Eine Hand hält ein Leerrohrbündel mit Glasfaserkabeln eines Breitband-Versorgers.

Highspeed-Internet im eigenen Haushalt ist vor allem für Menschen im ländlichen Raum längst nicht selbstverständlich. Gerade dünn besiedelte und für Firmen damit unattraktive Gebiete sind betroffen, wie ein Blick in die Mitte Hessens zeigt.

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Ausbau für schnelles Internet nur im Schneckentempo im Vogelsberg

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Wenn es um schnelles Internet geht, ist der Vogelsberg trauriges Schlusslicht in Hessen. In den Statistiken zu Verfügbarkeiten und Geschwindigkeiten dümpelt der am dünnsten besiedeltste Landkreis im Herzen von Hessen auf dem letzten Platz herum.

Die Gründe sind vielfältig: Im Vogelsberg haben es die Ausbau-Firmen mit der schwierigsten Bodenklasse zu tun, nämlich mit Vulkangestein. Kabelschächte freizulegen, ist zeit- und kostenaufwendiger. Hinzu kommt, dass wenige Menschen auf großem Raum verteilt leben. All das macht den Ausbau für die Privatwirtschaft unattraktiv. Doch auch mangelnde Planung ist mancherorts ein Thema.

Drastischer Unterschied

50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ist so etwas wie der Standard für eine Mindestversorgung. Damit kann man zügig im Internet surfen und Filme schauen. In weiten Teilen Hessens liegt diese Verfügbarkeit bei mehr als 95 Prozent, im Vogelsberg aber nur bei gut 75 Prozent, wie das Breitbandbüro Hessen zeigt.

Die Grafik zeigt eine Hessenkarte mit eingefärbten Landkreisen, welche die Breitbandversorgung darstellt. In einem Kästchen steht "Vogelsbergkreis Versorgung Haushalte: ≥ 50 MBit/s: 75,8 %"

Noch drastischer fällt der Unterschied beim Blick auf das wirklich schnelle Internet aus: Datenübertragungsraten von 1.000 Mbit/s und mehr wie etwa beim Glasfaseranschluss stehen in Hessen aktuell in 54 Prozent der Privathaushalte zur Verfügung - im Vogelsberg liegt diese Quote bei 8 Prozent.

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Von DSL bis Glasfaser

Ein Breitbandanschluss ist ein Internetzugang, der sich in erster Linie durch hohe Datenübertragungsraten auszeichnet. Dazu gehören etwa DSL und VDSL, Kabel-Internet, LTE, 5G, Satellit und Glasfaser. Je nach Technik können unterschiedlich hohe Übertragungsgeschwindigkeiten erreicht werden.

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Dabei hat sich die Landesregierung vor allem den Ausbau der schnellen Glasfaserleitungen auf die Fahne geschrieben. Bis 2030 soll Hessen flächendeckend ans Glasfasernetz angeschlossen sein. Dafür wurde Mitte Mai ein Glasfaser-Pakt beschlossen. Private Unternehmen sollen teils mit öffentlicher Förderung in den kommenden zwölf Monaten mehr als eine halbe Million Haushalte damit versorgen.

Aus der Digitalbranche haben mehrere Verbände und elf Telekommunikationsunternehmen den Pakt unterschrieben. Neben großen Firmen wie Telekom und Vodafone sind zum Beispiel Goetel und TNG dabei, die sich, was den Ausbau im Vogelsberg anbelangt, derzeit nicht mit Ruhm bekleckern.

Absurder Konkurrenz-Kampf

In Freiensteinau etwa liefern sich beide Anbieter absurderweise einen Konkurrenzkampf beim Ausbau-Wettrennen. Lange hat sich in der mit zwölf Ortsteilen weitverzweigten Gemeinde am südlichen Rand des Vogelsbergs wenig bis nichts getan. Nun aber werden gleich doppelt Straßen und Wege aufgerissen, um Leitungen zu verlegen.

Bürgermeister Sascha Spielberger (parteilos) kritisiert: Die Bürger seien verunsichert. Und die Infrastruktur in der Kommune leide unnötig. Die beteiligten Firmen TNG und Goetel haben damit aber keine Probleme. Sie teilten mit, dass sie aufgrund der mit den Bürgern abgeschlossenen Vorverträge beide einen Auftrag für sich sähen.

Freiensteinau ist kein Einzelfall. Auch in anderen Kommunen im Kreis sind mehrere Anbieter aktiv - statt sich abzusprechen und Gebiete aufzuteilen, damit es schneller vorangeht. Wie der hr auf Anfrage erfuhr, haben sich laut Kreisverwaltung auch in Antriftal, Kirtorf und Ulrichstein gleich mehrere Firmen ans Werk gemacht.

"Kreis hat keinen Einfluss"

Immerhin werden mit doppeltem Ausbau keine Steuergelder verschwendet. Die Bauvorhaben gehen auf Kosten der Firmen. Daher sagt auch der Vogelsbergkreis: Hauptsache sei, dass sich die ländlichen Regionen endlich auf dem Weg zum Gigabit-Ausbau befänden.

Wie schnell es nun tatsächlich vorangeht, ist unklar: Der Zeitpunkt und die Anschluss-Quote hängen von der Ausbauplanung der Unternehmen ab. "Der Vogelsbergkreis selbst hat da keinen Einfluss", sagt eine Kreissprecherin in Lauterbach auf Anfrage. Dennoch wolle man "in den nächsten zwei Jahren" tüchtig aufholen.

Verärgerung über "wachsweiche Zusagen"

Der Bürgermeister von Alsfeld, der einwohnerstärksten Stadt im Vogelsberg, zeigt sich ebenfalls unzufrieden. Stephan Paule (CDU) fordert verbindliche Zeitfenster, kann die "wachsweichen Zusagen" nicht mehr hören und ist über die Hinhalte-Taktik der Anbieter verärgert. Mehrere Stadtteile hätten nach wie vor keinen Zugang zu schnellem Internet - mit welcher Technik auch immer.

Die Kreisverwaltung erklärt zur Stagnation: Die Firma Goetel habe sich in mehreren Alsfelder Stadtteilen und in einigen anderen Orten des Kreises bereits im Jahr 2018 Kabelverzweiger reserviert, um sie aufzurüsten - bis heute sei aber nichts passiert. Dem Kreis seien die Hände gebunden.

Die Verwaltung will das Wirken der Firmen TNG und Goetel nicht bewerten: "Die Beurteilung der Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit obliegt der Bundesnetzagentur." Beide Unternehmen seien dort gelistet und hätten das Wegerecht. Eingreifen in den Wettbewerb können die Kommunen somit nicht. Sie können nicht bestimmen, mit wem sie gern zusammenarbeiten.

Schulen bestens versorgt

Zeitgemäß und zukunftsträchtig versorgt sind im Vogelsberg dagegen die Schulen. Dank eines geförderten Ausbaus wurden von der Infrastrukturgesellschaft Oberhessen zusammen mit der Telekom alle 38 Schulstandorte ans schnelle Internet angeschlossen, zudem einige Gewerbegebiete. Das sind Werte, von denen viele normale Haushalte derzeit nur träumen können.

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21 Kommentare

  • In unserem Haus gibt es als Einzigem Haus im Ort fast garnichts....... wir liegen in einer Senke und werden von den Signalen kaum oder nur selten erreicht....Odenwald....Hassenroth

  • Wo es besonders an Internet mangelt ist der öffentliche Nahverkehr. WLAN in Bus und Bahn und an großen U-Bahnhöfen wie der Hauptwache oder Konstablerwache ist einfach nicht vorhanden und auch nicht vorgesehen. Und das obwohl dort tausende Leute täglich durch gehen. Auch die neuen T-Wagen der VGF die nächstes Jahr kommen sind wieder ohne WLAN ausgestattet. Für mich ist das ein Unding.

  • Ich nutze seit 2 Jahren schon die Gigabit-Anbindung von Vodafone im Coax-Kabelnetz. Trotz eines Mehrfamilienreihenhauses am Ende einer Straße kommen jederzeit die technisch maximalen 940 mbit/s an. Störungen sind selten.

    Leider kann dies nur einen Stadtteil weiter schon ganz anders aussehen.
    Entweder ist dort kein Coax verfügbar oder der Vermieter hat die Hausverkabelung nicht aufgerüstet. Oftmals sind die Personen, die diese Themen entscheiden leider technisch nicht fachkundig.


    Glasfaser wäre selbstverständlich auch hier eine bessere Technologie. Konkrete Informationen zu einem Ausbau sucht man vergeblich. Ich finde allerdings, dass unterversorgte Gebiete definitiv zuerst ausgebaut werden sollten.
    Deutschland hinkt bei diesem Thema leider hinterher.

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