Reaktionen von Politik und Bahn "Fassungslos, dass Mutter und Kind vor Zug gestoßen wurden"

Nach dem Anschlag am Frankfurter Hauptbahnhof auf eine Mutter und ihren Sohn, bei dem der Achtjährige starb, haben Politiker und Deutsche Bahn entsetzt reagiert. Die AfD sorgte für Empörung.

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Bild © Marvin Mendel (hr)| zur Audio-Einzelseite
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Am Montag sind eine Mutter und ihr achtjähriger Sohn aus dem Hochtaunuskreis am Frankfurter Hauptbahnhof vor einen einfahrenden ICE gestoßen worden. Das Kind wurde dabei getötet.

Die Deutsche Bahn und zahlreiche Politiker haben sich zu dem Vorfall geäußert, viele über den Kurznachrichtendienst Twitter:

Bahn richtet Hotline ein

Die Deutsche Bahn reagierte mit Entsetzen auf den Vorfall im Frankfurter Hauptbahnhof. "Wir sind tief schockiert vom furchtbaren Geschehen am Frankfurter Hauptbahnhof. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen", teilte das Unternehmen mit.

Die Bahn richtete zudem eine kostenlose Telefon-Hotline zur psychologischen Betreuung für Augenzeugen des Vorfalls an.

Peter Feldmann: Stehen zusammen

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte, die Tat widerspreche allem, wofür Frankfurt stehe. "Wir Frankfurter stehen zusammen, wir haken uns unter, wir helfen selbstlos Menschen, wir retten sie aus der Not und sind füreinander da - auch an Tagen wie heute, wo ein Schatten über der Stadt liegt", twitterte der OB und sprach den Angehörigen des getöteten Jungen sein Beileid aus.

Ministerpräsident Bouffier (CDU) erschüttert

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte, die Tat erschüttere ihn. "Es macht fassungslos, dass Mutter und Kind vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurden. Die Aufklärung der abscheulichen Tat liegt jetzt in den Händen der zuständigen Behörden."

Bundesinnenminister Seehofer (CSU) bricht Urlaub ab

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte an, seinen Urlaub abzubrechen. Er sei tief bestürzt über den Vorfall in Frankfurt, teilte er mit. Er wünsche Angehörigen und Freunden des getöteten Jungen Kraft. "Der Täter wird für die Tat mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu Verantwortung gezogen werden."

"Angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" wolle er die Chefs der Sicherheitsbehörden treffen, erklärte der Minister. Am Dienstag wolle er die Öffentlichkeit informieren. Für die Aufklärung des Falls stelle er dem Land Hessen jede Unterstützung etwa der Bundespolizei oder des Bundeskriminalamts zur Verfügung.

Hessischer Innenminister Beuth (CDU): "Bestürzende Tat"

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) zeigte sich tief betroffen. "Wir haben heute am Frankfurter Hauptbahnhof eine furchtbare, eine sinnlose, eine bestürzende Tat erleben müssen", sagte er. Seine Gedanken seien bei der Mutter und der Familie des Opfers. Beuth dankte außerdem Passanten, die es durch ihr beherztes Eingreifen möglich gemacht hätten, dass der mutmaßliche Täter schnell habe gestellt werden können.

SPD, Grüne, FDP im Landtag

Auch Politiker anderer Parteien im Landtag äußerten sich: SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel schrieb auf Twitter: "Ich bin fassungslos über die grauenhafte Tat in Frankfurt. Mein ganzes Mitgefühl gilt der Familie des achtjährigen Opfers." Schäfer-Gümbel sprach von einem "schrecklichen Mord" und warnte zugleich davor, diesen zu instrumentalisieren.

Eva Goldbach, die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, teilte mit: "Unsere Gedanken sind bei der Familie des Jungen. Als Mutter kann ich mir nichts Schlimmeres vorstellen, als den Tod des eigenen Kindes erleben zu müssen. Die Umstände und Hintergründe der brutalen Tat müssen jetzt schnell und umfassend aufgeklärt werden."

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Stefan Müller sprach von einem "unfassbar abscheulichen" Verbrechen. "Nichts kann die Lücke ausfüllen und den Schmerz lindern. Alle Menschen sollten heute innehalten und in Trauer dem Leben gedenken, dass nun nicht mehr da ist", hieß es in einer Mitteilung.

AfD: Empörung über Weidel-Aussage

Der AfD-Fraktionschef im Landtag, Robert Lambrou, bezeichnete die Attacke als ein schreckliches Verbrechen. Zugleich forderte er eine "ungeschminkte Diskussion über die Ursachen dieser neuen Dimension an Gewaltverbrechen in Deutschland", wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Die Co-Vorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, setzte die Tat in Verbindung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. "Schützt endlich die Bürger unseres Landes - statt der grenzenlosen Willkommenskultur!", schrieb Weidel auf Twitter. Der Verdächtige ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft eritreischer Staatsbürger und, wie die Ermittler am Montagabend mitteilten, lebt er seit 2006 in der Schweiz.

Der Linken-Bundesvorsitzende Bernd Riexinger warf Weidel rassistische Hetze vor. "Es geht ihnen darum, Hass zu verbreiten und Menschen gegeneinander aufzuwiegeln", antwortete er auf Twitter.

Sendung: hr-iNFO, 29.07.2019, 18.00 Uhr

Quelle: hessenschau.de/uge, dpa/lhe

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