Eine junge Frau genießt in einer Korbschaukel eine Tasse Tee

hr-Redakteurin Christiane Schwalm ist frischgebackene Mutter und steht vor der Frage, wie sie ihren ersten Muttertag feiert. Anstelle von Blumenstrauß und Geschenken plädiert sie für mehr Anerkennung von Care-Arbeit und dafür, sich am Muttertag eine Auszeit zu gönnen.

Neulich verkündete ich meinem Mann, dass ich mich doch sehr über ein kleines, süßes Goldkettchen zum Muttertag freuen würde, auf dem der Name unseres Sohnes eingraviert ist. Ein solches war mir nämlich in den Instagram-Feed gespült worden, zusammen mit weiteren netten Geschenkideen. Während mein Mann diese Äußerung emotionslos hinnahm, führte das Aussprechen des Wunsches bei mir dazu, dass ich ihn plötzlich zu hinterfragen begann.

Explizit der Mutter danken - total überholt

Irgendwie hatte ich mich, stolz darauf nun Mami zu sein, ein bisschen auf den Muttertag gefreut. Aber gleichzeitig kam es mir doch recht merkwürdig vor, von meinem sechsmonatigen Sohn ein Dankeschön dafür einzufordern, dass ich mich um ihn kümmere.  

Christiane Schwalm und ihr Sohn am Strand

Zum einen tue ich das gar nicht alleine, sondern teile mir mit meinem Mann alles ziemlich 50:50 auf. Er ist es auch, der gerade alleine in Elternzeit ist. Und zum anderen: Explizit der Mutter zu danken, ist das nicht total überholt?  

Nur offiziell abgeschafft

Der Muttertag kommt ursprünglich aus Amerika, wo er seit 1914 als offizieller "Mother's Day" zu Ehren aller Mütter gefeiert wird. Ja, 1914! Nicht nötig, das Frauenbild der damaligen Zeit zu erläutern. Die Idee ging um die Welt und wurde von den Nazis dankend aufgegriffen, die den Tag ab 1933 als "Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter" feierten.

Am Muttertag wurde unter anderem auch das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter" verliehen - eine Medaille für besondere Gebärleistungen. Nach dem Krieg wurde der Tag als staatlicher Feiertag zwar offiziell abgeschafft, doch von Blumenhandel und Co bis heute aufrechterhalten. 

Muttertag feiert kostenlose Care-Arbeit

Auch wenn ich auf meine Gebärleistung recht stolz bin, widerstrebt mir bei genauerem Nachdenken die Grundannahme, die hinter dem Muttertag steckt. Es ist die, dass es natürlich die Frau ist, die Zuhause den Hauptanteil der Care-Arbeit übernimmt - und das unbezahlt. Bezahlt wird nur die "richtige Arbeit", und zwar die Erwerbsarbeit - meist in Vollzeit ausgeführt vom Vater. 

Der Muttertag aber feiert die kostenlose Care-Arbeit der Frauen nicht nur. Er suggeriert auch, die Liebe des Kindes und ein Mal im Jahr ein Blumenstrauß reiche als Lohn aus. Sorry, aber das tut es absolut nicht! 

So sinnvoll wie das Klatschen für Pflegekräfte

Dass Care-Arbeit ein Fulltimejob ist, ohne richtigen Feierabend und mit Nachtschichten, muss ich keiner Person darlegen, die diesen Job ausführt. Wenn nun einmal im Jahr diesen for free arbeitenden Menschen, die damit im Übrigen unser Rentensystem am Laufen halten, ein Strauß Blumen gereicht wird, so erscheint mir das so hilfreich wie das Klatschen am Fenster für Pflegekräfte in der Corona-Pandemie. Was es dagegen wirklich braucht, ist eine Aufwertung der Care-Arbeit seitens der Politik, am besten finanziell. 

Zitat
„Dass Care-Arbeit ein Fulltimejob ist, ohne richtigen Feierabend und mit Nachtschichten, muss ich keiner Person darlegen, die diesen Job ausführt.“ Christiane Schwalm Christiane Schwalm
Zitat Ende

Weil das aber nicht ausreichend passiert, hängen viele Mütter so an "ihrem" Tag. Deshalb stoppte auch ich beim Scrollen auf Instagram angesichts goldener Herzkettchen. Muttertag ist im Kern der Wunsch danach, dass Care-Arbeit als das anerkannt wird, was sie ist: richtige Arbeit.  

Bier und Bollerwagen: Inspiration Vatertag

Wie also will ich nun mit meinem ersten Muttertag umgehen? Ich habe viel darüber nachgedacht und mich schließlich vom Vatertag inspirieren lassen. Viele Männer nutzen diesen Tag ja als Anlass, um mit Bollerwagen und Bier umherzuziehen, fernab von Weib und Kind. Es ist ein Tag, an dem Väter sich selbst feiern (ob für ihren Einsatz in der Care-Arbeit sei mal dahingestellt).  

Und so will ich es am Sonntag auch handhaben. Vielleicht nicht mit Bier und Bollerwagen, aber mit einem Tag, den ich mir schenke, um mich selbst als Mutter zu feiern - mit einer ausgiebigen Sporteinheit oder einem guten Buch im Garten. Und ich fordere hiermit alle Mütter auf, es wie die Väter zu machen: Macht aus dem Muttertag einen Me-Time-Tag! Gönnt euch eine Auszeit vom Muttersein. Das machen wir nämlich viel zu wenig. 

Ihre Kommentare Ist der Muttertag noch zeitgemäß?

29 Kommentare

  • Unkommentiert sollte Herrn Lewerenz pauschale und in den meisten Fällen unrichtige Behauptung, ja fast schon Beleidigung, nicht bleiben:

    Es ist bei der angespannten Betreuungssituation in vielen Orten gar nicht möglich, das Kind in die Kita zu geben und dann nicht arbeiten zu gehen. Wenn ich nicht arbeiten ginge, hätte ich in meinem Ort gar keine Chance auf einen Kitaplatz. Und viele, die arbeiten wollen, gehen ebenfalls leer aus.

    Abgesehen von all dem dient der Kitabesuch nicht nur der Betreuung während unserer arbeitsbedingten Abwesenheit. Die Kita leistet in der Gemeinschaft mit anderen Kindern sehr viel soziale Kompetenz-Erziehung. Da ich zu Hause keine 20 Kinder habe, könnte ich diesen sozialen Mehrwert nicht bieten. Unsere Eltern beziehen wir nicht ein. Es ist nicht ihre Aufgabe, unsere Kinder zu betreuen.

    Herr Lewerenz, schildern Sie doch gerne mal, wo Ihre persönlichen Aufgaben in der Erziehung Ihrer Kinder lagen/liegen.

  • Was nützt es mir 1x im Jahr geehrt zu werden mit einem Present. Ich habe meiner Tochter von klein an gesagt, dass ich viel lieber überrascht werde. Irgendwann im Jahr. Hilfe im Haushalt, Frühstück an das Bett bringen. Oder dass das Essen schon auf dem Tisch steht, wenn Mutter von der Arbeit kommt. Je nachdem wie alt die Kinder sind freut sich die Mutter über eine spontane Idee.: Mutti leg die Füße hoch wir machen das.
    Geschenke sind reiner Kommerz. Das unterstützen wir nicht. Deswegen habe ich auch heute nichts bekommen.
    Aber wer weiß- meiner Tochter fällt immer eine kleine Überraschung ein. Irgendwann im Jahr - und nicht nur einmal.
    Alles Liebe an alle Mütter
    Von einer Mutter einer inzwischen großen Tochter

  • Ja, ich finde ihn noch zeitgemäß.
    Muss immer alles, was für mich seit meiner Kindheit Tradition ist, hinterfragt, angezweifelt, verändert werden?
    Sicher ist dieser Tag ein lohnendes Geschäft für die Blumenhändler und Pralinenhersteller.
    Aber warum sollte ich meiner Mutter an diesem Tag nicht besonders danken, indem ich sie zu mir einlade, sie bekoche, mit ihr ihren Lieblingskuchen zum Kaffee genießen?
    Sie findet es immer sehr schön und mir gefällt der Tag mit ihr ebenfalls.
    An den übrigen 364 Tage bin ich auch immer für sie da.

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