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Nach Großbrand auf dem Altkönig: Die Natur regt sich wieder

Hang mit abgebrannten Baumresten.

Auf dem Altkönig im Taunus erinnern abgebrannte Bäume an den Großbrand vor einem Jahr. Die Natur holt sich den Taunusgipfel langsam zurück. Um die Gefahr vor weiteren Waldbränden einzudämmen, wappnen sich Forstamt und Feuerwehr.

Zarte Pflänzchen haben sich auf dem Altkönig im Taunus zwischen den Steinen angesiedelt. Umgeben von abgebrannten Bäumen, die kreuz und quer auf dem Hang verstreut sind. Bei einem Großbrand vor einem Jahr hatte der Berg im Taunus seine grünen Kronen verloren.  

Die Fläche zwischen Kronberg und Königstein (Hochtaunus), auf der einst Nadelbäume standen, wirkt noch kahl. Hendrik Bickel vom Forstamt Königstein erkennt aber schon erste Veränderungen.

Grüne Jungpflanze in Nahaufnahme umgeben von totem Altholz und Geröll.

"Es werden noch ein, zwei Jahre vergehen, dann sind hier wieder Gräser und erste Sträucher, die sich dann die Brandfläche nach und nach wieder zurückholen", sagt er.

Natur soll sich selbst regenerieren

Auf der betroffenen Fläche, die etwa vier Hektar Wald umfasst, wird nicht aktiv aufgeforstet. Es handelt sich um eine sogenannte Stilllegungsfläche in dem Naturschutzgebiet. Die Natur soll sich dort selbst regenerieren. Es wird also weder aufgeräumt, noch werden neue Bäume gepflanzt.

Nur während der Löscharbeiten im letzten Jahr fällten Förster angebrannte Bäume, um die Einsatzkräfte zu schützen und das Feuer einzudämmen. Die Flammen hatten sich vom Altkönig in Richtung Fuchstanz ausgebreitet. Bis es dort wieder so aussieht, wie vor dem Brand, werden Jahrzehnte vergehen.

Feuer am Altkönig wohl von Brandstiftern gelegt

Insgesamt 1.100 Einsatzkräfte von Feuerwehren, HessenForst, Polizei und Hilfsorganisationen waren drei Tage lang mit Löscharbeiten beschäftigt. Der Grund für den Waldbrand auf dem dritthöchsten Taunusgipfel soll mutwillige Brandstiftung gewesen sein.

Bäume brennen

Im Zuge des Einsatzes seien viele illegale Feuerstellen gefunden worden, sagte der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), damals. Er appellierte an die Bevölkerung, an den Taunushängen nicht zu grillen oder Feuer zu machen.

Mischwälder werden angelegt

Während auf dem Altkönig nicht wieder aufgeforstet wird, versucht das Forstamt auf anderen Flächen im Taunus die Waldbrandgefahr durch neue Pflanzaktionen gering zu halten. Es geht darum, naturnahe Wälder zu etablieren: "Man legt Mischwald an, um von den reinen Nadelholzbeständen wegzukommen", berichtet Bickel. "Letzendlich kann man sagen: Alles, was dem Wald gegen den Klimawandel hilft, ist indirekt auch gut gegen Waldbrände."

So sah es früher auf dem Altkönig aus.

Durch die Kombination von trockenheitsresistenten Arten und einer Vielfalt an Bestand soll der Wald klimaresistenter werden. Speziell im Taunus sind laut HessenForst Rückhaltebecken installiert worden, um Regenwasser im Wald zu halten und den Pflanzen zusätzliche Feuchtigkeit bereitzustellen.

Wetterexperte: "Die Wälder werden trockener"

Denn mit dem Klimawandel gehen auch trockenere Sommer einher. "Die Dürrephasen werden zunehmen," ist hr-Wetterexperte Tim Staeger überzeugt. "Auch wenn es immer wieder auch Starkregen gibt." Wenn die Wälder und ihre Böden trockener werden, steige die Waldbrandgefahr.

Abgebrannte Bäume an einem

Anders als in Griechenland oder der Türkei ist laut Staeger hierzulande momentan nicht mit einer Hitzewelle zu rechnen. "Die Luft aus dem Südosten kommt nicht zu uns." In Hessen werde es ab dem Wochenende zwar wieder wärmer, Hitze sei aber bis auf Weiteres nicht in Sicht.

Feuerwehr hatte am Montag ihren ersten Einsatz am Kolbenberg

Der Hochtaunuskreis hat bereits Maßnahmen ergriffen, um künftig schneller auf Brände reagieren zu können. Es gebe etwa eine intensivere Ausbildung im Bereich Wald- und Vegetationsbrände, wie Lars Benndorf, stellvertretender Kreisbrandinspektor im Hochtaunuskreis, sagt. Benndorf war auch zeitweise Einsatzleiter beim Brand am Altkönig. Zudem wurden schon neue Geräte beschafft – von der Hacke bis zu Fahrzeugen.

Weitere Informationen

Waldbrandgefahrenindex

Hier finden Sie den Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdiensts.

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Die Feuerwehr Oberursel musste am Montag ausrücken.

"Beispielhaft will ich die Stadt Oberursel nennen, die für Waldbrände ein spezielles Waldbrandlöschfahrzeug recht kurzfristig beschafft hat", so Bendorf. Man habe aus dem Großbrand im vergangenen Jahr gelernt und einiges in die Wege geleitet, um in Zukunft noch besser reagieren zu können.

Schnell reagieren musste die Feuerwehr Oberursel erst am Montag. Sie musste im Bereich des Kolbenbergs, nahe des Sandplackens, zu ihrem ersten Waldbrandeinsatz der Saison ausrücken. Zusammen mit der Feuerwehr Bad Homburg bekämpften die Einsatzkräfte ein etwa 500 Quadratmeter großes Bodenfeuer. Dabei kamen mehrere Strahlrohe zum Einsatz, um den Waldboden gründlich zu durchfeuchten.

Mit Löschrucksäcken im steilen Gelände

Bei dem Feuerwehreinsatz vor einem Jahr auf dem Altkönig war das steile und schwer zugängliche Gelände eine Herausforderung. Zum Teil konnten die Feuerwehrleute nur mit Löschrucksäcken zu den Brandherden vordringen.

Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, sind auch gemeinsame Brandschutzübungen von Feuerwehr, Forstamt und weiteren Einsatzkräften wichtig. Seit dem letzten Großbrand gab es allerdings keine mehr. "Tatsächlich haben wir hier so viele Brände gehabt, dass eine Übung fast nicht mehr möglich war", sagt Bendorf.

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