Acht Hessinnen und Hessen gehen vom 15. bis 24. Juli bei der Leichtathletik-WM im US-amerikanischen Eugene an den Start. Achtmal Hoffnung. Doch auch zweimal Frust. Denn zwei Athletinnen mussten für den Saison-Höhepunkt im letzten Augenblick absagen.

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Kevin Kranz: Medaillen-Hoffnung nach Achterbahnfahrt

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Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften finden vom 15. bis 24. Juli im US-amerikanischen Eugene im Bundesstaat Oregon statt. Wir stellen die hessischen Starterinnen und Starter vor. Auch zwei andere Athletinnen, die kurzfristig absagen mussten und nun enttäuscht zu Hause sitzen.

Samantha Borutta

Sie ist die hessische Hoffnung bei der WM: die Hammerwerferin Samantha Borutta. Erst Ende 2021 war die 21-Jährige von Leverkusen zu Eintracht Frankfurt gewechselt. Ein Wechsel, der ihr anscheinend gut tut. Jüngst beim Meeting im südhessischen Fränkisch-Crumbach warf Borutta den Vier-Kilo-Hammer auf beachtliche 72,14 Meter. Diese Weite bedeutete zum einen persönliche Bestleistung, zum anderen war es die beste Weite einer deutschen Hammerwerferin seit dem Rücktritt der früheren Weltrekordlerin Betty Heidler 2016. Und hier gibt es durchaus Parallelen.

Denn Borutta wird nun auch von Erfolgstrainer Michael Deyhle betreut. Der langjährige Hammerwurf-Bundestrainer coachte einst auch die Frankfurter Weltklasse-Athletinnen Betty Heidler und Kathrin Klaas. Borutta startet bei der WM in Eugene bereits am ersten Tag (15. Juli) ab 21.05 Uhr deutscher Zeit im Vorkampf, sollte sie - wie erhofft - in den Endkampf kommen, geht es am Sonntag, 17. Juli, ab 20.35 Uhr deutscher Zeit um Edelmetall.

Rebekka Haase

Bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Berlin holte sie Gold über 200 Meter. Im Juni musste sie sich über 100 Meter mit Platz zwei hinter Gina Lückenkemper begnügen. Die 29-Jährige vom Sprintteam Wetzlar, die in ihrer Heimat Sachsen trainiert, startet über die 4x100 Meter am in der Nacht vom 21. auf 22. (deutsche Zeit: 2.40 Uhr) und in der Nacht vom 22 auf 23. Juli (deutsche Zeit: 4.30 Uhr).

Gesa Krause

Anfang Juli zeigte sich Gesa Krause aus Ehringshausen, die über 3.000 Meter Hindernis startet, tief enttäuscht. Ihre Zeit im ersten Rennen der Saison beim Diamond-League-Meeting in Stockholm sei ein "Schlag ins Gesicht". "Das sind nicht die Zeiten, für die ich trainiere", fügte die 29 Jahre alte Olympia-Fünfte von Tokio hinzu. Von dem kleinen Schock wird sich die 29-Jährige mittlerweile erholt haben. Trotzdem ist sie noch nicht in Höchstform, die WM in den USA könnte für sie noch zu früh kommen. Krause läuft am Samstag (16. Juli) um 19.35 Uhr deutscher Zeit im Vorlauf und - wenn es gut läuft - am Donnerstagmorgen (21. Juli) um 04.45 Uhr deutscher Zeit im Endlauf.

Kevin Kranz

Der gebürtige Frankfurter Kevin Kranz startet seit 2018 für das Sprintteam Wetzlar, bei der WM im Bundesstaat Oregon ist er für die 4x100-Meter-Laufstaffel vorgesehen. Im Juni in Regensburg hatten Kranz und seine Kollegen dabei einen deutschen Rekord aufgestellt - mit 37,99 Sekunden blieben sie als einzige Staffel sogar unter der 38-Sekunden-Marke.

Immer wieder wurde der 24 Jahre alte Kranz in seiner Karriere durch Krankheiten und Verletzungen ausgebremst, so auch vor einem Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio. Jetzt will Kranz wieder angreifen. Bemerkenswert: Kranz hat nur ein Trikot mitgenommen - und das möchte er selbst waschen. Auf seinen Einsatz muss er bei der WM lange warten. Erst am 22. Juli (18.05 Uhr deutscher Zeit) findet der Staffel-Vorlauf statt, am 24. Juli (4.50 Uhr deutscher Zeit), der Endlauf. Hoffentlich mit der deutschen Staffel und Kevin Kranz.

Sam Parsons

Der in Wilmington (USA) geborene Sam Parsons geht als Deutscher Vizemeister über die 5.000 Meter bei der WM an den Start. Der 29-Jährige, der für Eintracht Frankfurt läuft, aber in den USA trainiert, ist fit für den Wettkampf: So stellte er bei einem Meeting in Los Angeles am Samstag eine persönliche Bestzeit (3:55,81) über eine Meile auf. Der Vorlauf über 5.000 Meter findet am 22. Juli (3.10 Uhr deutscher Zeit) statt, das Finale am 25. Juli (3.05 Uhr deutscher Zeit).

Marc Reuther

Für Marc Reuther läuft es in dieser Saison noch nicht richtig rund. Vor den Finals plagte den 26-Jährigen von der LG Eintracht Frankfurt eine Corona-Erkrankung, im Finale über 800 Meter wurde der eigentliche Titelfavorit am Ende nur Dritter. In Eugene dürfte es naturgemäß nicht leichter werden, nur mit einer Leistungssteigerung ist das Halbfinale möglich. Der Vorlauf über 800 Meter findet am 21. Juli (2.20 Uhr deutscher Zeit) statt, das Halbfinale am 22. Juli (4 Uhr deutscher Zeit). Das Finale steigt dann am 24. Juli (3.10 Uhr deutscher Zeit).

Patrick Schneider

Patrick Schneider, der beim Stützpunkt in Frankfurt trainiert, ist für die 4x400-Meter-Staffel fest eingeplant. Und: Der 29-Jährige, immerhin amtierender Deutscher Vizemeister, ist aktuell gut in Form. Im schweizerischen La Chaux-de-Fonds lief Schneider vor etwas mehr als einer Woche in 45,44 Sekunden persönliche Bestleistung und gleichzeitig neue deutsche Jahresbestleistung. Der Staffel-Vorlauf findet bereits am 24. Juli (2.40 deutscher Zeit) statt, das Finale nur einen Tag später (4.35 Uhr deutscher Zeit).

Milo Skupin-Alfa

Milo Skupin-Alfa, der eigentlich für die LG Offenburg startet, aber am Bundesstützpunkt Frankfurt mittrainiert, ist für die 4x-100-Meter-Staffel vorgesehen. Bei der Deutschen Meisterschaft wurde er im Finale Fünfter, erzielte dabei aber seine persönliche Bestzeit von 10,23 Sekunden. Erst am 22. Juli (18.05 Uhr deutscher Zeit) findet der Staffel-Vorlauf statt, am 24. Juli (4.50 Uhr deutscher Zeit), der Endlauf.

Die Enttäuschten

Zwei Leichtathletinnen aus Hessen hatten sich ebenfalls sehr auf die WM in den USA gefreut: Marathon-Läuferin Laura Hottenrott vom PSV Grün-Weiß Kassel und die Weitspringerin Maryse Luzolo vom Königsteiner LV. Doch beide werden in Eugene nicht an den Start gehen können. Laura Hottenrott verpasst die WM wegen einer Corona-Erkrankung. Auf Instagram schrieb die 30-Jährige: „It’s a nightmare. Von top fit… zu Corona positiv! Jede Vorsichtsmaßnahme vergebens. Ich kann nichts mehr denken oder fühlen. Da ist nur Leere – mein Läuferherz blutet.“

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Laura Hottenrott und Maryse Luzolo fallen für WM aus

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Genauso bitter ist die Absage von Weitspringerin Luzolo. Sie hatte die Koffer für den USA-Trip schon gepackt. Dann der Schock: Die Olympia-Teilnehmerin von Tokio erlitt im Training eine Bänderverletzung an ihrem Sprungfuß. "Aus medizinischer Sicht gäbe es zwar eine kleine Chance, in Eugene springen zu können, aber ich habe mich entschieden, die Verletzung hier in Deutschland in Ruhe auszukurieren und mich voll auf die Heim-EM in München zu konzentrieren", sagte Luzolo. Die zwei Hessinnen drücken also schweren Herzens nur von daheim aus die Daumen für ihre acht Kolleginnen und Kollegen ab Freitag bei der EM in Eugene.