War was? Wenn's um Geld geht, Sheeshparkasse

In Bad Hersfeld gibt es nun eine coole Sparkasse nur für junge Leute. "War was?" findet: Das ist eine sehr flye, wylde, nice Idee, sheesh!

Skateboards hängen in der "Maxxs Corner"-Sparkassen-Filiale in Bad Hersfeld an der Wand
Skateboards hängen in der "Maxxs Corner"-Sparkassen-Filiale in Bad Hersfeld an der Wand Bild © Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg
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Hessen, das Bundesland, in dem immer was los ist. An dieser Stelle wirft unser Kolumnist Stephan Reich mit seiner Glosse "War was?" jeden Freitag einen ganz eigenen Blick auf die Nachricht der Woche. Nehmen Sie diesen Blick bitte keinesfalls ernst.

Ey yo, Bros und Girls, im flyen Bad Hersfeld ist jetzt eine Sparkasse voller Ehrenmänner und Ehrenfrauen am Stizzle, die euch Gönnjaminen eine total lazer Finanzberatung kickt, Habibi, ich schwöre, bei dem wylden Zinsniveau küsst ihr deren Augen, Mashalla, sheesh!

Skateboards, Nintendo und Energy Drinks

Ich will ehrlich sein: Ich habe nur eine vage Ahnung, was der obige Satz bedeutet, ich habe ihn mithilfe eines Übersichtsartikels zum Thema Jugendsprache geschrieben. Aber so oder so ähnlich würde diese Glosse wahrscheinlich beginnen, würde ich sie in Jugendsprache schreiben. Was ich freilich nicht tue, da ich ein uncooler Enddreißiger mit Bandscheibenproblemen und fünf Kilo Bauchfett zu viel bin. Also nochmal ohne Jugendwörter:

In Bad Hersfeld gibt es nun eine Sparkassenfiliale, die sich explizit um die Belange junger Leute kümmert. Die Filiale nennt sich "Maxxs.Corner" und ihre Angestellten heißen nicht Bankangestellte, sondern Maxxs.-Buddys. An der Wand hängen Skateboards, es gibt dort Lademöglichkeiten für Smartphones, man kann Nintendo spielen, Fotos in einer Fotobox machen und Maxxs.-Energydrinks trinken. Und all das, während man sich zu Finanzfragen beraten lässt.

"Das ist keine flye Idee, alle paar Tage Geld abzuheben"

Na dann: Yolo. Bzw. Wyld. Bzw. Sheesh! Bzw. was auch immer die jungen Leute heute so sagen. In jedem Fall bin ich ein wenig unschlüssig, was ich von der Coolness-Offensive der Sparkasse halten soll. Manche Dinge sind einfach uncool, Finanzplanung kommt mir ein wenig wie ein solches vor. Und glauben Sie mir, in Sachen Uncoolness bin ich Experte. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich monatlich 20 Euro für Hornhautentfernungs-Bimssteine ausgebe und den Fahrradhelm nicht mehr absetze, wenn ich kurz in den Supermarkt gehe.

Andererseits hätte mir ein Bankberater auf Augenhöhe, wie es Maxxs verspricht, als Teenager und junger Erwachsener sicherlich gut getan. Damals lief ein Sparbrief meiner Oma aus und in der Filiale nahm mich kein cooler Sneakerträger mal zur Seite und sagte so etwas wie: "Ey, yo, Stephan, das ist keine flye Idee, alle paar Tage Geld abzuheben, das eigentlich für dein Studium gedacht ist, um dir irgendeinen Quatsch zu kaufen, sheesh!" Hätte ich das Geld damals angelegt und nicht verpulvert, wer weiß, ob ich nicht schon längst Millionär wäre und laut Yolo-rufend in einem Cabrio gen Sonnenuntergang führe.

"Ey Diggi, check mal den "Bauspar Boost"!

Wahrscheinlich nicht. Aber möglicherweise hätte es für einen Bausparvertrag oder etwas ähnlich Solides gereicht. Und das ist ja erstmal etwas Gutes. Von dem ich übrigens gerne wüsste, wie die Maxxs.-Buddys ihn wohl an die Kids bringen. "Ey Diggi, check mal den "Bauspar Boost"! Einfach bisschen Geld reinballern, solide investieren und dann gib ihm! Easy Sache, komplett fly. Nächste Hausparty dann in deinem Eigenheim, Mashalla."

Ist das nun Cringe? Und sagt man das überhaupt noch, cringe? Oder ist das tatsächlich cool? Ich hätte ja auch gern ein Eigenheim. Oder wenigstens eine Nintendo-Konsole. Oder zumindest einen Energy Drink. Aber beim Blick auf meine Finanzen kann ich eigentlich nur sagen: Sheesh!

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Sendung: hr4, 5.02.2024, 8.30 Uhr

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Quelle: hessenschau.de