Weniger Plastik für die Tüte mit Kartoffelchips, weniger Treibstoffverbrauch im Flugzeug, weniger CO2-Ausstoß bei der Betonproduktion – wie die Firmen Lorenz, Lufthansa und Rinn Beton- und Naturstein versuchen, nachhaltiger zu wirtschaften. Und wo ihre Grenzen liegen.

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Firma Rinn - vergleichsweise nachhaltig ausgerechnet mit Betonsteinen

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Der Griff in die Tüte mit Kartoffelchips ist lecker, aber nicht gut für die Figur - oder die Umwelt. Das treibt Ines Dzeko um, die beim Snackhersteller Lorenz für den Bereich Nachhaltigkeit verantwortlich ist. Das Unternehmen mit Sitz in Neu-Isenburg (Offenbach) will unter anderem den Plastikeinsatz bis zum Jahr 2025 um 15 Prozent reduzieren.

Und da nachhaltiges Wirtschaften auch bedeutet, sich neben der Umwelt um Menschen zu kümmern, arbeite Lorenz nach Aussage von Dzeko zugleich daran, seine Snacks zu verbessern. Etwa mit Erdnüssen, die zehn Prozent weniger Salz beinhalten. Aber Dzeko sieht auch die Grenzen ihres Bemühens: Aus kalorien- und kohlenhydratereichen Snacks, sagt sie, "können wir über Nacht keinen Apfel machen".

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Auch die Lufthansa wird über Nacht keine Flugzeuge auf die Startbahn stellen können, die kein CO2 mehr ausstoßen. Man setze nun auf treibstoffeffizientere Flugzeuge, sagt Christina Foerster vom Vorstand der Fluggesellschaft. Von ihnen will die Lufthansa Group bis Ende des Jahrzehnts mindestens 190 ausgeliefert bekommen. Jedes dieser Flugzeuge verbrauche 30 Prozent weniger Treibstoff als die Vorgänger und stoße damit weniger CO2 aus, sagt Foerster. Alle zwei Wochen erhalte der Konzern ein solches effizienteres Flugzeug.

Schon 2030 will die Lufthansa nur noch halb so viele klimaschädliche Gase ausstoßen wie 2019. Bis zur angestrebten neutralen CO2-Bilanz im Jahr 2050 sei es allerdings noch ein weiter Weg, räumt Foerster ein: "Wir stehen noch am Anfang der Dekarbonisierung unserer Industrie."

Nachhaltigkeit ist ein Prozess

Den Anfang zu machen sei wichtig, sagt Professor Christian Klein von der Uni Kassel. Laut dem Experten für nachhaltige Finanzwirtschaft ist Nachhaltigkeit ein Prozess. Viele nähmen an, Nachhaltigkeit sei ein Zustand, ein Unternehmen sei also entweder nachhaltig oder nicht. Dabei gehe es darum, sich Ziele zu setzen, zum Beispiel den Ausstoß klimaschädlicher Gase oder die Umweltverschmutzung zu begrenzen, findet Klein: "Jeder Schritt, der uns diesem Ziel näher führt, ist für mich ein Schritt Richtung Nachhaltigkeit."

Viele solcher Schritte hat die Firma Rinn aus Heuchelheim (Gießen) schon gemacht. Die Firma, die Betonsteine herstellt, landete bei einem deutschlandweiten Ranking der 500 nachhaltigsten Mittelständler in der Zeitschrift Wirtschaftswoche auf dem vierten Platz.

Rinn hat nach eigenen Angaben den CO2-Ausstoß seit 2013 von damals 13.000 Tonnen fast halbiert, versorgt sich zum Teil selbst mit Strom aus Photovoltaik und Wärmerückgewinnung. 2018 gewann die Firma den Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie mittelgroße Unternehmen. 2021 gab es den Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte für Pflastersteine mit 40 Prozent Recyclinganteil.

Luisa Rinn, Juniorchefin des gleichnamigen Betonsteinherstellers aus Heuchelheim

Bei der Herstellung von Zement als Bindemittel für Beton entsteht grundsätzlich sehr viel Kohlendioxid. Dem möchte Rinn-Juniorchefin Luisa Rinn entgegenwirken: "Langfristig ist unser Ziel, die meisten Produkte von uns auf alternative Bindemittel umzustellen."

Nachhaltigkeit als Risikomanagement

Das sei begrüßenswert, sagt Nachhaltigkeitsexperte Klein. Zement durch alternative Stoffe zu ersetzen, sei ein großes Zukunftsthema. Aus Sicht des Unternehmens sei es aber auch sehr schlau. Klein erwartet, dass vieles, was Unternehmen heute für mehr Nachhaltigkeit angehen, in ein paar Jahren ohnehin per Gesetz vorgeschrieben werde - um etwa die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einhalten zu können und weltweit bis 2050 CO2-Neutralität zu erreichen.

Schon heute nachhaltig zu wirtschaften, sei deshalb auch eine Form von Risikomanagement, da man nicht erst gezwungenermaßen damit anfangen müsse, wenn es gesetzlich vorgeschrieben werde, erklärt der Kasseler Uni-Professor. Darüber hinaus gebe es Aktivitäten, "die diese Welt zu einem besseren Ort machen".

Klein führt dafür als Beispiel Unternehmen an, die auf Zwischenhändler verzichten, direkt bei den Bauern vor Ort einkaufen und sie zum umweltfreundlichen Anbau animieren. Beides mache der Snackhersteller Lorenz beim Kauf von Cashewkernen in Mozambique, sagt Ines Dzeko. Man habe zum Beispiel in einem Projekt verschiedene Biodünger ausprobiert, "um zu schauen, wie sie sich auf die Ernte und auf den Ertrag von Cashewkernen auswirken".

Initiative des WWF gibt Pfad zum CO2-Einsparen vor

Aber welche Möglichkeiten zur Nachhaltigkeit haben Unternehmen aus der Flugbranche, deren Geschäftsmodell darauf basiert, dass sie CO2 ausstoßen, wie es Christian Klein ausdrückt? Die Lufthansa hat sich etwa der Science Based Targets Initiative der Umweltschutzorganisation WWF verschrieben, um das Ziel zu erreichen, bis 2050 CO2-neutral zu sein. Damit sei man die erste europäische Fluggesellschaft, teilt sie mit.

Die Initiative gebe sogenannte CO2-Pfade vor, erklärt Klein. Wissenschaftsbasiert werde ausgerechnet, wie viel CO2-Ausstoß ein Unternehmen jedes Jahr reduzieren müsse, um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten. Der Experte für nachhaltige Finanzwirtschaft betont: "Die Unternehmen, die sich hier verpflichten, signalisieren damit: Wir wollen das wirklich schaffen."

Ines Dzeko vom Chips-Hersteller Lorenz Bahlsen

Die Firma Lorenz hat nach eigenen Angaben den eigenen CO2-Fußabdruck um 27 Prozent reduziert - unter anderem durch Energiesparmaßnahmen und die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energien. Das sei beachtlich, sagt Klein.

Erste CO2-Einsparungen einfacher

Grundsätzlich gelte, dass die ersten CO2-Einsparungen die einfachsten seien, erläutert der Professor. Wenn die sogenannten Low Hanging Fruits, also die einfachen Maßnahmen, erreicht seien, werde es teurer und komplizierter, weitere Einsparungen vorzunehmen.

Allein durch "eine Optimierung des Flugbetriebs", so teilt die Lufthansa mit, habe man im vergangenen Jahr 10.000 Tonnen Kerosin eingespart. Das entspreche rund 220 Flügen von München nach New York mit einem Airbus 350. Aber als Schlüssel für CO2-neutrales Fliegen gilt letztlich der Einsatz nachhaltiger Kraftstoffe, etwa von Bio-Fuels. Auch hier rühmt sich die Lufthansa, bereits einer der größten Abnehmer zu sein - und Passagiere können schon beim Buchen ihrer Reise einen Beitrag zur Förderung der Technologie leisten. Aber insgesamt gibt es noch zu wenige Bio-Fuels, um Flugzeuge klimaneutral abheben zu lassen.

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