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Riederwaldtunnel: Zur aktuellen Situation im Fechenheimer Wald

Die Räumung des Fechenheimer Waldes in Frankfurt, der für den A66-Ausbau und den Riederwaldtunnel gerodet werden soll, hat begonnen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Dutzende Gegeninitiativen, Besetzerinnen und Besetzer in Baumhäusern, Gutachten, Verfügungen und zahlreiche involvierte Behörden: Um den geplanten Ausbau der A66 mit dem Riederwaldtunnel im Frankfurter Osten gab es immer wieder Verzögerungen und neue Wendungen.

Nachdem das Regierungspräsidium Darmstadt das Gutachten der Autobahn GmbH zum geschützten Heldbockkäfer gebilligt hat, steht die Rodung von rund 1.000 Bäumen im Fechenheimer Wald unmittelbar bevor. Fragen und Antworten zu dem Autobahnausbau im Stadtteil Riederwald und den Widerstand dagegen:

Warum wird im Fechenheimer Wald gebaut?

Die A66 Frankfurt-Fulda endet an der Anschlussstelle Frankfurt-Bergen-Enkheim. Der Verkehr fließt dann durch die östlichen Stadtteile Richtung Innenstadt und zur Ostumgehung Frankfurt. Besonders betroffen ist der Stadtteil Riederwald, durch den sich täglich tausende Autos und Lkw schlängeln. Die A66 soll deshalb im Frankfurter Osten weitergebaut und an die A661 angeschlossen werden. Die Verkehrsdichte im Stadtteil Riederwald soll sich nach dem fertiggestellten Lückenschluss laut Autobahn GmbH um 36 Prozent reduzieren, von etwa 22.000 Fahrzeugen pro Tag auf 14.200.

Die Autobahn GmbH, ein Betrieb des Bundes, hat seit mehr als drei Jahren Baurecht für den Lückenschluss. Geplant sind im diesem Zuge das neue Autobahndreieck Erlenbruch und die neue Anschlussstelle Borsigallee. Insgesamt sollen 2,2 Kilometer Autobahn gebaut werden, davon sind 1,1 Kilometer für den geplanten Riederwaldtunnel vorgesehen. Der Tunnel gilt als größtes innerstädtische Bauprojekt der Autobahn GmbH in Hessen.

Wo soll der Riederwaldtunnel verlaufen?

Der Tunnel im Frankfurter Stadtteil Riederwald ist das Kernstück des A66-Lückenschlusses und soll im Korridor der Straße "Am Erlenbruch" verlaufen, konkret unter der Straße und der U-Bahnstrecke. Vorgesehen sind zwei baulich getrennte Röhren, die jeweils am östlichen und westlichen Ende von außen nach innen gebaut werden sollen. Der Bau erfolgt laut Autobahn GmbH in verschiedenen Abschnitten. Während der Bauzeit bleibt demnach der Verkehr auf Straßen, Gleisen, Geh- und Radwegen aufrechterhalten.

Aufnahme von oben des Fechenheimer Waldes mit dem eingezeichneten Teilstück.

Wie groß ist das Rodungsgebiet?

Für den A66-Ausbau müssen im Fechenheimer Wald 2,7 Hektar gerodet werden, das entspricht knapp vier Fußballfeldern. Die Fläche ist im Besitz der Autobahn GmbH und seit dem 6. Januar bis einschließlich 31. Januar gesperrt. Hinzu kommt eine Sicherheitszone um das vorgesehene Rodungsgebiet, die seit dem 10. Januar gesperrt ist. Die Polizei beantragte das, damit ihre Beamten vor Angriffen sicher seien. Die Untere Forstbehörde, das Forstamt Groß-Gerau, genehmigte eine solche Pufferzone von 90 Metern Breite. Die Stadt Frankfurt als Eigentümerin des Walds gab sie am 10. Januar offiziell bekannt.

Welche Auswirkungen hat die Räumung für den Verkehr?

Der Polizeieinsatz wird für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgen. Für die Dauer der Räumung wurde die A66 in Frankfurt im Bereich Riederwald zwischen Maintal-Dörnigheim und Frankfurt-Bergen-Enkheim in beiden Fahrtrichtungen gesperrt, ebenso die Borsigallee in Richtung Hessen-Center. U-Bahnen und Busse sollten von der Sperrung nicht betroffen sein.

Wann beginnen die Rodungen für den A66-Ausbau?

Damit die Rodung ohne Risiken für Menschen vor Ort stattfinden kann, muss der Wald zuerst vollständig geräumt sein. Seit September 2021 besetzen Aktivistinnen und Aktivisten die Bäume dort und leben unter anderem in Baumhäusern. Wie lange die Räumung dauert, ist nicht absehbar und abhängig vom Widerstand der Besetzerinnen und Besetzer.

Außerdem wird die geräumte Fläche noch vom Kampfmittelräumdienst nach Blindgängern abgesucht. Erst danach darf gerodet werden, was dann auch unmittelbar geschehen soll. Die Rodung muss bis Ende Februar abgeschlossen sein. Danach sind Baumfällungen wegen der beginnenden Nist- und Brutzeiten der Vögel nicht mehr erlaubt.

Einige Eichen in der Mitte der Fläche will die Autobahn GmbH in diesem Winter nicht fällen: Grund ist ein Gutachten zum geschützten Heldbockkäfer, der demnach in den Bäumen leben könnte. Für den Beginn der Arbeiten will die Autobahn GmbH zunächst Baustraßen um die Eichen herum bauen. Im Laufe des Jahres will sie prüfen, ob und wie die Käfer umgesiedelt werden müssen, um auch die verbleibenden Bäume schließlich roden zu können.

Wie wollen die Ausbaugegner weiter vorgehen?

Die Waldbesetzerinnen und -besetzer kündigten massiven Widerstand gegen die Räumung an. Unterstützung bekommen sie unter anderem vom Umweltschutzverband BUND Frankfurt. Dieser kritisiert das Vorgehen der Autobahn GmbH und das Gutachten zum Schutz des Heldbockkäfers als "widersprüchlich" und "umweltpolitisch nicht hinnehmbar".

Der Bundesverband der Naturfreunde verlangte ebenfalls einen Aufschub der Rodung und reichte einen Eilantrag beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel ein. Dieser Antrag wurde allerdings abgewiesen.

Außerdem hatte ein Waldbesetzer beim Frankfurter Verwaltungsgericht (VG) Widerspruch gegen die Sperrung des Waldes eingelegt. Auch dieser Antrag wurde abgewiesen.

Grafik zur Rodung des Fechenheimer Waldes

Wie ist der weitere Zeitplan beim Bau des Riederwaldtunnels?

Die Autobahn GmbH will den Ausbau 2031 abgeschlossen haben. Ein ganzer Teilabschnitt der U-Bahnlinien U4 und U7 soll während der Bauarbeiten vorübergehend verlegt werden, damit die Züge dort weiter fahren können.

Nach Auskunft der Autobahn GmbH führt auch der Grundwasserspiegel, der in dem Gebiet hoch liege, zu der recht langen Bauzeit. Damit der Grundwasserstrom nicht unterbunden werde, sei ein relativ komplexes Vorgehen beim Bau erforderlich. Die Kosten beziffert die Autobahn GmbH auf ihrer offiziellen Projektseite mit 477 Millionen Euro.

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