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Spatenstich für Mega-Therme Ende 2023

Die einen sprechen von einem "Jahrhundertprojekt", die anderen von der modernsten Therme Deutschlands: Drei Gemeinden in der Wetterau treiben derzeit unterschiedliche Thermen-Projekte voran. Sie könnten den Kreis zu einer Wellness-Hochburg machen.

Sie bilden das sogenannte Kneipp Bäderdreieck: die Wetterau-Gemeinden Bad Nauheim, Nidda-Bad Salzhausen und Bad Vilbel. Derzeit schmieden sie große Bäderpläne. Die Dimensionen sind unterschiedlich, genau so wie die Zeitplanung. Für ein immer wieder verschobenes Projekt soll Ende des Jahres Spatenstich sein. Ein Überblick.

Die Sprudelhof-Therme in Bad Nauheim

Am weitesten gediehen ist die neue Sprudelhof-Therme in Bad Nauheim, "das Jahrhundertprojekt für die Stadt", wie Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) betont. Die Therme soll im Oktober 2023 ihren Betrieb aufnehmen.

Auf einer Fläche von rund 10.500 Quadratmetern entstehen derzeit unter anderem ein Thermal-Innenbecken, mehrere Sole-, ein Tauch- und ein Außenbecken. Geplant sind außerdem Läden, ein Fitnessstudio, ein Garten mit Liegewiese und zwei Saunen. Thermengäste können verschiedene Baderituale und Anwendungen buchen. Eine Tiefgarage bietet Platz für 200 Fahrzeuge.

Die Kosten für das Projekt sind - wie überall im Zuge der Energiekrise - gestiegen: Zunächst waren rund 39 Millionen Euro für die Therme und knapp 14 Millionen Euro für die Tiefgarage veranschlagt. Seit Dezember ist bekannt, dass der Kostenrahmen für die Tiefgarage zwar stabil bleibt, das Bad wohl aber rund 44 Millionen Euro kosten wird. Hinzu kommen gut sieben Millionen Euro für die aus dem Boden gewonnene Sole für die entsprechenden Becken, die die Stadt an das Land zahlen muss.

Das ursprüngliche Konzept sah vor, dass die Anlage mit Erdgas beheizt wird. Ein Gutachten soll aber nun klären, ob die Sole auch als Energiequelle geeignet ist. Das erwarten die Stadtwerke für Februar.

Ein Gesundheitszentrum für Bad Salzhausen

Im Herbst 2022 musste Hessens kleinster Kurort, der Niddaer Stadtteil Bad Salzhausen, unter großem Protest seine Justus-von-Liebig-Therme schließen - die Energiekosten und der Sanierungsstau waren aus dem Ruder gelaufen. Spätestens im Februar will die Stadt bekannt geben, wie es dort weitergehen könnte. Klar ist bislang nur: Die Nachfolgerin der Liebig-Therme wird kleiner ausfallen als die Bäder-Projekte der anderen Kurstädte in der Region.

Geplant ist ein Vital- und Gesundheitszentrum am gleichem Standort, "das in die Region passt, das ins Bäderdreieck passt, das zu Kneipp passt", sagt Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU). Es soll neben einem Saunabereich einen Therapiebereich geben, mit Sole- und Salzanwendungen, Reha- und Kneippschen Anwendungen sowie Aquafitness.

Der Schwerpunkt soll dabei auf therapeutischen Angeboten und weniger auf Wellness liegen, sagt Eberhard. Außerdem soll Platz sein für Gastronomie und Ausstellungen rund um das Thema Salzgewinnung. Im Dezember erhielt die Stadt dafür einen Förderbescheid über 2,25 Millionen Euro vom Land und vom Bund. Fertig sein soll das Zentrum zur Landesgartenschau 2027.

Wann kommt die Großtherme in Bad Vilbel?

Der Zeitplan für die seit Jahren geplante Großtherme in Bad Vilbel ist dagegen unklar. Die baden-württembergische Thermengruppe Josef Wund hat nach eigenen Angaben vom Montag überarbeitete Baupläne für ihr 200-Millionen-Projekt bei der Bauaufsicht des Wetteraukreises eingereicht.

Die Gruppe will auf 15 Hektar eine Riesen-Bäderlandschaft errichten - mit Sportbad, Familienbad, Rutschenturm, Thermalbecken, Saunalandschaft und Räumen für Gesundheitsanwendungen, Kunst und Kultur. "Das Projekt wird Deutschlands größtes Wellness-Resort sein", betont sie in einer Mitteilung.

Ursprünglich hatte die Gruppe schon 2021 einen mehr als 100 Ordner umfassenden Bauantrag eingereicht, sich danach aber noch einmal mit den Themen Brandschutz und jüngst mit der Energiekrise befasst. "Die eingereichten Pläne sehen auch die Möglichkeit vor, neben Photovoltaik und anderen erneuerbaren Energiequellen auch Erdwärme als nachhaltige Energiequelle zu nutzen", heißt es. Dank Kreislauftechnik sei der Wasserverbrauch pro Gast bereits extrem niedrig und soll mit moderner Technik nochmals gesenkt werden.

Angaben zum Zeitplan machte die Gruppe nicht. Der Bad Vilbeler Bürgermeister Sebastian Wysocki (CDU) geht davon aus, dass Ende 2023 oder Anfang 2024 Spatenstich ist. Es sei für alle Beteiligten gut, dass das Projekt nun vorankomme.