150 bis 200 Personen betroffen, sagte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) am Dienstag. Insgesamt wurden bis Dienstagnachmittag rund 740 Menschen evakuiert.

Eine Karte vom Ortsteil Hadamar-Niederzeuzheim. Eingezeichnet ist der Punkt des Gasaustritts und die Evakuierungszone von 400 m Radius

Wann können die Bewohner zurück in ihre Häuser?

Das ist laut den Einsatzkräften noch nicht klar. Zunächst muss das Gas komplett aus dem Tank entweichen. Dann kontrollieren die Einsatzkräfte, wo sich Gas unter Wohnhäusern, in der Kanalisation oder in Senken gesammelt hat.

An diesen Orten könnten erneut Sperrungen nötig sein, sagte Feuerwehrsprecher Stahl. "Das wird kleinteilig und personalintensiv." Schon jetzt sei die Belastung der Einsatzkräfte hoch. Man wolle deshalb Verstärkung aus den umliegenden Landkreisen anfordern. Einen Zeitplan könne er nicht nennen, das sei abhängig davon, an wie vielen Stellen die Messgeräte anschlagen.

Wo können die Anwohner unterkommen?

Etwa 20 Bewohner mussten die Nacht in einer Mehrzweckhalle verbringen, der Rest habe eine private Unterkunft gefunden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Die Notunterkunft im Dorfgemeinschaftshaus steht laut Bürgermeister Ruoff noch mindestens bis Mittwochmittag zur Verfügung.

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Gasleck in Hadamar: Niederzeuzheim wird zur Sperrzone

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Wie hoch ist der entstandene Schaden?

Das ist noch nicht klar. "Es ist wichtig, dass wir erstmal die akute Lage beenden", sagte ein Sprecher des Gashandelsunternehmens am Dienstagnachmittag. "Alles Weitere regeln wir im Nachgang."
Von dem Haus, das bei der Explosion zerstört wurde, sind nur noch Trümmer übrig.

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