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Festivalsommer vor Corona-Comeback - aber mit neuen Problemen

Rock am Stück

Nach zahlreichen Corona-Einschränkungen wollten viele Festival-Veranstalter in diesem Sommer wieder durchstarten. Die Inflation stellt sie vor neue Probleme. Ein hessischer Betreiber musste nun sogar Insolvenz anmelden.

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"Rock am Stück" -Festival abgesagt

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In diesem Jahr hätte Michael Döring sein 14. "Rock am Stück" veranstaltet. Statt zu feiern, mussten er und die sechs anderen Gesellschafter des Rockfestivals in Fritzlar (Schwalm-Eder) jetzt allerdings Insolvenz anmelden.

"Die Pandemie hat uns das Genick gebrochen", sagt Döring. Während sie vor Corona noch rund 100 Tickets in der Woche verkauft hätten, seien es in diesem Jahr nur elf Stück wöchentlich gewesen - seit Oktober insgesamt nicht mehr als 400 Tickets.

Kartenvorverkauf läuft vielerorts nur schleppend

Erst ab 3.500 verkaufen Tickets hätte sich das dreitägige Festival für die Betreiber gerechnet. Aber davon waren Döring und sein Team weit entfernt. "Es fühlt sich an, als würde das eigene Kind sterben", sagt er. "Das ist ein blöder Vergleich. Aber Rock am Stück ist unser Baby."

Das Bild zeigt eine Bühne, auf der die Rockband Airbourne auftritt.

Viele Veranstalter haben in diesem ersten Sommer nach der Pandemie mit schleppenden Kartenverkäufen zu kämpfen. Auch das "Feinstaub Festival" des Frankfurter Clubs "Das Bett" musste kurzfristig zwei Wochen vor Festivalbeginn abgesagt werden.

Letztes Jahr sei das Open-Air-Event noch innerhalb von zwei Wochen ausverkauft gewesen, teilten die Veranstalter ihren Fans entschuldigend auf der Homepage mit. In diesem Jahr habe sich der Kartenvorverkauf bis zur Absage nur im zweistelligen Bereich bewegt. Das Festival trotzdem durchzuführen, bedeute ein zu hohes finanzielles Risiko.

Veranstalter müssen mit alter Kalkulation auskommen

Nicht nur der Vorverkauf macht den Veranstaltern zu schaffen: Künstlergagen, Catering, Security-Personal, Technik - alles ist teurer geworden. Im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten mitunter bis zu 300 Prozent, sagt Michael Döring von Rock am Stück.

Hinzu kommt, dass in diesem Jahr hauptsächlich die bereits gekauften Karten aus 2019 eingelöst werden, also sowieso wenig Neuverkäufe anstehen. Viele Teams müssen in diesem Inflationsjahr also mit ihrer alten Kalkulation von vor drei Jahren auskommen.

Open Flair setzt auf Community

Auch Alexander Feiertag, Geschäftsführer des "Open Flair" in Eschwege (Werra-Meißner), steht vor solchen Problemen. Trotzdem sieht er seinem Festival am zweiten August-Wochenende gut gelaunt entgegen. 20.000 Besucherinnen und Besucher erwartet Feiertag in diesem Sommer - die meisten von ihnen hätten ihre Tickets allerdings schon im Winter 2019, also vor Corona gekauft. Aus diesen Einnahmen muss Feiertag das am 10. August beginnende Festival größtenteils stemmen. 

Open Flair Festival 2019

Dass er trotzdem gut über die Runden kommt, verdanke er zu einem Großteil seiner Community: "Es gibt Menschen, die jedes Jahr nach Eschwege kommen, weil sie dieses Festival einmal besucht und schätzen gelernt haben und dann immer wieder kommen", sagt er. Dadurch könne er einige kostenintensive Leistungen, etwa den Sicherheitsdienst, mit Ehrenamtlichen bestreiten.

Überangebot an Open-Air-Veranstaltungen

Eine große Fangemeinde hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch das "Golden Leaves Festival" in Darmstadt aufgebaut. Veranstalter Tobias Schrenk blickt dennoch verhalten auf die anstehenden drei Konzerttage Ende August.

Das Überangebot an Veranstaltungen, die große Reisefreude in diesem Sommer und das nicht ganz so locker sitzende Geld führten dazu, dass die treue Community in diesem Jahr aussetzt, fürchtet er. Im vergangenen Jahr sei man längst ausverkauft gewesen, jetzt schleppe sich der Vorverkauf.

Menschen stehen vor einer Bühne, auf der eine Band auftritt

Risiko für gutes Gelingen seien bei Opern-Air-Veranstaltungen immer auch das Wetter und die "No-show-Raten" - also Leute, die trotz gekaufter Karten nicht zu den Konzerten kommen und darum für wenig Umsatz beim Catering sorgen. Aber so unberechenbar sei das Leben im Moment nun einmal ganz allgemein, sagt Schrenk. Man müsse eben mehr "auf Sicht" planen als früher und flexibel bleiben.

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