Bildlkombination: Foto eines Sees inmitten einer Landschaft links und rechts ein unkenntlich gemachtes Portraitfoto der toten Ayleen.

Der mutmaßliche Täter im Fall Ayleen muss sich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Mord und versuchte Vergewaltigung vor. Wir sagen, was bisher bekannt ist.

Audiobeitrag

Audio

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen mutmaßlichen Mörder von Ayleen

Ende des Audiobeitrags

Ende Juli 2022 hatte die Polizei die Leiche von Ayleen im Teufelsee in Echzell (Wetterau) entdeckt. Die Schülerin aus Gottenheim (Baden-Württemberg) war zuvor mehrere Tage vermisst worden. Eine Übersicht des Falls und alle Fakten, die bislang bekannt sind:

Wann war Ayleen verschwunden?

Die 14 Jahre alte Ayleen war am Abend des 21. Juli 2022 in Gottenheim (Baden-Württemberg) verschwunden. Eine Suche der Polizei auch mit Hunden und Polizeihubschrauber brachte in der Heimatgemeinde des Mädchens keine Ergebnisse.

Wie und wo wurde ihre Leiche gefunden?

Über Handydaten führte die Spur des Mädchens nach Hessen. Auswertungen von Chatverläufen brachten die Verbindung zum damals 29 Jahre alten Tatverdächtigen. Die Auswertung seiner Handydaten habe dann einen längeren Aufenthalt am Teufelsee ergeben, sagte der Gießener Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger. Daraufhin seien Einsatzkräfte der Kriminalpolizei auch mit einem Hubschrauber zu dem See geschickt worden, wo sie am 29. Juli die im See treibende, leblose Ayleen entdeckten.

Der Teufelsee, in dem die Leiche gefunden wurde, liegt zwischen Echzell und Reichelsheim (Wetterau). Neben dem See führt die L3412 vorbei. Von dort aus ist der See aber wegen vieler Büsche nicht einsehbar.

Foto eines Sees inmitten einer Landschaft

Was passierte mit dem Verdächtigen?

Der Tatverdächtige aus Waldsolms (Lahn-Dill) wurde noch am 29. Juli in Frankfurt festgenommen. Der Mann schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Diese lauteten: Entziehung Minderjähriger, sexuelle Nötigung und Mord in Verdeckungsabsicht. Erst am 2. September räumte er die Tat ein. Am 5. Januar 2023 erfolgte die Anklage.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Nachdem die Ermittlungen ergaben, dass die 14-Jährige in Hessen und nicht in Baden-Württemberg getötet wurde, übernahm Mitte August die Staatsanwaltschaft Gießen den Fall Ayleen von der Staatsanwaltschaft Freiburg. Eine 30-köpfige Sonderkommission namens "Lacus" ermittelte in dem Mordfall.

Rund ein halbes Jahr nach dem Fund von Ayleens Leiche hat die Staatsanwaltschaft Gießen ihre Ermittlungen abgeschlossen und Anklage gegen den mutmaßlichen Täter erhoben. Die Ermittler werfen dem heute 30-Jährigen neben Mord unter anderem auch versuchte Vergewaltigung mit Todesfolge und Entziehung Minderjähriger vor.

Das Landgericht Gießen muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden, ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest. Bei einer Verurteilung drohen dem Angeschuldigten eine lebenslange Freiheitsstrafe und eine Sicherungsverwahrung.

Wie lief die Tat ab?

Am 2. September räumte der Tatverdächtige laut Ermittlern ein, den Tod der Schülerin in der Nacht auf den 22. Juli "durch körperliche Gewalteinwirkung herbeigeführt und den Leichnam anschließend im Teufelsee bei Echzell (Wetterau) versenkt zu haben". Zuvor soll der Mann Ayleen mit seinem Auto von Gottenheim in ein Waldstück bei Langgöns-Cleeberg (Gießen) gefahren haben. Dort habe er sie getötet, teilte die Staatsanwaltschaft bei der Anklage mit.

Ob die 14-Jährige freiwillig zu dem Mann ins Auto stieg, ist noch unklar. Fest steht, dass der Tatverdächtige und das Mädchen sich aus Chats in sozialen Netzwerken wie Snapchat und dem Online-Spiel Fortnite kannten.

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Der heute 30-Jährige, der aus Waldsolms (Lahn-Dill) stammt, war 2007 als Jugendlicher für zehn Jahre wegen eines versuchten Sexualdelikts an einer Elfjährigen in ein psychiatrisches Krankenhaus gekommen. Nach seiner Entlassung 2017 stand er unter Führungsaufsicht. Diese war durch das Amtsgericht Frankenberg (Eder) zunächst auf drei Jahre festgelegt worden.

Das Amtsgericht Wetzlar verlängerte die Aufsicht im Januar 2020 auf unbefristete Zeit. Dagegen legte der Mann Beschwerde ein, die Aufsicht wurde von drei auf fünf Jahre verlängert, bis Januar 2022. Die Führungsaufsicht endete somit am 25. Januar 2022. In der Zeit der Aufsicht sei er mit Verkehrsdelikten und wegen Diebstahls aufgefallen, nicht aber mit Sexualdelikten, erklärte ein Gerichtssprecher.

Was passierte nach dem Ende der Führungsaufsicht?

Nach dem Ende der Führungsaufsicht sollte der Mann aus Mittelhessen nahtlos in ein Programm für Mehrfach- und Intensivtäter (MIT) aufgenommen werden. Nach hr-Informationen hat dieser Übergang aber nicht funktioniert, sodass der Tatverdächtige zeitweise nicht unter Beobachtung stand. Grund dafür könnten Abspracheprobleme zwischen den Behörden gewesen sein.

Laut Oberstaatsanwalt Manuel Jung wurde der Tatverdächtige erst am 19. Mai 2022, also rund vier Monate nach dem Ende der Führungsaufsicht, in das MIT-Programm eingestuft - wegen niederschwelliger Verkehrs- und Diebstahldelikte. Es seien neun Anklagen gegen ihn gebündelt worden, bereits am 8. August hätte gegen ihn verhandelt werden sollen.

Was wird dem mutmaßlichen Täter noch vorgeworfen?

Nach derzeitigem Ermittlungsstand gab es im ersten Halbjahr 2022 drei Anzeigen wegen sexueller Belästigung und versuchter Nötigung gegen den Tatverdächtigen. Dem Amtsgericht Wetzlar zufolge soll er Ende März und Anfang April zwei 14-Jährige belästigt haben. Diese Anzeigen sind Oberstaatsanwalt Jung zufolge "unmittelbar in die Bearbeitung" gegangen. Die Akte sei an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden, liege nun wegen weiterer Ermittlungen aber wieder bei der Polizei. Warum weiter ermittelt werden muss, wollte Jung aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht sagen.

Bereits bekannt war, dass der damals 29-Jährige Ende April 2022 eine 17-Jährige auf dem Blütenfest in der Stadt Rosbach vor der Höhe (Wetterau) angesprochen und danach unter anderem durch Textnachrichten versucht haben soll, sie zu einer Beziehung zu drängen. Anfang Mai sei Strafanzeige wegen des Verdachts der versuchten Nötigung bei der Polizei in Friedberg (Wetterau) erstattet worden. Der Staatsanwaltschaft Gießen liegt diese seit Dienstag, 2. August vor. Warum sie erst drei Monate später dorthin übermittelt wurde, blieb vorerst offen.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen