Zwei Pflegerinnen stützen einen Bewohner in einem Pflegeheim.

Seit rund zwei Monaten gilt die Corona-Impfpflicht für Gesundheitsberufe. Umgesetzt ist sie längst nicht. Hessens Gesundheitsämter haben rund 10.000 Ungeimpfte angeschrieben. Reagiert hat bisher nur ein kleiner Teil.

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Gesundheitsämter schreiben rund 10.000 Ungeimpfte an

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Die Corona-Regeln sind gelockert, doch in Hessens Gesundheitsämtern kehrt keine Ruhe ein: Sie sind beschäftigt mit der Kontrolle und Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Seit 15. März ist diese für die rund 250.000 betroffenen Beschäftigten im hessischen Gesundheitswesen in Kraft - jedenfalls theoretisch.

Praktisch dürfte es Monate dauern, bis alle Heim-, Klinik- und Praxismitarbeiter die Vorgaben erfüllen. Die Gesundheitsämter verschicken zurzeit tausendfach Post an Ungeimpfte in Medizinberufen, die sich bis jetzt nicht haben umstimmen lassen: Sie sollen ihren Immunisierungsnachweis nachreichen. "Die Anschreiben gehen gerade stündlich raus", berichtet Nadine Jung, Sprecherin des Landkreises Gießen. Doch nicht überall läuft das reibungslos.

Rund 10.000 Briefe an Ungeimpfte

Bis Mitte April hatten Arbeitgeber im Gesundheitswesen Zeit, ungeimpfte Mitarbeiter dem Gesundheitsamt zu melden. Rund 14.000 solcher Meldungen sind inzwischen eingegangen, wie eine hr-Umfrage bei den Gesundheitsämtern zeigt. 21 der 24 hessischen Behörden teilten ihre Daten mit.

Sie haben nach eigenen Angaben rund 10.000 der gemeldeten Personen angeschrieben. Davon haben rund 2.900 reagiert, etwas mehr als ein Viertel (Stand 12. Mai): Sie haben sich entweder gegen Corona impfen lassen, einen Genesenennachweis vorgelegt - oder ein Attest. Für einige läuft die Frist noch.

Zahl der Antworten überschaubar

Die meisten Meldungen verzeichnet laut Umfrage das Gesundheitsamt Frankfurt mit 3.937, die alle bereits angeschrieben wurden. 1.261 haben daraufhin ihren Nachweis erbracht. An zweiter Stelle folgt der Main-Kinzig-Kreis mit 1.095 Meldungen, 780 verschickten Aufforderungen und 209 Rückmeldungen. Stadt und Kreis Kassel verzeichnen 936 Meldungen. Der Kreis Gießen zählt 881, die bis Ende der Woche kontaktiert werden sollten, sagt Sprecherin Jung.

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Gemeinsam haben alle, dass die Zahl der Rückmeldungen bislang überschaubar ist. Nur eine von 263 angeschriebenen Personen hat sich bisher beim Gesundheitsamt der Stadt Offenbach zurückgemeldet. Im Rheingau-Taunus-Kreis waren es 44 von 272, im Werra-Meißner-Kreis 20 von 320.

Zähes Prozedere: Deadline, Mahnung, neue Deadline

Dass es dauern könnte, alle fehlenden Nachweise einzusammeln, wird spätestens klar, wenn man auf das weitere Prozedere schaut: Für die Antwort ans Gesundheitsamt bleibt den Angeschriebenen eine Frist von vier Wochen. Lassen sie die verstreichen, flattert eine zweite Aufforderung ins Haus - mit einer neuen Frist und einem Beratungsangebot: in Offenbach zum Beispiel in der Impfstation. Erst danach kann es Bußgelder geben.

Zäh scheint die Durchsetzung der Impfpflicht auch noch aus anderen Gründen: Allein die Ungeimpften richtig zu erfassen, gestalte sich schwierig, klagen einige Behörden. Schuld seien zum Beispiel falsche Meldungen.

Doppelte Meldungen

Dem Kreis Hersfeld-Rotenburg wurden einige Ungeimpfte gleich mehrfach gemeldet, "weil sie mehrere Arbeitgeber haben", berichtet Sprecherin Jasmin Krenz: "Sie arbeiten zum Beispiel im Rettungsdienst und nebenbei im Altenheim." Diese Doppelmeldungen müssten aussortiert werden.

Der Landkreis Gießen stellt fest: Teilweise hätten Einrichtungen auch Mitarbeitende gemeldet, die offenbar alle Voraussetzungen erfüllten. Zuständigkeitsprobleme entstünden zudem dann, wenn Ungeimpfte in unterschiedlichen Kreisen wohnen und arbeiten. Die Informationen fließen langsam, klagt das Gesundheitsamt Limburg-Weilburg - und: "Die Aufarbeitung der Fälle nimmt viel Zeit in Anspruch."

Keine Kündigungswelle durch Impfpflicht

Eine Befürchtung scheint sich in Hessen aber nach wie vor nicht zu bewahrheiten: eine mögliche Kündigungswelle infolge der Impfpflicht. Große Träger von Pflegeeinrichtungen hatten im März skeptisch auf den Stichtag geschaut und vorsorglich Notfall-Dienstpläne erstellt. Jetzt teilt die Diakonie Hessen auf hr-Nachfrage mit: "Falls Betretungs- beziehungsweise Beschäftigungsverbote tatsächlich anstünden, würden wir - wie es heute aussieht - nur wenige Kräfte verlieren."

Schon zum 15. März habe die Impfquote der Diakonie-Beschäftigten über 90 Prozent gelegen. "Die kontinuierliche Motivationsarbeit der Arbeitgeber hat sich also positiv ausgewirkt", glaubt Dagmar Jung, Leiterin der Abteilung Gesundheit, Alter, Pflege. In Hessen gehören der Diakonie 140 Pflegeheime, 47 Tagespflegeeinrichtungen und 132 ambulante Pflegedienste an.

Aus Sicht der Caritas, Trägerin von 34 stationären Pflegeeinrichtungen in Hessen, berichtet Referentin Anne Fischer: "Gesichert weiß ich von einer Mitarbeiterin, die die Impfpflicht zum Anlass der Kündigung genommen hat." Offizielle Zahlen dazu erhebe die Caritas nicht.

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