Vier von der CDU, zwei von der SPD Diese sechs Hessen bekommen einen Job in der neuen Bundesregierung
Kurz bevor der Koalitionsvertrag in Berlin unterzeichnet wird, hat nun auch die SPD ihre Posten in der Regierung benannt. Aus Hessen kommen zwei Politiker zum Zug. Die CDU hatte sich bereits zuvor auf vier Männer festgelegt.
Endspurt im Festzurren der schwarz-roten Koalition in Berlin: Die SPD hat am Montag bekanntgegeben, wen sie in die Bundesregierung schickt - nur wenige Stunden, bevor sie mit CDU und CSU den Koalitionsvertrag unterschreiben sollte. Aus Hessen sind damit nun insgesamt sechs Köpfe an der Bundesregierung beteiligt: vier von der CDU und zwei von der SPD:
Bad Nauheimerin Natalie Pawlik wird Staatsministerin
Natalie Pawlik aus Bad Nauheim (Wetterau) wird Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration und löst auf dem Posten ihre Parteikollegin Reem Alabali-Radovan ab, die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird. Die SPD-Politikerin Pawlik war bisher Beauftragte für Aussiedlerfragen. Ihr neuer Posten ist für die 32-Jährige ein Aufstieg zur Staatsministerin.
Pawlik wurde in Russland geboren und kam als Sechsjährige mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie wuchs in Bad Nauheim auf und studierte in Gießen Geschichts- und Kulturwissenschaften im Bachelor und dann Gesellschaft und Kulturen der Moderne im Master-Studium. Die ehemalige Vorsitzende der Jusos Hessen-Süd zog 2021 erstmals aus dem Wahlkreis Wetterau in den Bundestag ein. Von 2021 bis 2025 war sie in Berlin Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales.
Marburger Sören Bartol bleibt Bau-Staatssekretär
Als Parlamentarischer Staatssekretär war der SPD-Landesvorsitzende Sören Bartol zuletzt gleich zweifach gefragt: Zu dem Posten im Bauministerium, den er 2021 zu Beginn der Ampel-Regierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) antrat, kam im vergangenen November als Folge des Bruchs der Koalition noch der im Verkehrsministerium.
In der neuen schwarz-roten Regierung wird der 50-Jährige aus Marburg sich wieder auf die Aufgabe im Bau-Ressort konzentrieren können. Bartol ist Diplom-Politologe und seit 2002 ununterbrochen per Direktmandat für den Wahlkreis Marburg im Bundestag. Chef der Hessen-SPD wurde er vor einem Jahr als Nachfolger von Noch-Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Die 54-Jährige wird künftig nicht mehr Regierungsmitglied sein.
Vier Männer aus Hessen für CDU im Bundeskabinett
CDU-Chef Friedrich Merz hatte bereits Ende April die designierten Minister und Staatssekretäre seiner Partei für die schwarz-rote Bundesregierung bekannt gegeben. Darunter sind diese vier Hessen:
- Karsten Wildberger als Digitalminister
- Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister
- Michael Meister als Staatssekretär im Bundeskanzleramt
- Michael Brand als Staatssekretär
Gießener Karsten Wildberger als Digitalminister
Er ist die große Überraschung: Der gebürtige Gießener und bisherige Topmanager Karsten Wildberger soll das neue Digitalministerium im Kabinett von Friedrich Merz (CDU) übernehmen.
Als Vorstandschef des Ceconomy-Konzerns (Düsseldorf) und Vorsitzender der Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding mit rund 1.000 Märkten in vielen Ländern bringt der 56-Jährige einschlägige Praxiserfahrung mit. In den vergangenen Jahren gehörte die digitale Transformation in Wirtschaft und Unternehmenswelt zum Kern seiner Tätigkeiten.
Direkt nach der Bekanntgabe seiner Berufung bat Wildberger den Aufsichtsrat der Ceconomy darum, ihn zum 5. Mai von seinen Aufgaben zu entbinden. Am 6. Mai soll Merz zum Bundeskanzler gewählt werden. "Ich fühle mich geehrt über das Vertrauen, das Friedrich Merz in mich setzt, und die Möglichkeit, der neue Minister für Digitales zu werden", erklärte Wildberger.
Beruflich eng mit dem Thema Digitalisierung verknüpft
Internationale Führungspositionen bekleidete Wildberger auch bei T-Mobile, Vodafone oder dem australischen Telekommunikationsunternehmen Telstar. Von 2016 bis Sommer 2021 war Wildberger beim Energiekonzern Eon als Vorstandsmitglied für den digitalen Wandel zuständig.
Unter seiner Führung hat Ceconomy als Elektronikmarkt-Betreiber das Online-Geschäft ausgebaut - im Werbeslogan verspricht der Konzern Konsumenten, das Leben in der digitalen Welt zu "vereinfachen". In seinem neuen Minister-Job dürfte es - grob umschrieben - um eine ähnliche Zielsetzung gehen.
Wildberger stammt aus Gießen, hatte Physik in München und Aachen studiert und auch promoviert. Als Unternehmensberater der Boston Consulting Group hatte er zunächst Unternehmen in verschiedenen Branchen zu Fragen der Strategie und Digitalisierung beraten.
Gelnhäuser Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister
Der in Gelnhausen geborene Journalist und Verleger Wolfram Weimer soll neuer Kulturstaatsminister werden. Weimer studierte in Frankfurt.
Zu Beginn seiner Laufbahn arbeitete der 60-Jährige als Wirtschaftsredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Bundesweit bekannt wurde er als Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt und des Wochenmagazins Focus. Danach gründete er das Debattenmagazin Cicero. Seit 2012 ist er mit seinem Unternehmen Weimer Media Group Verleger von Publikationen wie Business Punk, The European und Wirtschaftskurier.
Berufung kommt überraschend
Die Berufung von Weimer kommt überraschend: Er hatte bislang keine politischen Ämter inne. Auch im Bereich der Kultur ist der Medienunternehmer bisher kaum in Erscheinung getreten. Derzeitige Kulturstaatsministerin ist die Grünen-Politikerin Claudia Roth.
Der Kulturstaatsminister ist kein Bundesminister, sondern ein Parlamentarischer Staatssekretär. Sein offizieller Titel lautet Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien. Er hat kein Stimmrecht im Bundeskabinett.
Michael Meister aus Lorsch wird Staatssekretär im Bundeskanzleramt
Der in Lorsch geborene Diplom-Mathematiker und CDU-Politiker Michael Meister aus dem Wahlkreis Bergstraße ist ein erfahrener Bundespolitiker: Er soll nun den Posten des Beauftragten für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt übernehmen. Dieser hat den Rang eines Parlamentarischen Staatssekretärs. Meister sitzt seit 1994 im Bundestag - und damit seit mehr als drei Jahrzehnten.
Von 2004 bis 2013 fungierte er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 2013 bis 2018 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium und von 2018 bis 2022 Vorsitzender des Stiftungsrats der Deutschen Stiftung Friedensforschung. Außerdem übernahm er das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung in den Jahren 2018 bis 2021.
Michael Brand aus Fulda wird Staatssekretär
Der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand soll den Posten des Parlamentarischen Staatssekretärs im künftigen Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend übernehmen.
"Ich freue mich nicht nur sehr über das Vertrauen, sondern auch und vor allem auf die neue Aufgabe in einer insgesamt sicher nicht einfachen Zeit", sagte Brand am Montag: "Meine Arbeit als Abgeordneter im Wahlkreis bleibt für mich dabei zentral. Mein Einsatz für die Interessen meiner Heimat in Berlin bleibt."
Unter anderem wurde Brand als Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für Menschenrechte bekannt. Bei einer privaten Reise im September vergangenen Jahres nach Ägypten wurde er laut eigenen Angaben von den dortigen Sicherheitsbehörden festgehalten und verhört.
Ministerernennung nach Kanzlerwahl
Bevor die neuen Bundesminister offiziell ernannt und vereidigt werden können, muss zunächst CDU-Chef Friedrich Merz zum Bundeskanzler gewählt werden - das soll am 6. Mai geschehen. Nach der CSU stimmte auch die CDU auf einem kleinen Parteitag bereits dem Koalitionsvertrag mit der SPD zu.