Tonnenschwerer Flugkörper Satellit stürzt auf die Erde – ESA schaut zu

Um 18.15 Uhr trat der ausgediente Klimasatellit ERS-2 wieder in die Erdatmosphäre ein. Die Weltraumagentur ESA in Darmstadt verfolgte den geplanten Absturz - bis zuletzt war unklar, wo der Satellit verglühen wird.

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Der ESOC-Kontrollraum in Darmstadt. (Archivfoto) Bild © hr/ESA/Jürgen Mai
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Im Europäischen Raumflugkontrollzentrum der Weltraumorganisation ESA in Darmstadt richteten sich am Mittwoch alle Augen auf den Satelliten ERS-2, der wieder in die Erdatmosphäre eintreten sollte.

Der Wiedereintritt war für den späten Nachmittag mitteleuropäischer Zeit berechnet worden. Es wurde dann doch später. Am Abend meldete die ESA, dass der Satellit gegen 18.15 Uhr (MEZ) in die Erdatmosphäre über dem Nordpazifik zwischen Alaska und Hawaii eingetreten sei.

Der ehemalige Erdbeobachtungssatellit war seit seiner Abschaltung vor 13 Jahren vor allem durch Sonnenaktivität zu Weltraumschrott verfallen. Weil die Systeme des Satelliten außer Betrieb waren, geschah der Absturz unkontrolliert. Auch wo genau der Satellit in die Erdatmosphäre eintreten sollte, war unklar. Sicher war nur: Der etwa zweieinhalb Tonnen schwere Satellit werde dabei größtenteils verglühen.

ERS-2 sammelte Fülle von Klimadaten

ERS-2 war schon 1995 ins All geschossen worden. Zum Zeitpunkt des Starts waren dieser und der vier Jahre zuvor gestartete Schwestersatellit ERS-1 "die anspruchsvollsten Erdbeobachtungssatelliten, die jemals entwickelt wurden", so die ESA.

Während seiner Betriebszeit lieferte ERS-2 Klimadaten. Laut ESA handelt es sich um eine "Fülle von Informationen, die unsere Sicht auf unseren Planeten und das Verständnis des Klimawandels revolutionierten".

Die beiden Satelliten sammelten demnach "Daten über das schwindende Polareis, die sich verändernde Landoberfläche, den Anstieg des Meerespiegels, die Erwärmung der Ozeane und die Chemie der Atmosphäre". Darüber hinaus beobachteten sie Naturkatastrophen wie schwere Überschwemmungen und Erdbeben in entlegenen Teilen der Welt.

Flughöhe abgesenkt, um Kollisionsgefahr zu verringern

2011 versetzte die ESA ERS-2 in den Ruhestand und begann mit dem sogenannten Deorbiting. Seine Flughöhe wurde von etwa 785 Kilometer auf 573 Kilometer abgesenkt, "um das Risiko von Kollisionen mit anderen Satelliten zu minimieren". Mit der Absenkung sollte auch verhindert werden, dass ERS-2 weitere etwa 100 Jahre um die Erde kreisen würde und stattdessen nach spätestens 15 Jahren in die Erdatmosphäre eintaucht. Das ist jetzt der Fall.

ERS-2 sollte "auf natürliche Weise" wieder in die Atmosphäre eintreten. Auf der Internetseite der ESA kann man die letzten Tage seiner Reise anhand von Daten beobachten. Allein während der 16 Jahre Betriebszeit legte der Satellit rund 3,5 Milliarden Kilometer zurück.

Seit 2014 gibt es die Nachfolge-Mission Copernicus mit ihren Sentinel-Satelliten, die zuletzt unter anderem Bilder der Erdbebengebiete in Syrien und der Türkei lieferten.

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Sendung: hr-iNFO, 21.02.2024, 9.20 Uhr

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Quelle: hessenschau.de/Raphael Stübig