Blick eine große Straße entlang, wobei mehrere Radfahrer auf einem roten Fahradweg rechts neben Autos, die im Stau stehen., fahren. Alle sind von hinten und in Reihung zu sehen. Auf dem Bild rechts unten eine kleine Grafik mit dem Wort "Verkehrs-Check".

Seit 2019 investiert die Stadt Frankfurt vermehrt in den Radverkehr. Es sollen mehr Menschen mit dem Rad fahren, das Gefühl der Sicherheit soll steigen. Doch die Zahl der Pendler, die auf ein Auto angewiesen sind, ist hoch.

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So stehen hessische Großstädte beim Verkehr da

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Immer wieder hören wir vom "Revierkampf" auf der Straße: Autofahrer beschweren sich über Radfahrer, Radfahrer über große SUVs – und Fußgänger über Lastenradfahrer. Das Verhältnis zwischen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern scheint angespannt. Gerade in hessischen Großstädten ist der Platz begrenzt, der Klimawandel ein großes Thema. Was also tun Städte, um den begrenzten Platz aufzuteilen? Wir haben Frankfurt einem Verkehrscheck unterzogen und geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Serie: Verkehrscheck in hessischen Großstädten

In einer sechsteiligen Serie nehmen wir die Verkehrssituation in hessischen Großstädten unter die Lupe. Welche Maßnahmen ergreifen die Städte und reichen diese aus? Wir haben einen Blick auf ganz Hessen und jeweils auf die Städte Offenbach, Frankfurt, Darmstadt, Kassel und Wiesbaden geworfen.

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Die Themen in der Übersicht:

Was sind die größten Verkehrsprobleme?

Frankfurt ist Pendlerstadt: Fast 400.000 Menschen pendeln regelmäßig nach Frankfurt. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. "Aufgrund des starken Arbeitsplatz- und Bevölkerungswachstums der vergangenen Jahre leidet die Stadt unter großen Staus auf den Straßen und Verzögerungen im ÖPNV", sagen Verkehrsexperten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt.

Rund 235.000 so genannte Einpendler – also Menschen, die aus einer anderen Stadt nach Frankfurt zur Arbeit kommen – seien "mangels attraktiver Alternativen auf das Auto angewiesen". Die verkehrspolitische Herausforderung für die Stadt liege darin, den Verkehr wieder zum Fließen zu bringen, also das Verkehrsaufkommen zu reduzieren, ohne unvermeidbare Verkehre einzuschränken. "Es ist somit eine Herausforderung, den vorhandenen Straßenraum zu aufzuteilen und zu priorisieren, dass er am Ende für alle nutzbar ist", so die IHK.

Was macht Frankfurt für Fahrradfahrer?

Nach Angaben der Stadt setzen sich die Maßnahmen für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer in Frankfurt aus drei Säulen zusammen. Erste Säule ist die Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2019 zum Bürgerbegehren "Radentscheid". Darin enthalten sind konkrete Maßnahmen, die teilweise schon umgesetzt wurden.

Zum zweiten sei das stadtweite Radverkehrsnetz fortgeschrieben worden, "vollständig wegweisend beschildert und mit einem Lückenschlusskonzept hinterlegt, das fortlaufend abgearbeitet wird." Als dritte Säule nennt die Stadt die Anträge und Anregungen der Ortsbeiräte, die den Magistrat erreichen. Aus diesen würden "zahlreiche Kleinmaßnahmen auf Quartiersebene resultieren".

Die Anzahl der Maßnahmen für den Radverkehr in Frankfurt habe sich mit der Zeit verändert. "Die Menge der Maßnahmen zur Radverkehrsförderung hat in den letzten Jahren stark zugenommen, einerseits aufgrund der Beschlusslage 'Radentscheid', andererseits auch wegen vermehrter Anträge und Anregungen aus den Ortsbeiräten", sagte ein Presseprecher der Stadt.

Wo sind neue Radwege entstanden?

Seit August 2019 sind laut Stadt 28 Kilometer rotmarkierte Fahrradstraßen entstanden. An Hauptverkehrsstraßen seien neue Radwege mit einer gesamten Länge von sechs Kilometern entstanden. Zusätzlich gebe es fast 6.000 neue Fahrradstellplätze.

Das jüngste Projekt ist der Oeder Weg, der seit April 2022 Fahrradstraße ist. An einigen Stellen wurden zudem breite Radfahrstreifen errichtet, etwa auf der Berliner Straße zwischen Kornmarkt und Fahrgasse oder der Walter-Kolb-Straße. Im Sommer 2021 hat auch der Mainkai rot markierte Schutzstreifen in beide Fahrtrichtungen erhalten. "Eine Kfz-Fahrspur ist hierzu entfernt worden", informierte die Stadt.

Der Magistrat hat in diesem Jahr außerdem beschlossen, die südliche Schwarzwaldstraße zwischen Oberforsthauskreisel und Rennbahnstraße umzugestalten. Hier sind nun 2 bis 2,30 Meter breite Radverkehrsanlagen vorgesehen. Auch an den Hauptverkehrsstraßen "Bockenheimer Landstraße, Schwarzwaldstraße/Rennbahnstraße und Schweizer Straße" sind nach Angaben der Stadt Veränderungen geplant. Der Verkehr soll zugunsten der Radfahrerinnen und Radfahrer umstrukturiert werden.

Wie schneidet Frankfurt beim Fahrradklima-Test ab?

Beim Fahrradklima-Test 2020 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) schneidet Frankfurt eher schwach ab. Die Stadt erreicht eine Note von 3,7 auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6. Frankfurt hat sich im Gegensatz zu 2016 und 2018 beim Test leicht verbessert. In den Jahren 2014 und 2012 hatte die Stadt allerdings noch eine bessere Bewertung als 2020 (3,6).

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Die Befragten loben in der Stadt besonders die geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung (1,8), die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln (2,4), die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,6) und die öffentlichen Fahrräder (2,6). Unzufrieden sind die Befragten vor allem mit der Breite der Radwege (4,8), der Ampelschaltung für Radfahrer (4,8) und der Falschparkerkontrolle auf Radwegen (4,8).

Wie steht es um den ÖPNV?

"Dieses Jahrzehnt wird ein Jahrzehnt des Bauens und der Inbetriebnahmen", schreibt die Lokale Nahverkehrsgesellschaft traffiq in einer Pressemitteilung. Dem ÖPNV in Frankfurt stehe eine "Investitionsoffensive" bevor. Die größten Projekte in Frankfurt sind laut Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die laufenden Bauten eigener Gleise für die S6 zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel und die Verlängerung der U5 ins Europaviertel.

Der Regionale Nahverkehrsplan (RNVP) sagt laut RMV für die kommenden Jahre eine steigende Nachfrage auf nahezu allen Streckenabschnitten voraus. "Für diese Verbindungen über größere Distanzen soll das Regionalexpress-Netz zu einem Hessen-Express-Netz ausgebaut werden", teilt der RMV mit. Außerdem sieht der RNVP umfangreiche Erweiterungen des S-Bahn-Netzes wie zum Beispiel die Verlängerung der Linie S5 und die Nordmainische S-Bahn vor.

Hinzu kommen viele weitere, teils kleine Baumaßnahmen. In dem Haushaltsentwurf 2022 sind laut Stadt 802 Millionen Euro Investitionen eingeplant. Davon sollen rund 181 Millionen Euro auf den Nahverkehr und ÖPNV entfallen.

Was tut Frankfurt für Autofahrer?

Spätestens seit dem Gesamtverkehrsplan 2005-2015 lautet das strategische Ziel der Stadt Frankfurt "soviel Verkehr mit individuellen motorisierten Verkehrsmitteln wie möglich zu vermeiden oder auf umweltfreundliche Verkehrsmittel (Umweltverbund) zu verlagern", wie ein Pressesprecher schriftlich mitteilte. Dabei sei es aber wichtig, die Teilhabe aller Menschen zu gewährleisten.

Die vorhandene Straßeninfrastruktur werde in einem verkehrssicheren Zustand erhalten. "Wo notwendig finden neben Sanierungsmaßnahmen wie Deckenerneuerungen auch Grunderneuerungen von Straßen und Brücken statt", so die Stadt. Ein aktuelles Beispiel stelle die Sanierung der Ratswegbrücke dar. Zu aktuellen Grunderneuerungen zählen beispielsweise die Wilhelmshöher Straße in Seckbach oder die Industriestraße/Franziusstraße im Osthafen.

In den vergangenen Jahren haben nach Angaben der Stadt besonders die Maßnahmen im Bereich der digitalen Verkehrssteuerung zugenommen. Das sei essentiell, "um vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote aufgrund zu hoher Stickoxyd-Einträge des Kraftfahrzeugverkehrs keine einschneidenden Maßnahmen wie Fahrverbote verhängen zu müssen."

Macht die Stadt genug für eine Verkehrswende?

Doch ist die Entwicklung wirklich positiv? "Ja, definitiv", sagt der ADFC-Landesvorsitzende Xavier Marc. Vor allem durch das Bürgerbegehren "Radentscheid" habe sich viel getan. "Die Stadtpolitik hat natürlich darauf reagiert und die Erkenntnisse sind in Frankfurt schon zu spüren", so Marc.

Trotz positiver Entwicklung, einige Probleme gibt es weiterhin: Vor allem die vielen Pendlerinnen und Pendler, die für ihre Arbeit nach Frankfurt fahren, führen laut ADFC-Experten zu einem hohen Verkehrsaufkommen. Sie seien oft mit dem Auto unterwegs, weil es bei ihnen im Umland keine oder schlechte ÖPNV-Anbindungen gebe. "Da muss noch mehr passieren, vor allem auf dem Land. Oft hat man den Blick nur auf die Städte gerichtet", so Marc.

Auch das Thema Parken führt in Frankfurt zu Problemen. "Die Parkfläche im öffentlichen Raum ist komplett ausgelastet und sogar überlastet", sagt Marc. Dadurch würden viele Autofahrer etwa auf Geh- oder Radwegen parken. "Die Stadtpolizei hat aber angefangen das genauer zu verfolgen. Die Stadt hat auf die Entwicklung wohl reagiert", so seine Einschätzung.

Wunsch nach mehr Park+Ride-Stellplätzen

Auch die Frankfurter IHK sieht großen Nachholbedarf beim Parkangebot in der Stadt. Rund 235.000 der Einpendler seien "mangels attraktiver Alternativen auf das Auto angewiesen". Für diese gebe es in der Stadt lediglich rund 2.100 Park+Ride-Stellplätze. "Hier gibt es großen Handlungsbedarf", so die IHK.

Es sei wichtig, die Menschen mit geeigneten Mitteln zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel zu bewegen. "Mehr Radwege in der Stadt mögen das Radfahren für die Stadtbewohner attraktiv machen, den meisten Pkw-Einpendlern aus dem Umland bringen sie jedoch nichts", so die IHK. Deshalb wünsche man sich bessere ÖPNV-Verbindungen mit dem Umland oder mehr Park+Ride-Möglichkeiten in der gesamten Metropolregion.

Wie bewegen sich die Frankfurter fort?

Der Autoverkehr in Frankfurts Innenstadt hat in den vergangenen 40 Jahren stetig abgenommen. Das geht aus Zahlen der Stadt Frankfurt hervor, die alle zwei Jahre Zählungen des Autoverkehrs vornimmt. 2020 lag der prozentuale Autoverkehr sechs Prozentpunkte unter dem Wert von 2016 und sogar 36 Prozentpunkte niedriger als 1988.

Gleichzeitig geht aus den Zahlen hervor, dass der Autoverkehr am Frankfurter Stadtrand stetig zugenommen hat. 2018 etwa lag er 30 Prozentpunkte über dem Wert von 1988. Lediglich im Jahr 2020 gab es einen großen Einbruch: Dort lag der Autoverkehr auf einem ähnlich hohen Niveau wie 1988. Das ist augenscheinlich auf die Corona-Pandemie und ein geringeres Verkehrsaufkommen zu dieser Zeit zurückzuführen.

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Denn auch die Zahl der privaten und dienstlichen Autos in Frankfurt nimmt stetig zu. Im Januar 2022 kamen fast 46 Autos auf 100 Einwohnerinnen und Einwohner, 2012 lag die Zahl bei 45. In zehn Jahren stieg die absolute Zahl der Autos um über 35.000. In der Frankfurter Innenstadt legen Autofahrerinnen und Autofahrer werktags in der morgendlichen Rushhour durchschnittlich etwa 5,5 Kilometer zurück, am Wochenende sind es 5,4 Kilometer. Das geht aus Daten des Navigationsgeräte-Herstellers TomTom von 2022 hervor. Im Frankfurter Umkreis beträgt die durchschnittliche Streckenlänge beim Autofahren wochentags 13,4 Kilometer.

Doch auch der Radverkehr in Frankfurt hat sich positiv entwickelt. Bei Zählungen der Stadt Frankfurt kam heraus, dass im Jahr 2014, 33.000 Fahrräder pro acht Stunden in der Innenstadt unterwegs waren – 2020 waren es 46.000. Das ist eine Steigerung von fast 40 Prozent.

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Dass immer mehr Wege in Frankfurt mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, zeigt die Mobilitätsstudie. Diese wird alle fünf Jahre erhoben, die aktuellste Studie ist von 2018. Derzeit wird die Mobilitätsstudie 2023 erhoben. Demnach haben die Bürgerinnen und Bürger 2013, 14 Prozent ihrer Wege mit dem Rad erledigt. Im Jahr 2018 wurde fast jeder vierte Weg mit dem Fahrrad bewältigt (23 Prozent). Die nächste Erhebung stehe für 2023 an, sagte ein Pressesprecher der Stadt. Man gehe davon aus, dass die 25-Prozent-Marke schon überschritten sei.

Die Anzahl der Wege bei allen anderen Verkehrsmitteln nahm laut Studie hingegen ab. So sank der prozentuale Anteil der Wege, die mit dem Auto zurückgelegt wurden, um zwei Prozentpunkte, gleiches galt für den ÖPNV. Der Fußverkehr nahm um vier Prozentpunkte ab.

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Ihre Kommentare Wie erleben Sie die Verkehrssituation in Frankfurt?

55 Kommentare

  • @Klas, Klaus Chr - Das könnte aber auch an der Infrastruktur liegen. Außerhalb von Frankfurt sind die Radwege besser und Autofahrer weniger "überfordert".

  • Ich bin erstaunt, dass sich so viele als Moralapostel hinstellen. Jeder Verkehrsteilnehmer (VT) hat sein Recht auf freie Beförderungswahl. Sei es mit dem Rad, dem Auto oder dem ÖPNV.

    Ich bevorzuge persönlich auch eher ÖPNV und das Fahrrad, aber bezüglich letzteren ist es nicht getan einfach nur rote Farbe auf die Straße zu kippen.

    Bezüglich der Ampelschaltungen sind m.E.n. Alle VT gleichermaßen betroffen. Dazu sollten sich alle bezüglich der Verkehrsregeln an die eigene Nase fassen (auch ich ). Wenn man gegenseitig Rücksicht nimmt und mal etwas Hektik aus dem Alltag nimmt, komme alle gesund ans Ziel.

  • @Klas, Klaus Chr. aus Wöllstadt

    Natürlich geht es im Taunus und in der Wetterau "gesitteter" bei den Radfahren zu als in Frankfurt. Denn außerhalb der Städte tun die Kommunen noch weniger fürs Rad und fast alles fürs Auto. Folglich gibt es fast nur Autoverkehr.

    An einigen Kommentaren sieht man, dass für diese Leute immer noch bloß das Auto zählt. Viele mögen im Einzelnen ihre Gründe dafür haben. Aber das Gesamtkonzept ist nicht zukunftsfähig. Auf diese Leute darf die Politik nicht mehr hören. Autofahrer - allgemein gesehen - machen es sich zu einfach. Sie leisten bisher keinen Beitrag, im Gegenteil. Das kann nicht so bleiben.

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