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Rodung im Fechenheimer Wald

Waldbesetzer wollen verhindern, dass für den Autobahnausbau in Frankfurt Bäume fallen. Ein Polizeieinsatz scheint unausweichlich. Beobachter sollen dazu beitragen, dass es nicht zu Gewalt kommt - darunter ein Ausbaubefürworter von der FDP.

Ob er für den umstrittenen Ausbau der A66 in Frankfurt ist? "Aber hallo!", sagt Stefan Naas, ohne eine Sekunde zu zögern. Naas ist in der FDP-Landtagsfraktion Sprecher für Infrastruktur. Ausgerechnet ihn hat das Aktionsbündnis gegen den A66-Ausbau gebeten, als parlamentarischer Beobachter in den Fechenheimer Wald zu kommen, von dem ein Stück für den Bau des Riederwaldtunnels zum Lückenschluss der Autobahnen im Frankfurter Osten fallen soll.

Naas hat gerne zugesagt, wie er sagt: "Das ist eine Selbstverständlichkeit." Unabhängig davon, wie er zum Ausbau stehe, müsse die Polizei bei der geplanten Rodung und der dafür nötigen Räumung des Waldstücks nach Recht und Gesetz handeln. Dafür stehe er bereitwillig als Zeuge zu Verfügung.

Erst kürzlich war Naas im Fechenheimer Wald und diskutierte dort mit Waldbesetzern. Ein gutes Gespräch, wie er sagt. An seiner Meinung zum Ausbau hat es freilich nichts geändert.

Kirchen mit 20-köpfigem Beobachterteam

Beobachter aus Politik und Kirche waren schon vor zwei Jahren in Mittelhessen gefragt. Im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm (Vogelsberg) holte die Polizei Waldbesetzer von den Bäumen, damit sie für den Weiterbau der A49 gerodet werden konnten. Bei der Räumung kam es zu Zwischenfällen. Baumbesetzer stürzten ab, Polizisten wurden mit Steinen und Fäkalien beworfen.

Verhindern konnten das die Beobachter nicht. Dennoch möchten die Frankfurter Waldbesetzer unabhängige Zeugen bei dem bevorstehenden Einsatz dabeihaben. Derzeit leben Schätzungen zufolge rund 20 Aktivisten in den Baumhäusern, unterstützt von mehreren Bürgerinitiativen.

Sie haben die Evangelische Kirche als Beobachter angefragt und Landespolitiker - unter ihnen Stefan Naas, der für die FPD als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im kommenden Jahr geht. In Kontakt stehen die Aktivisten auch mit den Fraktionen von Grünen und Linken im Landtag. Ob darüber hinaus mit CDU und SPD, ist unklar.

FDP-Politiker Stefan Naas, Wiebke Knell und Stefan Müller (von links) im Dannenröder Forst - im Hintergrund ein Baumhaus von Waldbesetzern

Strikt neutral gibt sich die Evangelische Stadtkirche Frankfurt und Offenbach. Sie hat ein Team von ehrenamtlichen 20 Beobachtern gebildet, darunter auch katholische Christen. Es gehe nur darum, für Deeskalation zu sorgen, sagt Pfarrer Gunter Volz. Er leitet die kirchliche Beobachtungsmission, die zum Ziel habe, "dass kein Mensch zu Schaden kommt".

"Polizisten ist auch nicht wohl dabei"

Dennoch rechnet Volz mit angespannten und gefährlichen Situationen. Er hat die Beobachter vom professionellen Mediator Wilfried Kerntke dafür schulen lassen. Verhindern lasse sich die Konfrontation nicht, sagt Kerntke. Aber manchmal lasse sich eine Situation allein dadurch entschärfen, dass alle Seiten im Gespräch blieben.

Die Polizei unterstützt nach Aussage eines Sprechers die Beobachter und will ihnen Zugang zum Fechenheimer Wald gewähren. Kerntke sieht die Polizei auch gar nicht als eigentliche Konfliktpartei. Sie müsse nur die Beschlüsse der Politik durchsetzen. "Den Polizisten ist es auch nicht nur wohl dabei. Die machen das nicht als Sport", glaubt Kerntke.

Noch keine Entscheidung zum geschützten Käfer

Bevor die Motorsägen kreischen, ist noch eine offene Frage zu klären: Würde durch die Rodung der streng geschützte Heldbockkäfer gefährdet? Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat im fraglichen Waldstück Exemplare dieser Käferart gesichtet. Noch prüfen die Autobahn GmbH und das Regierungspräsidium Darmstadt, wie damit umgegangen wird. Eine Entscheidung stehe noch aus, informiert die Autobahn GmbH.

Wann die Räumung beginnt, ist deshalb unklar. Die Autobahn GmbH, die den Abschnitt der A66 als Verbindung zur A661 baut, will auf jeden Fall bis Ende Februar die rund vier Fußballfelder große Waldfläche roden. Das hat ein Sprecher auf hr-Anfrage bestätigt. Dafür müsste der Wald in den kommenden Wochen geräumt werden. Ab März ist das wegen der Brutzeit von Vögeln nicht mehr erlaubt.

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