Verkehrschaos ausgeblieben Traktoren verlassen Frankfurt nach Protestaktion

Hunderte Bauern sind am Donnerstag mit ihren Traktoren durch Frankfurt gefahren. Später ging es mit Aktionen unter anderem in Mittelhessen weiter: Dort entzündeten Landwirte ein Mahnfeuer.

Das Bild zeigt einen Konvoi aus Traktoren auf Friedberger Landstraße in Frankfurt.
Eine der festgelegten Routen führt die protestierenden Bauern über die Friedberger Landstraße. Bild © Jan Eggers (hr)
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Hunderte Traktoren bei Protesten in Frankfurt

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Bild © hessenschau.de
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Hunderte Traktoren zwischen Bankentürmen und Hochhäusern: Am Donnerstag sind eher ungewöhnliche Szenen im Frankfurter Stadtverkehr zu beobachten gewesen. "Aus jeder Himmelsrichtung" hatten sie sich laut Ordnungsamt zu einer Sternfahrt und einer Kundgebung an der Festhalle angekündigt, um gegen die Sparpläne der Bundesregierung zu protestieren.

Zu der Kundgebung an der Ludwig-Erhard-Anlage am Mittag waren laut Polizei 500 Teilnehmer gekommen. Nicht alle Bauern verließen demnach ihre Landmaschinen, den Beamten zufolge hatten sich etwa 600 Traktoren zum Protest nach Frankfurt begeben.

Die Organisatoren sprachen von 2.000 Traktoren, Lastwagen und anderen Maschinen, die teilgenommen hätten. Kurz vor 16 Uhr meldete die Polizei auf X (ehemals Twitter), dass alle Traktoren die Stadt verlassen hätten. Der Protest sei friedlich verlaufen und der Einsatz beendet.

Regionalvorsitzende: "Genug ist genug"

Die Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau und Büdinger FDP-Politikerin Andrea Rahn-Farr hatte im Gespräch mit dem hr vorab gesagt, die Kürzungspläne der Bundesregierung seien "ein Höhepunkt auf einer langen Liste von Auflagen, Gängelungen und Verteuerungen".

Mit der Sternfahrt wolle man diese Botschaft nun bis nach Berlin tragen. Die Subventionen blieben in der Regel nicht bei den Landwirten, sondern dienten dazu, die Lebensmittelpreise für die Verbraucher kostengünstig zu halten.

Die angekündigten Kürzungen träfen direkt das Einkommen der Bauernfamilien. "Wir können das nicht kompensieren", so Rahn-Farr. "Genug ist genug."

Sammelpunkte an mehreren Orten

Erste Bauern hatten sich schon am frühen Morgen an einem Sammelpunkt in Butzbach (Wetterau) getroffen. "Mit uns statt gegen uns" oder "Landwirtschaft macht alle satt - auch die Gegner, die sie hat" stand auf Schildern, die sie an ihren Traktoren angebracht hatten.

Ihre Route führte die Bauern hauptsächlich über Landstraßen, den Stadtteil Bergen-Enkheim und mit der Friedberger Landstraße schließlich über eine der wichtigsten Ein- und Ausfallstraßen Frankfurts. Im Bereich der Friedberger Landstraße kam es im Aufzug zu einem Auffahrunfall mit drei beschädigten Fahrzeugen. Verletzt wurde niemand, wie die Polizei am Abend berichtete.

Auch Landwirte aus dem Main-Kinzig-Kreis, der Wetterau, dem Main-Taunus-Kreis, dem Hochtaunuskreis, dem Kreis Darmstadt-Dieburg und aus dem Kreis Offenbach hatten angekündigt, sich an der Fahrt beteiligen zu wollen.

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Landwirte sammeln sich in Butzbach

Traktoren auf einem Feld
Am frühen Morgen sammelten sich die ersten Traktoren bei Butzbach (Wetterau). Bild © Wolfhard Kahler (hr)
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Sammelpunkte waren neben Butzbach unter anderem in Seligenstadt (Offenbach), Erlensee (Main-Kinzig), Bad Homburg (Hochtaunus) und Nauheim (Groß-Gerau).

Routen führen über fünf zentrale Zufahrtsstraßen

Die Traktoren sollten laut Stadt über fünf abgestimmte Strecken nach Frankfurt fahren: die Friedberger Landstraße, die Lorscher Straße, die Hanauer Landstraße, die Darmstädter Landstraße und Sachsenhäuser Warte sowie die Schmalkaldener Straße und Höchster Farbenstraße.

Auch die Theodor-Heuss-Allee und die Autobahn 648 zwischen Westkreuz und Ludwig-Erhard-Kreisel wurden für die Sternfahrt in beide Richtungen voll gesperrt. Dort mussten die Bauern ihre Traktoren abstellen und zu Fuß zur Kundgebung an der Festhalle gehen.

Das Ordnungsamt hatte Staus auf diesen Zufahrtsstraßen erwartet. Bislang ist das erwartete Chaos laut Polizei aber größtenteils ausgeblieben. Für die Dauer der Rückfahrt wurde erneut mit Verkehrsbehinderungen gerechnet.

Probleme auch bei Bussen und Straßenbahnen

Auch im ÖPNV brauchen Pendlerinnen und Pendler am Donnerstag voraussichtlich länger als gewohnt: Laut Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) kommt es in Frankfurt zu Einschränkungen im Bus- und Straßenbahnverkehr. Bis zum Nachmittag fielen demnach fast alle Straßenbahnlinien aus.

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Zeitgleich zu den Bauern-Protesten läuft seit Mittwoch früh bis Freitagabend der Streik der Lokführergewerkschaft GDL im Personenverkehr der Deutschen Bahn.

Mahnfeuer mit hunderten Landwirten in Mittelhessen

Auch in Mittelhessen gab es am Donnerstag erneut Protestaktionen. Rund 1.000 Menschen nahmen am frühen Abend an einer Kundgebung mit einem Mahnfeuer nahe Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) teil. Mehrere Landwirte und Politiker aus der Region hielten Reden, darunter der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Heck.

Laut Ordnungsamt lief die Aktion ohne besondere Zwischenfälle ab. Gegen 19 Uhr löste sich die Versammlung allmählich auf.

Feuerhaufen mit Menschenmenge am Rand
Für das Mahnfeuer hatten die Landwirte aus Mittelhessen schon am Vortag Holz aufgeschichtet. Bild © Rebekka Dieckmann (hr)

Im Kreis Limburg-Weilburg sollten an verschiedenen Orten am späten Nachmittag ebenfalls Mahnfeuer angezündet werden, unter anderem in Limburg, Weilburg und Hünfelden.

Hessenweite Proteste seit Montag

In Kassel hatte bereits am Mittwoch eine Sternfahrt mit rund 900 Fahrzeugen für erweiterte Straßensperrungen gesorgt. Am Montag hatten Traktor-Konvois hessenweit für Staus auf den Straßen gesorgt. 2.000 Fahrzeuge blockierten Teile Wiesbadens.

Die Proteste der Landwirte richten sich gegen geplante Subventionskürzungen der Bundesregierung. Schrittweise abgeschafft werden soll demnach die Steuerbegünstigung auf Agrardiesel. Dass die Ampelkoalition einen Teil ihrer Kürzungspläne zurückgenommen hat, reicht dem Bundesbauernverband nicht aus.

Weitere Informationen

Redaktion: Pia Stenner, Anna Lüft

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.1.2024, 19.30 Uhr

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Quelle: mit Informationen von Saskia Klingelschmitt, Rebekka Dieckmann und Frank Angermund (hr), hessenschau.de, dpa/lhe