Baumstämme liegen auf einem greodeten Waldstück

Alternative neben Traditionellen, pulsierende Studentenstadt neben beschaulichem Hinterland: Der Kreis Marburg-Biedenkopf bringt einerseits Gegensätze zusammen. Andererseits spaltet der Konflikt um den Weiterbau der A49 Bürger und Politik.

So lebt man hier:

In Marburg-Biedenkopf treffen viele Gegensätze aufeinander. Das bunte, pulsierenden Leben in der Studentenstadt Marburg prägt den Kreis ebenso wie der bürgerlich-traditionelle, ländliche Raum. Kulturell und touristisch hat die Region viel zu bieten: Neben der berühmten Marburger Altstadt locken in der direkten Umgebung hübsche Fachwerkdörfer, alte Burgruinen und reizvolle mittelhessische Landschaften zum Wandern.

Für die Marburger Wirtschaft sind besonders die Universität, das Klinikum und die Pharmaindustrie relevant. Im Hinterland gibt es außerdem einen starken Mittelstand. In Stadtallendorf haben größere Unternehmen wie Ferrero oder die Eisengießerei Fritz Winter, aber auch die Bundeswehr wichtige Standorte.

Die Chancen und Herausforderungen der Region:

Die Region ist ein wichtiger Produktions- und Forschungsstandort und immer wieder Ausgangspunkt für Innovationen, vor allem im medizinischen und pharmazeutischen Bereich. Das Hinterland freut sich über nahezu Vollbeschäftigung und eine relativ gute Wohnsituation.

In der dicht besiedelten Universitätsstadt Marburg haben allerdings immer mehr Menschen Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Im Kreis gibt es zudem seit Jahrzehnten Verkehrskonflikte in all ihren Facetten: Seien es die viel diskutierten Probleme rund um die enge Marburger Innenstadt, die bessere Anbindung für den ländlichen Raum oder der hoch umstrittene Weiterbau der A49 im Osten des Landkreises.

Das Topthema vor der Wahl:

Kein anderes Thema hat das Jahr 2020 im Landkreis so dominiert und gespalten wie der Weiterbau der A49 und die damit verbundene Rodung des Dannenröder Waldes. Während Umweltschützer und einige Anwohner bis heute gegen den Bau protestieren, hoffen andere Anwohner und Unternehmer auf eine bessere Verkehrsanbindung für die Region. Auch politisch stehen sich die Parteien zum Teil konträr gegenüber. Die Grünen hatten während der Rodung auch mit internen Uneinigkeiten zu kämpfen.

Das beschäftigt die Menschen noch:

Nicht nur Marburg schaut derzeit gebannt auf den Pharmastandort Behringwerke im Norden der Stadt. Der Industriepark macht momentan international Schlagzeilen, weil die Mainzer Firma Biontech dort ein Werk gekauft und mit der Produktion des Corona-Impfstoffs begonnen hat. Mit der Impfung sind große Hoffnungen verbunden. Das könnte auch für die Entwicklung der Stadt Folgen haben.

Fast schon im Corona-Trubel untergangen, aber dennoch nicht ganz konfliktfrei verlief im vergangenen Jahr zudem der Weiterverkauf des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) an den Asklepios-Konzern. Das UKGM ist das einzige Universitätsklinikum in Deutschland, das sich nahezu vollständig in privater Trägerschaft befindet. Während und nach dem Eigentümerwechsel wurden erneut Sorgen und Kritik von Angestellten wegen der Arbeitsbedingungen am UKGM laut.

So ist die politische Ausgangslage im Landkreis:

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Im Landkreis gibt es derzeit eine rote Mehrheit. Die SPD regiert in einer großen Koalition mit der im Kreistag ebenfalls recht starken CDU. Grüne und Linke wurden bei der letzten Kreistagswahl vor fünf Jahren von der AfD überholt. Sie wurde mit 12,5 Prozent aus dem Stand drittstärkste Kraft.

Die Stadt Marburg gilt als linke Hochburg. Sie wird seit 40 Jahren von der SPD dominiert. Doch seit 2016 hängt die Politik in einer ungewöhnlichen Regierung fest: Statt einer Koalition regiert ein loses Bündnis aus SPD, CDU und Bürger für Marburg. Sie haben sich auf "Zusammenarbeit in Marburger Themen" (ZIMT) geeinigt. Ernstzunehmende Konkurrenten und starke Oppositionsparteien sind sowohl die Grünen als auch die Linke.

Das sind die wichtigsten Köpfe:

  • Die amtierende Landrätin Kristen Fründt steht auf SPD-Listenplatz 1. Nach einer Krebsdiagnose und Operation im Sommer ist sie inzwischen wieder im Einsatz.
  • Die CDU-Liste führt mit dem ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow ebenfalls ein bekanntes Gesicht an.
  • Die Grünen schicken ihre beiden bisherigen Fraktionsvorsitzenden Sandra Laaz und Michael Meinel auf den Plätzen 1 und 2 ins Rennen.
  • Auf Listenplatz 1 der Linken steht die Fraktionsvorsitzende Anna Hofmann.
  • Wichtigster Kopf bei der AfD ist weiterhin Karl Hermann Bolldorf, ehemaliger Bürgermeister von Biedenkopf – damals war er aber noch in der CDU.
  • An der Spitze der FDP steht der selbstständige Personalberater Thomas Riedel.
  • Die Freien Wähler werden angeführt vom langjährigen Dautphetaler Bürgermeister Bernd Schmidt.
  • Als "Liberale und Piraten" tritt erstmals ein Zusammenschluss zur Wahl an, der sich bereits letztes Jahr als Kreistagsfraktion neuformiert hat. An der Spitze steht der Medizinprofessor Ulrich Mueller, vorher FDP-Fraktionsmitglied.
  • Neu dazugekommen sind die bisher noch recht unbekannten Kandidaten von zwei neuen Gruppierungen: Die Klimaliste will eine klimapolitische Wende radikaler vorantreiben als die Grünen. Und die Bürgerliste Weiterdenken will sich gegen bestehende Corona-Einschränkungen einsetzen.

Hier könnte es besonders spannend werden:

Sowohl in der Stadt Marburg als auch im Kreistag geht die SPD mit Vorsprüngen aus den Wahlen der vergangenen Jahre ins Rennen. Doch die rote Mauer bröckelt seit einiger Zeit – und insbesondere nach dem ereignisreichen Jahr 2020 sind die Ergebnisse nirgendwo eine klare Sache.

Diese Entscheidungen stehen noch an:

In Marburg wird ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) wird von gleich acht Kandidaten und Kandidatinnen herausgefordert: Die Richterin Nadine Bernshausen tritt für die Grünen an, auch der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger versucht es erneut. Außerdem stehen Michael Selinka (FDP), Renate Bastian (Linke), Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg), Jounes Erojo (Marburg 24), Frank Michler (Bürgerliste Weiterdenken) und Mariele Diehl (Klimaliste) zur Wahl.