Neubau, Baustelle mit Kran

Deutschlands kleinster Kreis zieht immer mehr Menschen und Unternehmen an. Deshalb wird viel Geld in neue Bauprojekte gesteckt. Die Grünen wittern ihre Chance und fordern, diese nachhaltig zu gestalten.

So lebt man hier:

Mittendrin und trotzdem idyllisch – so leben die Bürger im Main-Taunus-Kreis. Zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Mainz genießen sie eine gute Infrastruktur mit Flughafennähe. Wälder und Felder sind trotzdem immer in Sichtweite, die Farbe Grün prägt das Landschaftsbild.

Aktuell leben auf den rund 220 Quadratkilometern etwa 237.000 Menschen. Die Arbeitslosenquote ist verglichen mit den anderen hessischen Kreisen niedrig, das Durchschnittseinkommen hoch – nur in Frankfurt und Darmstadt verdienten die Menschen im Jahr 2019 im Schnitt noch mehr. Damit ist der Kreis flächenmäßig zwar der kleinste in ganz Deutschland, aber wirtschaftlich bundesweit unter den Spitzenreitern.

Die Chancen der Region:

Vor allem in Eschborn haben sich viele große und teils internationale Konzerne angesiedelt, zum Beispiel Ernst & Young, Hertz Autovermietung, Telekom, die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Häuser der Mode. Sie profitieren von der hohen Kaufkraft, aber auch der Nähe zum Frankfurter Flughafen.

Gemessen an der Einwohnerzahl gilt der Main-Taunus-Kreis nach wie vor als stark wachsende Region. Landrat Michael Cyriax (CDU) will in die strukturelle Anbindung des Kreises investieren. Ein Beispiel ist die neue Abfahrt der Autobahn 66, die Eschborn direkt mit Frankfurt und Fulda verbinden wird.

Das Topthema vor der Wahl:

"Wir wollen keine Schutzzäunchen errichten, wir wollen machen", sagt Landrat Cyriax. Gemeint sind damit die im kommenden Jahr anstehenden Bauvorhaben – etwa auf den Grundstücken mehrerer Schulen. Das Main-Taunus-Gymnasium in Hofheim am Taunus wird für 63 Millionen Euro erweitert und saniert, auch die Astrid-Lindgren-Schule in Hochheim wird mit 19 Millionen Euro erweitert.

Ein Thema, das vor allem Schulsport und Schwimmvereine betrifft, ist ein geplantes Hallenbad für den Kreis. Lange wurde über den Standort gesprochen, nun steht fest: In Kriftel auf dem Gelände der Konrad-Adenauer-Schule wird das neue Hallenbad entstehen. Im Frühjahr sollen die Architekturpläne vorgestellt werden.

Das dritte große Bauvorhaben ist die "Wallauer Spange" in Verbindung mit der Regionaltangente West, die unter anderem den Anschluss zum Frankfurter Flughafen verbessern soll. In diesem Zusammenhang wird auch über den Ausbau der "Taunusbahn" gesprochen, bei der wasserstoffbetriebene Züge eingesetzt werden könnten. Hier seien Milliarden in Planung, heißt es aus dem Kreishaus.

Das beschäftigt die Menschen noch:

Viele junge Familien suchen im Main-Taunus-Kreis nach einem Eigenheim, doch die Immobilien und Grundstücke sind rar. Nur wenige Häuser stehen zum Verkauf, die Preise steigen stetig, in den wenigsten Kommunen entstehen Neubaugebiete. Die Corona-Pandemie erschwert die Suche: Wer seinen Job verloren hat, kann sich die lang geplante Investition womöglich doch nicht mehr leisten.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind auch im Main-Taunus-Kreis ein wichtiges Thema, mit dem sich nicht nur die Grünen auseinandersetzen. Der Starkregen im vergangenen August, bei dem zahlreiche Straßen in Kelheim und Bad Soden überflutet wurden, hat auch laut CDU-Kreisverband gezeigt, dass es konkrete Maßnahmen zur Klimaanpassung brauche. Beide Parteien setzen sich gemeinsam mit der FDP-Kreistagsfraktion dafür ein, das Stadtklima bei künftigen Bauvorhaben zu berücksichtigen.

Ähnliches fordert eine im Bundestag eingebrachte Petition für klima- und sozialverträgliches Bauen, die ganze Freundeskreise aus Main-Taunus unterzeichnet haben. Nachhaltige Gebäude sollen dabei helfen, die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen und den Main-Taunus-Kreis umweltfreundlicher zu gestalten. Auch Klima-Aktivistin Luisa Neubauer hat für die Petition geworben.

Weil es im Kreis zu wenige Hebammen gibt, wurden im vergangenen Jahr eine Vermittlungsstelle und eine Notfall-Ambulanz in einer Klinik in Bad Soden eingerichtet. Dort arbeitet seit diesem Jahr auch eine Babylotsin, die junge und werdende Familien berät. Das Problem ist noch lange nicht gelöst, doch ein erster Schritt ist getan.

So ist die politische Ausgangslage im Landkreis:

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Der Kreis ist traditionell konservativ geprägt, die CDU fuhr jahrzehntelang Wahlsiege ein. Dahinter folgte lange Zeit die SPD, doch bei der Landtagswahl 2018 zogen die Grünen im Main-Taunus-Kreis an den Sozialdemokraten vorbei.

In diesem Jahr erwartet Landrat Cyriax – durch das Bedürfnis nach Mitgestaltung in der Corona-Pandemie – eine verhältnismäßig hohe Wahlbeteiligung. Bei den letzten Kommunalwahlen 2016 hatte sie mit 52,6 Prozent bereits über dem hessischen Durchschnitt gelegen.

Das sind die wichtigsten Köpfe:

Einige bekannte Landespolitiker kommen aus dem Main-Taunus-Kreis. Die SPD geht mit der hessischen Parteivorsitzenden Nancy Faeser als Spitzenkandidatin in die Kreistagswahl.

Der Staatsminister und Chef der hessischen Staatskanzlei Axel Wintermeyer (CDU) kandidiert auf Listenplatz 2 der Christdemokraten. Angeführt wird die Liste vom Bad Sodener Bürgermeister Frank Blasch. Ex-Ministerpräsident Roland Koch steht auf Listenplatz 39 der Eschborner CDU, auf dem Stimmzettel wird er damit aber nicht vertreten sein – zulässig sind nur 37 Kandidaten.

Diese Entscheidungen stehen noch an:

In Hochheim wird zeitgleich mit der Kommunalwahl am 14. März ein Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Dirk Westedt (unabhängig) wird von Jan Herfort (SPD) herausgefordert. Die Wahl war aufgrund der Corona-Pandemie verschoben worden.