Missbrauch von Party-Hit Kein "L’Amour Toujours" in der Frankfurter Fan-Zone

Am Frankfurter Mainufer werden ab kommender Woche zehntausende Fans erwartet, um bei EM-Fußball und Musik zu feiern. Von "L’Amour Toujours", dem für Hetzparolen missbrauchten Party-Hit, sollen die DJs aber die Finger lassen.

Simulation Fan-Zone der EURO 2024
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"Ich erwarte, dass das Lied nicht gespielt wird", sagt Thomas Feda, Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH (TCF) auf hr-Anfrage. Die TCF organisiert die Fan-Zone am Mainufer mit zehn Bildschirmen und vier Bühnen, wo auch DJs die feiernden Massen beschallen werden.

Auch auf anderen Volksfesten – etwa dem Münchner Oktoberfest – sollen die markanten Synthesizer-Klänge des Hits von 2001 nicht erklingen, denn in den vergangenen Monaten sind dazu immer wieder die Hetzparolen "Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus" skandiert worden. Vor allem ein Vorfall in einem Sylter Club hat Aufsehen erregt.

Kein explizites Verbot

Explizit verboten werde das Lied in Frankfurt aber nicht, betont TCF-Chef Feda. Das sei auch nicht nötig, wenn alle die nötige Sensibilität zeigten. Sensibel für das Thema ist man auch in Kassel. Die Veranstalter des Zissel, des großen Volksfestes Anfang August, erklären auf hr-Anfrage, man sei sich der Problematik bewusst. Man bespreche mit der Stadt, wie mit dem Lied umgegangen werde.

Von Verboten halten die Macher des Liedes allerdings wenig. Es stammt vom italienischen DJ Gigi D’Agostino. Er nennt in einem Spiegel-Interview die Verbotsdebatte grotesk und spricht von Zensur. Es sei ein Liebeslied und er werde es weiterhin spielen, auch bei seinen Auftritten in Deutschland und Österreich in diesem Jahr.

Verlag: Verbot bewirkt Gegenteil

Der Musikverlag ZYX aus Merenberg bei Limburg sieht es ähnlich. Gegenüber dem Portal mittelhessen.de spricht sich der Verlag gegen ein generelles Verbot aus, "weil hier unter Umständen gerade Gegenteiliges bewirkt wird." Allerdings begrüßt der Verlag Strafanzeigen, wann immer jemand den Song für rassistische Hetze missbraucht.

Strafanzeige hat der Verlag selbst gestellt, und zwar schon im Februar. In der Anzeige bezieht sich ZYX auf drei Vorfälle in Bayern und Nordrhein-Westfalen, wie die Staatsanwaltschaft Limburg mitteilt. Auf Karnevalsumzügen im Siegerland, im Allgäu und in Landsberg sei die Hetzparole zu dem Lied gegrölt worden.

Ermittlungen führen bisher nicht zu Anklage

Die Ermittlungen haben allerdings bisher wenig gebracht. Die Limburger Staatsanwaltschaft hat die Anzeige an die örtlich zuständigen Behörden weitergeleitet. Der Allgäuer Fall hat sich demnach nicht bestätigt, teilt die Staatsanwaltschaft Kempten auf hr-Anfrage mit – offenbar wurde die Parole dort nicht skandiert. Der Fall im Siegerland ist noch nicht ausermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Siegen mitteilt.

Im Landsberger Fall teilen die Ermittler ein überraschendes Ergebnis mit:  Zwar soll beim Faschingszug zu dem Popsong "Ausländer raus" gerufen worden sein. Aber das allein reiche nicht für ein Strafverfahren, so die Staatsanwaltschaft.

Wann sind "Ausländer raus"-Rufe strafbar?

Ablehnung und Verachtung kundzutun, sei noch keine Volksverhetzung. Für die Augsburger Justiz gehört mehr dazu, nämlich zum Hass aufzustacheln, Gewalt- und Willkürmaßnahmen zu fordern oder Ausländer "unter Verletzung der Menschenwürde" zu beschimpfen. Das konnten die Ermittler beim Landsberger Fasching nicht feststellen. 

Manchmal wird die Justiz aber sogar dann aktiv, wenn die Hetzparole gar nicht gerufen wird, sondern nur das Lied erklingt. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt in einem Fall, in dem "L’Amour Toujours" ohne Textbegleitung eingespielt wurde - beim politischen Aschermittwoch der AfD in Rödermark.

Die AfD Rödermark verwendete den Refrain des Songs als Tusch, als ein Redner "millionenfache Remigration" forderte. Die Veranstalter sprachen auf hr-Anfrage von einem "schwarzhumorigen Scherz". Die Ermittler sehen dagegen den Anfangsverdacht der Volksverhetzung erfüllt.

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Redaktion: Caroline Wornath

Sendung: hr1, 6.06.2024, 16.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de