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Erneute Pläne für Kaliberg-Abdeckung sorgen für Kritik

Abraumhalde eines Kalisalz-Bergwerkes in Heringen

Der "Monte Kali" im osthessischen Neuhof wächst und verursacht Salzabwasser. Der neue Vorschlag des Konzerns K+S zum Schutz vor weiteren Belastungen erinnert Umweltschützer an eine längst begraben geglaubte Lösung. Der Konflikt wird dadurch nicht kleiner.

Wie geht es weiter mit dem Umweltschutz am "Monte Kali"? Bei Regen sorgt die vor allem aus Steinsalz bestehende, rund 190 Meter hohe Abraumhalde des Bergbau-Unternehmens Kali+Salz (K+S) in Neuhof (Fulda) für Salzabwasser. Seit langem wird darum gerungen und gestritten, wie man die daraus resultierenden Umweltbelastungen verringern kann.

K+S präsentierte vor wenigen Tagen neue Überlegungen und den aktuellen Planungsstand zur Lösung des Abwasser-Problems. Die Bürgerinitiative (BI) Umwelt Neuhof kritisierte die Vorschläge danach scharf. Die Erwartungen an neue Lösungsansätze, innovative und nachhaltige Konzepte zur Reduzierung des Salzabwassers wurden "bitter enttäuscht", wie die BI bewertete.

Kombi-Abdeckung aus Bauschutt und Abfall geplant

Denn K+S plant laut der BI wieder eine Abdeckung der Halde, diesmal in Kombination: Mit einer Dickschicht aus Bauschutt im unteren Bereich und im oberen Teil mit einer Dünnschicht mit Schlacken aus der Müllverbrennung.

Die BI kritisiert: K+S plane offenbar den in Osthessen weithin sichtbaren Berg mit Millionen von Tonnen von Abfallstoffen zuzuschütten, diesmal nur mit einer anderen Zusammensetzung. Die BI fühlt sich daran erinnert, wie K+S zu Beginn der Diskussionen im April 2022 eine Dickschichtabdeckung aus Bauschutt vorgeschlagen hatte. Erst nach massiver Kritik von Umweltschutzverbänden und Demonstrationen der Menschen vor Ort, beerdigte K+S die Pläne. Die Anwohner befürchten über Jahrzehnte Transportlärm, Umweltbelastungen und einen weiteren Verbrauch von Flächen, zum Beispiel Wald.

"Schlag ins Gesicht"

Nun, einige Monate später, präsentiert K+S wieder Pläne für eine Abdeckung. "Das ist ein Schlag ins Gesicht", sagte der BI-Vorsitzende Marco Enders. K+S habe sein altes Denkmuster und die strategische Ausrichtung nicht geändert. Nun gelte es, "mit aller Entschlossenheit dieser ideenlosen und rückständigen Planung entgegenzuwirken", kündigte Enders an.

BI-Mitglied Karl-Ludwig Ruppel monierte: Die nur geringfügig weiterentwickelten Pläne des Unternehmens zeigten, dass K+S nichts aus der Vergangenheit gelernt habe. Die BI wirft K+S vor, gegen vereinbarte Eckpunkte zu verstoßen. Unter anderem sollen keine weiteren Flächen für eine Abdeckung der Abraumhalde verschwendet werden. K+S sagte dazu: Weiterer Flächenverbrauch soll tatsächlich vermieden werden, auszuschließen sei das jedoch nicht.

K+S fordert: Darf keine Denkverbote geben

Damit die Halde nicht weiter wächst, favorisiert die Bürgerinitiative, dass K+S Salzabfälle wieder untertage transportiert und die durch den Bergbau entstandenen Hohlräume wieder füllt. Dies ist laut K+S aber physikalisch nicht möglich. Die Bürgerinitiative vermutet, dass dieser Entsorgungsweg dem Unternehmen lediglich zu aufwendig und kostspielig sei.

K+S reagierte auf die Kritik der BI an den neuen Plänen für eine Haldenabdeckung. Auf hr-Anfrage teilte ein Unternehmenssprecher mit: Man sei dabei, geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Haldenwässer zu suchen und prüfe Handlungsvarianten. "Bei dieser Suche nach der besten Variante darf es keine Denkverbote geben."

Mittlerweile tagt regelmäßig ein Runder Tisch von Vertretern der BI, K+S, Umweltschutzverbänden und der Kommune, um Lösungen für das Entsorgungsproblem zu finden.

Der Sprecher betonte auch, dass der Monte Kali durch die Abdeckung nicht zu einer Abfalldeponie werde, wie die Bürgerinitiative kritisiere. Solche Zuschreibungen seien abfallrechtlich nicht zutreffend. Der Sprecher rief zu mehr Sachlichkeit und eine saubere Verwendung technischer Begriffe auf.

Versalzung von Böden und Gewässern

Die Haldenabdeckung ist aber nicht das einzige Problem, das die Bürgerinitiative am Monte Kali ausgemacht hat. Denn in der Umgebung des Werksgeländes komme es zunehmend zu einer Versalzung von Böden und Flüssen. Die Folge: abgestorbene Bäume, ruinierte Gewässer und Wiesen.

Die Bürgerinitiative will erreichen, dass K+S etwas gegen die Versalzungen unternimmt und eine detaillierte Ursachen-Analyse erstellt. "Wir fordern K+S auf, die genauen Ursachen der Versalzung zu ergründen und sich seiner Verantwortung gegenüber Mensch und Natur zu stellen", sagte BI-Sprecher Sven Hartmann. Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen spricht von einer "ökologischen Katastrophe auf lokaler Ebene".

K+S ist bekannt, dass es an einzelnen Stellen zu Belastungen gekommen ist, wie ein Unternehmenssprecher einräumte. Es seien lokale Ereignisse. Verantwortlich seien mutmaßlich Salzabwässer, die in den Boden gelangten. Sie stammten wohl aus einem Altbereich der Halde, der nicht so gut geschützt und abgedichtet worden sei wie heute üblich.

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