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Mehr Kirchenaustritte in Hessen

Volle Gotteshäuser an Weihnachten wird es wohl auch in diesem Jahr geben. Doch die Zahl der Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche schrumpft in Hessen deutlich.

In diesem Jahr gibt es in Hessen mehr Kirchenaustritte als in den Vorjahren. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur vom Freitag.

In Frankfurt sind bis Anfang Dezember 8.556 Menschen aus den Kirchen ausgetreten. "Das ist bereits jetzt schon mehr als in den Vorjahren", so eine Sprecherin der Stadt. Vor fünf Jahren lag die Zahl noch bei 4.850.

In anderen hessischen Städten geht der Trend in dieselbe Richtung:

  • Wiesbaden: 3.200 Menschen sind in Wiesbaden und den Vororten bis Herbst aus der Kirche ausgetreten. Im gesamten vergangenen Jahr waren es rund 100 Menschen weniger.
  • Kassel: 2.158 Kirchenaustritte gab es hier bis zum 15. Dezember. Im Vorjahr waren es einem Sprecher der Stadt zufolge 1.995, vor vier Jahren noch 1.347.
  • Fulda: In dem katholischen Bistum gab es bereits im vergangenen Jahr eine Rekordzahl von Menschen, die die Kirche verlassen haben: 5.301. Der Trend setze sich in diesem Jahr fort, so die Pressestelle.

Auch in Hanau, Darmstadt, Marburg und anderen Städten gab es eine Zunahme bei den Kirchenaustritten.

Kirchen unter Sparzwang

Weniger Mitglieder heißt auch weniger Kirchensteuer. Kirchen müssten also sparen, sagt Anja Berens, Sprecherin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Das mache es schwerer, die Aufgabe für die Menschen vor Ort wahrzunehmen.

Die EKKW sehe den Rückgang als Herausforderung, sagt Berens: "Angesichts schwindender Ressourcen stellen wir frühzeitig die Weichen, unter anderem in der Finanzplanung." So sehe der Beschluss der jüngsten Herbstsynode vor, dass alle kirchlichen Ebenen eigenverantwortlich einen Teil zu Einsparungen beitragen.

Massiver Vertrauensverlust

Auf den beiden Frankfurter Vollversammlungen des Synodalen Wegs, des Reformprozesses der katholischen Kirche in Deutschland, sprachen Hauptamtliche und Laien immer wieder von massivem Vertrauensverlust, dem sich die Kirche gegenüber sehe.

Einer der Hauptgründe hier: der Skandal um gewaltsame sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche durch Priester und Kirchenmitarbeiter - und seine jahrelange Vertuschung. Auch der Umgang mit sexuellen Minderheiten und die Sexualmoral gelten als Motive dafür, dass sich Menschen von der Kirche abwenden.

Für die beiden großen Konfessionen dürften auch der demografische Wandel und die Säkularisierung der Gesellschaft eine Rolle spielen: Menschen, die nur noch pro forma einer Kirche angehören, entscheiden sich, dass sie nicht länger Kirchensteuer zahlen wollen.

Trend dürfte in Zukunft weitergehen

Das Bistum Limburg geht davon aus, dass die Kirchen in den kommenden Jahren noch stärker unter Druck geraten, weil die Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand gehen und damit weniger Steuern zahlen. Gleichzeitig verlassen viele junge Menschen die Kirche.

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