Möhren und Porree brauchen viel Wasser zum Wachsen. Das ist in Zeiten des Klimawandels nicht zuverlässig verfügbar. Forscherinnen und Forscher der Uni Kassel untersuchen wassersparende Anbaumethoden auf eigens angelegten Versuchsfeldern.

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Uni Kassel forscht zu wassersparenden Anbaumethoden auf dem Feld

Zwei Frauen schauen in die Kamera und knien auf einem Porreefeld unter einem bedeckten Himmel
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Stroh raschelt, wenn Margita Hefner eine Probe vom Versuchsfeld nimmt. Die Gartenbau-Expertin von der Uni Kassel gräbt im Porreebeet auf dem landwirtschaftlichen Gut Frankenhausen in Grebenstein (Kreis Kassel), das den Ökolandbau-Studenten als buchstäbliches Feldversuchslabor dient. Das Beet ist mit Stroh aus Triticale bedeckt, die getrockneten Halme dieser Getreidesorte dienen als Mulch.

Der Mulch soll den Boden vor zu viel Verdunstung bewahren, denn in trockenen Wochen wird die Bodenoberfläche sonst rissig. Die Porreepflanzen würden dann ohne künstliche Bewässerung welken und eingehen, wie Hefner erklärt.

Dieses Jahr ist es allerdings feucht, durch den vielen Regen ist der Boden nass. Auch unter solchen Bedingungen sei der Mulch nützlich, sagt Margita Hefner. Bei Starkregen werde das Wasser erst einmal vom Mulch aufgenommen und tröpfele erst nach und nach in den Boden.

Technik im Feld

Das schütze vor Erosion, also davor, dass Erde abgetragen wird, erklärt die Wissenschaftlerin. Außerdem werde die Bodenoberfläche dann nicht bretthart, wenn sie abtrocknet. Das alles sei gut für den Porree, sagt Hefner.

Die Pflanzen auf den Versuchsfeldern des Guts Frankenhausen werden beim Wachsen genau kontrolliert. Das Porree-Beet ist mit Technik ausgerüstet: Sensoren im Erdreich zeichnen Feuchtigkeit und Temperatur auf. Außerdem nehmen die Forscherinnen und Forscher immer wieder Proben, untersuchen den Nährstoffgehalt des Bodens und die Zahl der unerwünschten Beikräuter im Beet.

Sensoren und Mulch aus Stroh auf einem Gemüsefeld der Uni Kassel unter bedecktem Himmel

Ein paar Meter weiter ist ein Feld mit Möhren. Lange, niedrige Dämme sind zu sehen, die sich übers Feld ziehen. In ihnen stecken die Karottenpflanzen. Demnächst werden die Agrarwissenschaftler neue Dämme anlegen, flacher und breiter als die konventionellen.

Das soll den Boden vor Verdunstung schützen, denn auf den steilen Dämmen wird die Oberfläche schneller staubtrocken, wie Hefner erklärt. Auch hier werden Sensoren das alles überwachen.

Vermessung bewährter Methoden

Weniger Verdunstung bedeutet, dass weniger künstliche Bewässerung nötig ist. Möhren brauchen nach Angaben der Kasseler Wissenschaftlerin zum Beispiel im Lehmboden pro Jahr im Durchschnitt 30 Liter pro Quadratmeter zusätzlich, Porree sogar 90 Liter. Ob die alternativen Anbaumethoden Wasser sparen helfen und guten Ertrag bringen: Das wird dieses und nächstes Jahr auf Gut Frankenhausen erforscht.

Diese Methoden gibt es zwar schon in der Praxis, Landwirte nutzen sie bereits. Aber es gebe noch keine gesicherten wissenschaftlichen Daten darüber, wie viel Wasser dadurch eingespart wird und wie sich unterschiedliche Bewässerungsarten auswirken, erläutert Hefner. Diese Wissenslücken wollen die Kasseler Forscherinnen und Forscher jetzt schließen.

Hitze und Starkregen stört die Fortpflanzung

Auch weltweit wird untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft auswirkt. Der Biologe Sotirios Fragkostefanakis von der Goethe-Uni Frankfurt ist Vorsitzender einer internationalen Wissenschaftlergruppe, die das erforscht. Er sagt: "Hitzewellen oder Starkregen können bei Gemüse und Getreide die Fortpflanzung stören. Dadurch wird weniger geerntet, und das bedroht sehr viele Menschenleben in vielen Gegenden der Welt."

Die Gruppe um Fragkostefanakis will herausfinden, wie das verhindert werden kann. Nötig sei dabei auch, Anbaumethoden zu verbessern, sagt der Biologe. etwa durch den Einsatz moderner Technik. Er nennt als Beispiele den Einsatz von Drohnen, die die Felder überwachen, und Sensoren im Boden.

Das ist der technische Weg. Wie man das auf natürliche Art unterstützen kann, wird auf den Porree- und Möhrenfeldern in Grebenstein untersucht. Im Oktober wird geerntet.

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