Mitarbeiter fallen aus Krankheitswelle: Unternehmen reaktivieren ihre Notfallpläne

Aktuell lassen sich mehr hessische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als sonst krankschreiben. Das reißt teilweise große Lücken in die Schichtpläne von Unternehmen, Behörden und Organisationen. Die Ausfälle können die Arbeitgeber nicht immer auffangen.

Frau mit Schnupfen
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Pendlerinnen und Pendler im Rhein-Main-Gebiet kennen das nur zu gut. Sie müssen zur Arbeit, die Bahn kommt aber nicht. "Es kommt immer wieder zu Ausfällen bei Straßenbahnen und U-Bahnen, das betrifft in der Regel mehrere Fahrten pro Tag", räumt Bernd Conrads ein, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF). Das Problem sei, dass von den knapp 900 Fahrerinnen und Fahrer im letzten halben Jahr außergewöhnlich viele krank geworden seien.

"Wir haben normalerweise eine Krankenquote von bis zu acht Prozent, im Moment ist sie etwa doppelt so hoch", erzählt der Sprecher. Zwar versuche die VGF, ausgefallene Mitarbeiter durch andere zu ersetzen, aber das gelinge nur teilweise. "Manche Mitarbeiter in der Verwaltung haben eine Fahrerlaubnis, die springen kurzfristig ein", so Conrads. Aber das seien nicht so viele. Das Personal dauerhaft großzügig aufstocken könne die VGF dagegen aus finanziellen Gründen nicht.

Auch bei der Cantusbahn zwischen Kassel und Bad Hersfeld heißt es jetzt schon, es gebe Ausfälle wegen kurzfristigen Personalengpässen. Ganz in der Nähe ist zudem die Regional-Expresslinie Kassel-Halle betroffen. Auch da kann die Bahn die Stellwerke nicht besetzen. In den nächsten Wochen werden dort Züge ausfallen und es wird teilweise auch ein Busersatzverkehr eingerichtet.

Höchster Krankenstand seit sieben Jahren

Ein Problem, das viele hessische Unternehmen aktuell haben. Denn nach einer Analyse der Krankenkasse DAK hat sich allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres über die Hälfte aller hessischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mindestens einmal krankschreiben lassen.

Konkret seien es etwa 53 Prozent, so eine hohe Quote werde gewöhnlich erst gegen Ende des Jahres erreicht. Insgesamt spricht man bei der Krankenkasse vom höchsten Krankenstand seit sieben Jahren.

Die Mitarbeiter leiden überwiegend unter Erkältungskrankheiten mit Husten oder Schnupfen. Covid-Infektionen gebe es weniger. Nach Angaben der kassenärztlichen Vereinigung besteht aktuell auch keine Verpflichtung zu einem Corona-Test. Und selbst wenn sich jemand freiwillig selbst testet und der Test positiv ausfällt, liegt es immer noch im Ermessen des Arztes, ob er den Infizierten oder die Infizierte krankschreibt.

3.000 Schnelltests, 13.000 Masken

Karl Roth, Pressesprecher der kassenärztlichen Vereinigung, sagt, wie sich die Lage im Herbst und Winter weiterentwickle, sei kaum vorherzusagen. Womöglich könne es durch das Corona-Virus wie in den letzten Jahren zu einer weiteren Krankheitswelle kommen. Selbst dann wollen viele Arbeitgeber aber weiter handlungsfähig bleiben.  

Entsprechende Vorbereitungen gibt es daher bei der Energieversorgung Offenbach EVO. Vorrausschauend habe man 3.000 Schnelltests nachgekauft, es seien 13.000 Masken vorrätig und alle Luftreinigungsgeräte seien einsatzbereit, meint Sprecher Harald Hofmann. "Zwar sind unter den 800 Mitarbeitern derzeit nicht besonders viele krank, aber wir fühlen uns im Falle einer Infektionswelle gut aufgestellt."

Sollten sich in den kälteren Monaten die Corona-Fälle wieder häufen, könnte die EVO ihre Notfallpläne der letzten Jahre reaktivieren. "Wir könnten wieder Abstandsregelungen einführen, Empfehlungen zum Lüften geben und Schichten voneinander trennen - etwa in unseren Kraftwerken, damit der Betrieb weiter einwandfrei funktioniert", sagt Hofmann. Außerdem biete man Corona- und Grippeimpfungen an.

Notfalls stehen die Feldbetten bereit

Solche Notfallpläne haben viele Unternehmen in der Schublade, vor allem wenn sie zur kritischen Infrastruktur gehören. Ganz essenziell sind dabei zum Beispiel die Strom- und Wassernetze, heißt es beim Verband kommunaler Unternehmen Hessen.

Diese Netze müssten rund um die Uhr kontrolliert und – wenn nötig – umgehend repariert werden, sagt der Vorsitzende des Verbandes Ralf Schodlok. Selbst wenn sich die dafür zuständigen Mitarbeiter mit Covid infizieren würden, könnten sie im Extremfall in den Kontrollzentren weiterarbeiten und auf Feldbetten übernachten. Sie werden demnach rundum versorgt werden. "Nach den Erfahrungen durch die Pandemie wissen wir jetzt, wie wir mit solchen Extremsituationen umgehen", so Schodlok.

Feuerwehr-Sprecher: "Wir erwarten den Winter mit Anspannung"

Auch die Feuerwehren wappnen sich für die kältere Jahreszeit. "Wir erwarten den Herbst und Winter mit einer gewissen Anspannung", räumt Andreas Kleber ein, Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Wiesbaden. Denn in der kalten Jahreszeit dürften Grippe und Covid für mehr Krankheitsausfälle sorgen.

Um die Ansteckungsgefahr dennoch zu minimieren, werde man dann notfalls etwa wieder Zugangskontrollen einführen und alle Mitarbeiter vor Dienstantritt testen. Außerdem könne man dann feste Teams bestimmen, die sich nicht mischen dürften.

Polizei: Feste Teams und Homeoffice

Das Konzept fester Teams gibt es auch bei der hessischen Polizei. Homeoffice hilft zudem laut Polizei Hessen den Kontakt zwischen den Beamtinnen und Beamten bei höheren Corona-Infektionszahlen zu vermeiden. Komme es dennoch in einem Polizeipräsidium zu einem höheren Krankenstand, könnten andere personell aushelfen. Wenn im Extremfall das Personal überall knapp sei, werde man überlegen, wo man die vorhandenen Mitarbeiter nach Bedarf einsetze.

So werden mit Blick auf die kalten Monate vielerorts bereits Notfallpläne überarbeitet. Sollten allerdings zu viele Mitarbeiter auf einmal ausfallen, könnte sich das Problem zuspitzen. Denn die DAK hatte in ihrer Analyse bereits darauf hingewiesen, dass ein großer Personalmangel für die restliche Belegschaft mehr Aufgaben mit sich bringen dürfte.

Es könnte zu Überlastungen kommen, das führe zu weiteren Ausfällen und einer weiteren Verschärfung der Personalsituation. So ergibt sich nach DAK-Angaben ein Teufelskreis.

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Quelle: hessenschau.de/Susanne Mayer