Opel Außenwerbung mit Gewitterwolken

Nicht nur wegen der Corona-Pandemie bangen viele Menschen im Kreis Groß-Gerau um ihre Arbeitsplätze bei Opel oder am Flughafen. Im Kreistag hält die Koalition aus SPD, Grünen und Linken nur eine hauchdünne Mehrheit.

So lebt man hier:  

Gut 275.000 Menschen leben im Kreis Groß-Gerau, der sich über 30 Kilometer am Rhein entlang von Norden nach Süden erstreckt. Der Norden des Kreises gehört zum Ballungsraum Frankfurt und Rhein-Main. Hier liegen mit Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf auch die beiden größten Städte im Kreis.

Während den nördlichen Kreis vor allem Industrie und Gewerbe prägen – auch wegen der unmittelbaren Nähe zum Frankfurter Flughafen – spielt im Süden des Kreises die Landwirtschaft eine stärkere Rolle. Ob Spargel oder Erdbeeren, der Feinschmecker kommt hier auf seine Kosten.

Die Chancen und Herausforderungen der Region: 

Der Kreis liegt sehr zentral und von mehreren Großstädten umgeben: Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und selbst Mannheim und Heidelberg sind nicht weit. Mit der A5 und der A3 kreuzen sich hier zwei der wichtigsten deutschen Autobahnen.

Auch die Nähe zum Flughafen lockt viele Unternehmen an, etwa aus der Logistikbranche. Gleichzeitig ist der LKW-Verkehr, wie auch der Fluglärm, eine Belastung für Teile des Kreises. Durch die relative Nähe zu den großen Zentren steigt die Einwohnerzahl seit Jahren, was gleichzeitig zu Wohnungsmangel führt.

Das Topthema vor der Wahl: 

Natürlich ist auch der Kreis Groß-Gerau von Corona betroffen. Zeitweise zählte der Kreis zu den Hotspots in Hessen. Wohl auch deswegen wurden hier schon im März 2020 die ersten Corona-Tests durch das offene Autofenster durchgeführt.

Rund 63.000 Menschen im Kreis sind derzeit in Kurzarbeit (Stand Januar). Viele von ihnen arbeiten am Frankfurter Flughafen, in Logistikunternehmen oder bei Opel in Rüsselsheim. Ansonsten sind Wohnraum und Kinderbetreuung wie vielerorts in Hessen auch hier Dauerthemen.

Das beschäftigt die Menschen noch: 

Wie geht es weiter für die Beschäftigten der Automobilbranche? Seit der Opel-Übernahme durch den französischen Autobauer PSA mussten tausende Mitarbeiter gehen, weitere 2.100 sollen folgen. Auch beim Ingenieurdienstleister Segula fallen mehrere hundert Jobs weg. In Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg wurden im vergangenen Jahr bereits zwei Autohäuser geschlossen.

Was passiert mit den alten Opel-Werken? Darüber wird ebenfalls viel diskutiert. Auf dem Gelände direkt am Rüsselsheimer Bahnhof soll für 100 Millionen Euro das "Opel-Forum Rüsselsheim" mit Wohnungen, Büros, Restaurants und einer Ausstellungsfläche für Oldtimer und Sportwagen gebaut werden.

Bekommt Rüsselsheim ein Ikea-Lager? Der schwedische Möbelhersteller hatte das ehemalige Opel-Gelände im Gewerbepark West bereits im vergangenen Sommer gekauft. Doch SPD, Grüne und Linke verhinderten die Pläne für ein großes Verteilzentrum, es kam zum Eklat im Stadtparlament. Hier dürfte das letzte Wort noch nicht gefallen sein.

So ist die politische Ausgangslage im Landkreis:  

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Der Kreis Groß-Gerau ist traditionell eine SPD-Hochburg, wenngleich die Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren insgesamt nicht mehr ganz so dominant waren. In einigen Städten und Gemeinden konnten sich zuletzt CDU-Bürgermeister durchsetzen.

Auf Kreisebene war die SPD allerdings auch bei den Kommunalwahlen 2016 stärkste Partei - zwar mit drei Prozentpunkten Verlust, doch CDU und Grüne mussten deutlich stärker Federn lassen. Eine Neuauflage der Zweierkoalition von SPD und Grünen war damit nicht möglich, vier Vertreter der Linken und der einzige Abgeordnete der Piraten Christian Greb traten dem Bündnis bei. In diesem Jahr steht er auf der Liste der Linken, nachdem er sich zuvor bereits der Fraktion angeschlossen hatte.

Die AfD kam bei der letzten Wahl aus dem Stand auf gut 13 Prozent und wurde damit drittstärkste Kraft vor den Grünen. Zur Wahl stehen im März außerdem FDP, Freie Wähler, FWG, die "Partei" und das "Forum Neuer Kreis" (FNK).

Das sind die wichtigsten Köpfe:

Landrat Thomas Will (SPD) ist einer der bekanntesten Köpfe in Groß-Gerau und zugleich Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Wahl des Kreistags. Außerdem setzt die Partei auf die Landtagsabgeordnete Kerstin Geis.

Spitzenkandidat der Christdemokraten ist der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Kreis-CDU Stefan Sauer. Auf Listenplatz vier steht der Bürgermeister von Riedstadt Marcus Kretschmann.

Hier wird es besonders spannend:

Die Mehrheit der Koalition im Kreistag ist mit einem Sitz Vorsprung nur noch hauchdünn. Sollten die Sozialdemokraten weiter Stimmen verlieren und die Grünen nicht vom allgemeinen Aufschwung der Partei profitieren können, wird es eng.

Diese Entscheidungen stehen noch an:

In Kelsterbach findet gleichzeitig mit der Kommunalwahl die Bürgermeisterwahl statt. Eigentlich war diese bereits für Juni 2020 angesetzt. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie aber, wie viele andere Bürgermeisterwahlen in Hessen auch, verlegt. Für eine dritte Amtszeit kandidiert Manfred Ockel (SPD). Drei weitere Kandidaten treten gegen ihn an: Christian Hufgard von der Wählerinitiative Kelsterbach (WIK), Frank Wiegand (CDU) und Idriz Koustar (Freie Wähler).

Hier krachte es im Vorfeld der Wahl:

In der Rüsselsheimer Stadtverordnetenversammlung kam es im November wegen des geplanten Ikea-Lagers zum Streit. Um eine Abstimmung mit unliebsamem Ergebnis zu verhindern, verließen CDU, WsR, FDP und Freie Wähler nahezu geschlossen die Sitzung. Danach waren trotzdem noch genug Stadtverordnete anwesend, sodass SPD, Grüne und Linke ein kleinteiliges Gewerbegebiet an Stelle des großen Ikea-Verteilzentrums beschließen konnten. Die Fraktionen warfen sich anschließend gegenseitig undemokratisches Verhalten vor.