Galeria Filiale (picture alliance / SvenSimon)

Nachdem der Onlinehändler buero.de mit seinem Übernahme-Angebot zurückgerudert ist, ist die Zukunft aller hessischen Filialen der insolventen Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof wieder ungewiss. Der Betriebsrat reagierte enttäuscht.

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Gießener Betriebsratsvorsitzende der Galeria-Filiale besorgt

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Mit Enttäuschung und Unverständnis hat der Betriebsrat des Galeria Karstadt Kaufhof-Konzerns auf die Hiobsbotschaft reagiert, die die Beschäftigten kurz vor Weihnachten erreichte: Der Onlinehändler buero.de hatte am Donnerstagabend sein Übernahme-Angebot für 47 der 131 Filialen in Deutschland zurückgezogen.

Betroffen sind davon fünf der insgesamt 15 hessischen Standorte der Kaufhauskette: in Bad Homburg (Hochtaunus), Fulda, Limburg, Sulzbach (Main-Taunus) und Gießen.

Filiale in Gießen: "Bauchgrummeln" bei Beschäftigten

"Das Weihnachtsgeschäft ist sowieso immer stressig, da tut diese Meldung ihr Übriges", sagte die Betriebsrätin des Gießener Standortes, Heidrun Feierabend. Zwar versuche man, zuversichtlich zu bleiben und hoffe weiter auf ein Fortbestehen der Filiale. Ein gewisses "Bauchgrummeln" werde bei den Mitarbeitenden aber nun stärker.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl sagte der dpa, es sei frustrierend, dass nach ersten konstruktiven Gesprächen "so schnell das Handtuch geschmissen wurde".

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verwies auf den Schock für die Beschäftigten "so kurz vor Weihnachten". Die Kette und ihre Beschäftigten bräuchten eine Zukunftsperspektive, sagte er dem hr auf Anfrage. Er hoffe sehr, dass die "Krise der Warenhauskette langfristig nicht zu vollständigen Schließungen führt und am Ende auch auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird".

"Veränderte Rahmenbedingungen" und fehlendes Personal

"Wir haben unser Angebot für die 47 Filialen in der Tat zurückgezogen", hatte buero.de-Chef Markus Schön der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstagabend entsprechende Medienberichte bestätigt. Gerüchte über "viel weitergehende Schließungen" hätten zu "veränderten Rahmenbedingungen" geführt, die nicht mehr akzeptabel seien. Das hätten die Gremien des Detmolder Unternehmens nach mehrstündigen Sitzungen entschieden.

Dem Westfalenblatt sagte Schön außerdem, es sei "vermessen zu glauben, die guten Leute warten lange mit der Jobsuche". Es sei damit zu rechnen, dass es nach der Übernahme kaum noch kompetentes Personal in den Filialen gebe. Im stationären Handel brauche es aber gute Beratungen, um den Wettbewerb mit dem Onlinehandel zu bestehen, betonte er.

"Sind wir keine guten Mitarbeiter?"

Diese Begründung bezeichnete die Gießener Betriebsrätin Feierabend als "seltsam". Es bliebe das Gefühl bei den Beschäftigten: "Sind wir, die noch arbeiten, keine guten Mitarbeiter?" Die von Schön angeführte Fluktuation der Beschäftigten könne sie für den Standort Gießen nicht bestätigen.

Nach Angaben von Galeria Karstadt Kaufhof gebe es noch ein weiteres Übernahmeangebot für eine Reihe von Filialen. Dieses bestehe nach wie vor, sagte ein Konzernsprecher am Donnerstagabend. Um welchen Interessenten es sich handele und, ob darunter auch Filialen in Hessen sind, nannte Galeria Karstadt Kaufhof aus Vertraulichkeitsgründen nicht.

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