Morgenhimmel Burganlage Kronberg im Taunus

Hübsche Städtchen, beliebte Ausflugsziele: Wer im Taunus wohnt, hat es geschafft. Doch nicht nur im Corona-Winter herrscht in der Region Verkehrschaos. Wird die Kommunalpolitik der Lage Herr?

So lebt man hier:

Der Hochtaunuskreis mit seinen 13 Gemeinden ist Frankfurts reicher Speckgürtel. Im Vordertaunus zwischen Königstein und Bad Homburg sind die Wohnlagen begehrt, die Häuser in den Villenlagen entsprechend hochpreisig.

Viele der 236.000 Einwohner zählen zu den Besserverdienern: Der Hochtaunus hat die zweithöchste Kaufkraft aller Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Viele Wohlhabende, unter anderem Banker, die in Frankfurt arbeiten, wohnen in und um die Kurstadt Bad Homburg.

Der Taunushauptkamm mit dem Großen Feldberg ist das Naherholungsgebiet der Frankfurter, dahinter kommt der ländliche Hintertaunus, der ebenfalls zum Kreisgebiet gehört. Im Vordertaunus sitzt die Wirtschaftskraft mit den Deutschland-Zentralen großer Firmen wie Fresenius, Alte Leipziger, Milupa, Braun, Accenture und Jaguar. Rolls-Royce hat in Oberursel ein Werk für Triebwerksteile.

Die Chancen und Herausforderungen der Region:

Hochtaunus 2030+ heißt das Kreisentwicklungsprojekt, in dem die Verkehrssituation ein wichtiges Thema ist. Vor allem der Feldberg ist oft von Erholungssuchenden aus dem Umkreis überlaufen. Zum Jahreswechsel im Corona-Lockdown sperrte der Kreis deshalb zeitweise die Zufahrtstraßen.

Auch die zahlreichen Pendler nach Frankfurt verstopfen die Bundesstraßen tagein, tagaus. Sowohl die Saalburgchaussee als auch der Königsteiner Kreisel sind ein Nadelöhr. Landrat Ulrich Krebs (CDU) denkt deshalb laut über eine Seilbahn von Schmitten nach Oberursel-Hohemark nach, die Pendler und Touristen aus der Mainmetropole in den Taunus bringen könnte.

Seit 2013 lässt das Frankfurter Verkehrsdezernat außerdem eine mögliche Verlängerung der U-Bahn-Linie 6 nach Eschborn prüfen, die derzeit an der Heerstraße in Frankfurt-Praunheim endet. Die Grünen im Hochtaunuskreis haben sich jüngst für einen Ausbau der U6 über Eschborn hinaus mit Haltestellen in Steinbach und Kronberg ausgesprochen.

Das Topthema vor der Wahl:

Das eine Topthema vor der Kommunalwahl gibt es bisher nicht. Insbesondere im Vordertaunus fehlt bezahlbarer Wohnraum für Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Außerdem soll die Verkehrssituation zum Beispiel durch den Ausbau der Radwege und die Elektrifizierung der Taunusbahn verbessert werden. Und Landrat Krebs hat ein millionenschweres Schulbauprogramm vorgelegt.

Das beschäftigt die Menschen noch:

Die Kreisumlage zur Entlastung der von Corona gebeutelten Kommunen um einen ganzen Prozentpunkt ist beschlossene Sache. Das kostet den Kreis rund vier Millionen Euro.

Die FDP musste zuletzt beim Haushalt 2021 zurückstecken. Sie wollte entlang der Kreisstraßen Radwege bauen, der Posten wurde jedoch gestrichen. Gescheitert sind die Liberalen auch mit ihrem Antrag, den kreiseigenen Cateringbetrieb Taunus Menü Service (TMS) an die freie Wirtschaft abzugeben.

So ist die politische Ausgangslage im Landkreis:

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Politisch ist der Landkreis schwarz, doch absolute Mehrheiten gewinnen auch die Christdemokraten schon lange nicht mehr. Bei der letzten Kommunalwahl 2016 gewann erwartungsgemäß wieder die CDU mit 39,7 Prozent, allerdings verlor sie Stimmen vor allem an AfD und FDP.

Seit 2011 regiert im Kreis eine Große Koalition aus CDU und SPD. Die Grünen sind drittstärkste politische Kraft. Mit aktuell acht Parteien ist der Kreistag recht zersplittert.

Das sind die wichtigsten Köpfe:

  • Landrat Ulrich Krebs von der CDU hat das Amt seit 2006 inne. Er hat in seiner Amtszeit vor allem den Neubau der Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg und Usingen vorangetrieben.
  • CDU-Spitzenkandidat ist der Bundestagsabgeordnete Markus Koob. Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes kandidiert auf Platz 5.
  • Die SPD geht erneut mit Stephan Wetzel als Spitzenkandidat in die Kreistagswahl.

Hier könnte es besonders spannend werden:

In Königstein, der kaufkraftstärksten Stadt des Kreises, hat es bei der letzten Kommunalwahl die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) erstmals zur stärksten Kraft geschafft, noch vor der CDU. Diese Tendenz könnte andauern, zumal die ALK für viele Grünen-nahe Bürger eine willkommene Alternative scheint.

Die Gemeinde Schmitten im Hintertaunus ist von den Gegensätzen ihrer neun Ortsteile geprägt. Das zeigt sich auch in drei Wählergemeinschaften, die jeweils in einem anderen Ortsteil agieren. Schmitten ist eine von fünf der dreizehn Gemeinden im Hochtaunuskreis, die derzeit keine CDU-Mehrheit im Parlament hat.

Diese Entscheidungen stehen noch an:

In Bad Homburg ist parallel Oberbürgermeisterwahl. Gegen Amtsinhaber Alexander Hetjes (CDU) treten drei Kandidaten an: Alexander Unrath (Grüne), Armin Johnert (Bürgerliste Bad Homburg) und Thomas Kreuder (SPD). 

In drei Kommunen werden außerdem Bürgermeister gewählt. In Oberursel wird Amtsinhaber Hans-Georg Brum (SPD) nicht mehr antreten. Hier stehen gleich acht Kandidaten zur Wahl.

Auch der Bürgermeistervon Friedrichsdorf wird neu gewählt. Horst Burghardt (Grüne) tritt ebenfalls nicht zur Wiederwahl an. Die CDU stellt die 35-jährige Katja Gehrmann zur Wahl, außerdem kandidieren Jens Witte (FWG), Lars Keitel (Grüne), Jutta Janda (SPD) und Jochen Kilp (FDP).

In Glashütten bewirbt sich Brigitte Bannenberg (unabhängig) um eine weitere Amtszeit. Außerdem stehen Thomas Ciesielski (CDU) und Jürgen Melzer (unabhängig) zur Wahl.