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Weniger und zu warmes Wasser: Trockenheit macht Hessens Flüssen zu schaffen

Bei Hessens Flüssen und Bächen geht es langsam aber sicher ans Eingemachte: Anhaltende Hitze und Trockenheit lassen die Pegel sinken und bedrohen den Fischbestand. Auch für Wassersportler hat das Konsequenzen.

Wochenlange Trockenheit und ausbleibender Regen führen dazu, dass die Wasserstände an Flüssen und Bächen kontinuierlich sinken. Das teilt das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf hr-Anfrage mit. Man befinde sich in einem Bereich, der "vorkritisch" sei.

Viele Messstationen an Flüssen verzeichneten demnach Niedrigwasser. In den vergangenen zwei Monaten hätten die Durchflussmengen an 40 Prozent der Messstellen unter dem langjährigen Mittelwert gelegen. Laut HLNUG sei dies zunächst noch kein Grund zur Sorge: Bliebe das Wetter weiterhin so trocken, könne es allerdings kritisch werden. Flüsse könnten dann - gerade in ihren Oberläufen - trocken liegen.

Verbot von Wasserentnahme, Verbot von Wassersport

Die Folge ist schon jetzt spürbar: Kommunen beschränken den Zugang zum Wasser. So hatte der Vogelsbergkreis bereits Mitte Juni erlassen, dass aus Flüssen, Bächen und Seen im Kreisgebiet kein Wasser mehr entnommen werden darf. Verstöße gegen diese Regelung könnten demnach bis zu 100.000 Euro kosten. Auch im Main-Kinzig-Kreis und im Landkreis Kassel besteht ein Verbot.

Für die Bewohner des Main-Taunus-Kreises, der Landeshauptstadt Wiesbaden, des Rheingau-Taunus-Kreises und des Hochtaunuskreises besteht aktuell nur die Bitte des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt, bei Niedrigwasser kein Wasser aus Bächen und Flüssen zu entnehmen.

Das RP erließ allerdings Ende Juni ein Verbot für Wassersportler auf der Nidda. Der Fluss, der bei Frankfurt in den Main mündet, darf "aufgrund der extremen Trockenheit der letzten Jahre in Verbindung mit auch aktuell ausbleibenden Niederschlägen" nicht befahren werden, hieß es in einer Mitteilung - um das Ökosystem zu schützen. Bis Ende Juli ist daher die Nidda für Paddler tabu.

Halbjahresbilanz: Viel zu wenig Regen, Vegetation leidet

Ein Blick auf das vergangene halbe Jahr hilft zu verstehen, warum derzeit so wenig Wasser in Hessens Flüssen ist. "Bis April waren die Niederschlagsmengen noch ausgeglichen, aber seitdem ist es zu trocken.", sagt hr-Meteorologe Mark Eisenmann. Besonders im Osten von Hessen habe es kaum geregnet - so seien es in Bad Hersfeld im gesamten Juni nur 8 Liter pro Quadratmeter gewesen.

Darunter leidet dem Meteorologen zufolge die Vegetation - zumal es nicht das erste Jahr sei, in dem es zu trocken ist. Das summiere sich über Jahre hinweg - vor allem seit dem extrem trockenen Jahr 2018. Selbst die vergangenen zwei Jahre, so Eisenmann, in denen es durchaus wieder etwas nasser war, konnten das nicht aufholen.

Fischen fehlt irgendwann "Luft zum Atmen"

Regnet es nicht, kann der Regen auch nicht über kleinere Bäche ablaufen - und es fließt weniger Wasser in die großen Flüsse Hessens. Die Folgen von Niedrigwasser bekämen laut HLNUG vor allem die Fische zu spüren.

"Wenig Wasser im Fluss heißt: Das wenige Wasser, was da ist, erwärmt sich auch schneller - und Fische sind sehr sensibel, wenn die Temperatur steigt", erklärt Carina Zang vom HLNUG. Wärmeres Wasser könne zudem schlechter Sauerstoff speichern. Den Tieren werde daher in letzter Konsequenz die Luft zum Atmen genommen. Gerade die Bachforelle braucht Zang zufolge kühles und sauerstoffreiches Wasser.

Fische benötigten zudem einen Platz zum Laichen. Das gehe nicht einfach so im Wasser, sagt Zang. Liege eine Kiesbank oder eine Baumwurzel aber plötzlich im Trockenen, kämen die Fische nicht mehr an diese Plätze heran. Die Folge wäre ein Rückgang des Fischbestandes.

Im Frankfurter Osthafen hat das Wasser im Main am Montagabend bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche die 25-Grad-Marke überschritten - das Regierungspräsidium Darmstadt schlägt deshalb jetzt Alarm. Alle Unternehmen und Kommunen entlang des Mains sollen dafür sorgen, ihr Abwasser möglichst sauber und nährstoffarm zu halten.

Hitzemonate des Sommers kommen eigentlich noch

Sollte sich das Wetter drehen, würde sich die Lage laut HLNUG wieder entspannen. Gefährlich könnte es nur werden, wenn die trockene Wetterlage über mehrere Monate weiterginge. Dann erwarte man eine extreme Niedrigwasserlage.

Und genau hierin besteht das Problem, schließlich steht der Sommer mit seinen erwarteten Hitzeperioden im Juli und August gerade erst in den Startlöchern. Die hr-Wetterredaktion bestätigt das: Zumindest für den überblickbaren Zeitraum der nächsten zwei Wochen sei kein Wetterwechsel in Sicht.

Grundwasser sinkt - Neubildung unterdurchschnittlich

Inwieweit das Grundwasser unter der anhaltenden Trockenheit leidet, ist örtlich sehr unterschiedlich. Im April waren im südhessischen Ried und im Vogelsbergkreis die Wasserstände gesunken - auch, weil die Metropolregionen Frankfurt und Rhein-Main dort ihr Trinkwasser beziehen.

Laut HLNUG nehme der Grundwasserpegel zwar ab, dies sei aber zur Jahreszeit normal. In den Wintermonaten und im Frühjahr bilde sich das Grundwasser wieder neu; in den Sommermonaten fließe es langsam ab. Allerdings: Die Neubildung von Grundwasser verlaufe seit 2003 leicht unterdurchschnittlich. Zudem sei lediglich das oberflächennahe Grundwasser abhängig vom Regen. Die Grundwasserschichten darunter könnten - trotz Trockenheit an der Oberfläche - noch viel Wasser tragen.